Nach den Absagen von Pep Guardiola und Carlo Ancelotti schien Pirlo den Posten sicher zu haben - nicht zuletzt, weil die italienische Fußball-Ikone Paolo Maldini, neuerdings der Technische Direktor des Verbandes FIGC, ihn zum Wunschkandidaten für den Neuaufbau auserkoren hatte. Doch wegen Pirlos Verbindungen zum russischen Wettanbieter Fonbet hält ihn nun auch Verbandspräsident Giovanni Malagò für nicht mehr tragbar, wie die Gazzetta dello Sport berichtet.
Das ohnehin schon große Chaos komplett wird von der Drohung von Maldini, seinen Posten umgehend wieder zu verlassen, sollte Pirlo nicht Trainer der Squadra Azzurra werden, komplettiert. Keinen Monat nach seiner Ernennung stünde der Verband dann ohne Technischen Direktor da - und Malagò vor der nächsten Mammutaufgabe seiner selbst noch jungen Amtszeit.
Fonbet wird Pirlo zum Verhängnis
Da hilft es kaum, dass Pirlo mit heftigem Unverständnis auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe reagiert. Seiner Zusammenarbeit mit Fonbet eine "politische Bedeutung zuzuschreiben"? Dies bedeute, "mir Überzeugungen zu unterstellen, die ich nie geäußert habe und die nicht die meinen sind", empörte sich der 47 Jahre alte Ex-Nationalspieler. Beim Verband hat er dennoch keine Zukunft.

Pirlo steht derzeit beim Erstligisten United FC in Dubai unter Vertrag, er ist zugleich globaler Markenbotschafter von Fonbet. Zwar betonte er, dass die berufliche Zusammenarbeit "ausschließlich kommerzieller und sportlicher Natur" sei, nach Einsicht in die Vertragsunterlagen ist die Verbandsspitze um Malagò aber offensichtlich zu einem anderen Schluss gekommen.
Wer wird neuer Trainer?
Was bleibt, ist der nächste Akt in einem Trauerspiel bei der Suche der FIGC nach einem neuen Nationaltrainer. Vom "Coup de theatre", der überraschenden Kehrtwende eines Dramas, schrieb die Gazzetta dello Sport nach der angekündigten Auswahl Pirlos durch Maldini hämisch, an Kritik in der tiefgefallenen Fußball-Nation, die drei WM-Endrunde in Serie verpasst hat, sparten weder die Medien noch die Politiker des Landes.
Vor wenigen Tagen zirkulierten noch große Namen wie Guardiola und Ancelotti, nun aber steht der Verband vor dem Nichts, auch Pirlo hat bereits abgeschlossen. "Ich möchte Maldini und Leonardo für die Wertschätzung und das Vertrauen danken, das sie mir entgegengebracht haben", erklärte er: "Meine Liebe zu Italien hängt nicht von einem Jobtitel ab. Sie ist Teil meiner Geschichte, meiner Identität, und sie wird mich immer begleiten."
Im nächsten Akt des italienischen Dramas wird er keine Hauptrolle innehaben. Die Bühne gehört nun erst einmal Maldini - und Malagò, der seinen Direktor unbedingt zum Verbleib überreden will. Als mögliche Kandidaten für den Posten gelten nun wieder Roberto Mancini und Antonio Conte.
