Eigentlich, das gab James jüngst beim Medientag zu, wollte er im Sommer zu den New York Knicks wechseln, sich im legendären Madison Square Garden von der NBA-Bühne verabschieden. Doch dann machten ihm die Knicks mit dem Gewinn der Championship einen dicken Strich durch die Rechnung. "Nachdem sie San Antonio geschlagen haben, habe ich mir gedacht: 'Hey, ich kann das nicht'", verriet James.
Dem Erbe einer Meistermannschaft hinterherzurennen, ist für einen Mann mit dem Selbstverständnis eines LeBron James ausgeschlossen. Und so entschied er sich für die Philadelphia 76ers, die seit 43 Jahren auf einen Titel warten. Warum aber nach vier Meisterschaften und ebenso vielen MVP-Auszeichnungen überhaupt weitermachen? Die Antwort ist so schlicht wie einleuchtend: Weil er es kann.
Dabei fordert James, ein Ehrgeizling wie er braucht immer einen Gegner, "Father Time" persönlich heraus. "Mich reizt es immer mehr herauszufinden, wie sehr ich weiterhin allen Widrigkeiten trotzen kann", sagte er in seinem Podcast "Mind the Game": "Es geht um dieses ganze Thema mit dem Älterwerden. Ich habe einen echten sportlichen Wettkampf mit der Zeit." Und bislang gewinnt James!
Gehaltsverzicht führt zu Superteam
In der abgelaufenen Saison bei den Los Angeles Lakers legte er noch über 20 Punkte im Schnitt auf, und auch in seiner 24. (!) NBA-Spielzeit wird er in Philadelphia sicher die ein oder andere Glanzleistung abliefern. James will jedoch mehr, als im biblischen Basketball-Alter gut auszusehen – und verzichtete dafür auf viel Geld. Für seinen Zweijahresvertrag in Philadelphia kassiert der Milliardär insgesamt knapp acht Millionen US-Dollar, womit er den Sixers die Möglichkeit gibt, ihm namhafte Stars zur Seite zu stellen.
Gemeinsam mit Star-Spielmacher Tyrese Maxey, Ex-MVP Joel Embiid und dem von den Boston Celtics gekommenen Jaylen Brown muss LeBrons fünfte Meisterschaft das Ziel sein. So viel ließ er selbst bereits durchblicken. Die Sixers, die in den vergangenen Jahren immer spätestens im Playoff-Viertelfinale gescheitert waren und letztmals 2001 in den NBA-Finals gestanden hatten, müssten über Grenzen gehen, sich "damit wohlfühlen, uns unwohl zu fühlen", so James.

Sollte dies gelingen, könne Philadelphia "ein großartiges Team" sein. Wenn nicht, werde es schwer, wobei James deutlich klarstellte: "Ich habe meine Familie nicht zurückgelassen, um in der zweiten Playoff-Runde auszuscheiden." Auf dieser Reise wird entscheidend sein, wie Headcoach Nick Nurse die Belastung bis zu den Playoffs steuert. James' Körper ist für sein Alter zwar beeindruckend, 82 Hauptrundenspiele hält er aber nicht durch.
Seinen Einsatz beim mit Spannung erwarteten Saisonstart in der Nacht zum Mittwoch (1.00 Uhr) der kommenden Woche wird sich LeBron aber kaum nehmen lassen. Schließlich muss er dafür nicht einmal in seinen Helikopter steigen. Es geht gegen die Knicks. Natürlich im Madison Square Garden.
Zum Match-Center: New York Knicks vs. Philadelphia 76ers
