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Einst Ronaldo, nun Merz? Der steile Aufstieg der Nadine Keßler

Nadine Keßler steht vor einem Wechsel in die Bundespolitik.
Nadine Keßler steht vor einem Wechsel in die Bundespolitik.ČTK / imago sportfotodienst / Michael Taeger

Der Blick von Nadine Keßler wirkt unsicher, als sie gemeinsam mit Cristiano Ronaldo für die Fotografen posiert. Die beste Fußballerin und der beste Fußballer der Welt Seite an Seite, in den Händen halten beide eine goldene Trophäe. Zwölf Jahre ist dieses Bild nun alt, und die Ehrfurcht vor großen Namen und der großen Bühne hat Keßler lange abgelegt: Bei der UEFA leitet sie seit Jahren die Geschicke im europäischen Frauenfußball, zeichnet für Turniere und Wettbewerbe in den 55 Mitgliedsverbänden verantwortlich. Nun könnte für die ehemalige Nationalspielerin der nächste Karrieresprung folgen: Als Teil des Regierungsteams von Bundeskanzler Friedrich Merz.

Wie das Handelsblatt am Montag berichtet hatte, soll Keßler das Amt der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt übernehmen. Sie würde damit auf Christiane Schenderlein (CDU) folgen, die im Zuge des Regierungsumbaus als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesgesundheitsministerium wechselt, wie Merz bekannt gab. Die Personalie Keßler allerdings wollte der Kanzler am Montag nicht bestätigen, offiziell ist die Nachfolge von Schenderlein weiter offen.

Dass Keßler für den Posten offenbar im Gespräch ist, überrascht nicht. Sowohl als Profifußballerin wie auch als Funktionärin hat die 38-Jährige im Eiltempo eine steile Karriere hingelegt, zunächst als Führungsspielerin zahlreiche Titel und Erfolge eingefahren und sich dann in einer Männerdomäne einen exzellenten Ruf als Funktionärin erarbeitet.

Keßler macht Karriere bei der UEFA

Ihr Debüt in der Bundesliga feierte die gebürtige Pfälzerin 2007 mit 19 Jahren für den 1. FC Saarbrücken, mit dem 1. FFC Turbine Potsdam gewann sie 2010 die Champions League. Mit dem VfL Wolfsburg holte sie als Kapitänin zwei weitere Titel in der Königsklasse, insgesamt vier Mal wurde Keßler deutsche Meisterin. Mit der deutschen Nationalmannschaft triumphierte sie 2013 bei der Europameisterschaft in Schweden, ein Jahr später wurde sie als Europas Fußballerin des Jahres sowie als Weltfußballerin ausgezeichnet.

Neben zahlreichen Trophäen war ihre Verletzungsanfälligkeit allerdings ein leidiger Begleiter ihrer Laufbahn, 2016 beendete Keßler ihre Karriere wegen anhaltender Knieprobleme. Auf das Leben danach hatte sich die einstige Mittelfeldstrategin, die sich mal als "Alles-oder-nichts-Typ" bezeichnete, jedoch längst vorbereitet: Sie studierte Fitnessökonomie, arbeitete in einer Agentur für Kommunikationsdesign.

2017 folgte der Schritt zur UEFA und der rasche Aufstieg von der Botschafterinnen- und Beraterinnenrolle zur Direktorin. Vor drei Jahren wollte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sie als Sport-Geschäftsführerin und Nachfolgerin von Oliver Bierhoff verpflichten, Keßler jedoch sagte ab. Sie wolle ihre Rolle bei der UEFA "mit ganzem Herzen weiterführen", sagte sie damals. Ob Keßler in der Politik nun eine neue Herzensaufgabe findet?