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Italien in der Krise: Mancini-Rückkehr noch wirkungslos – und die Fans pfeifen

Robert Mancinis Comeback auf der italienischen Bank ist misslungen.
Robert Mancinis Comeback auf der italienischen Bank ist misslungen.Isabella Bonotto / Anadolu via AFP

Für die Nations League braucht es im Gegensatz zu einer Weltmeisterschaft keine Qualifikation – ein Glück für Italien, das somit fest mit von der Partie ist. Auf die Bank der Squadra Azzurra kehrte nach knapp drei Jahren Roberto Mancini (61) zurück. Er war es, der die Italiener zum EM-Titel 2020 (ausgetragen 2021) führte, und nun soll er das Team erneut an die europäische Spitze bringen.

Zum Auftakt seiner zweiten Amtszeit wartete jedoch direkt ein dicker Brocken: Belgien gehörte bei der jüngsten Weltmeisterschaft trotz des schleichenden Endes seiner "goldenen Generation" zu den Viertelfinalisten. Im Stadio Olimpico war die Anspannung von Beginn an hautnah zu spüren.

Zuletzt nahm die italienische Nationalmannschaft 2014 an einer WM-Endrunde teil, schied damals jedoch bereits in der Gruppenphase hinter Costa Rica und Uruguay aus. Für eine Nation, die den wichtigsten Pokal der Welt viermal gewonnen hat und in der ewigen Rangliste nur hinter Rekordweltmeister Brasilien liegt, kommt dieser Dauermodus der Abwesenheit einer Katastrophe gleich. 

Mancini bringt nötige Erfahrung mit

Während die Turniere in Russland, Katar sowie in den USA, Kanada und Mexiko ohne Italien stattfanden, schafften es Nationen wie Island, Wales oder Bosnien und Herzegowina ins Rampenlicht. Letztere schalteten die Auswahl von der Apenninenhalbinsel einst gar im Elfmeterschießen der Play-offs aus.

Roberto Mancini selbst erlebte das Drama vor der WM in Katar hautnah mit, als seine Mannschaft in den Play-offs gegen Nordmazedonien in der Nachspielzeit den K.o. erlitt. Dabei ist Mancinis Vita beeindruckend: Als ehemaliger Teamkollege von Pavel Nedvěd bei Lazio Rom verhalf er Inter Mailand in den 2000er-Jahren zu alter Stärke und holte nach 16 Jahren wieder den Scudetto. Weitere Titel feierte er mit Manchester City und später beim katarischen Klub Al Sadd. An hochkarätigen Trainern hat es Italien also nie gemangelt – das Problem liegt derzeit eher in der Qualität und Tiefe des Spielerkaders.

Als Italien 2006 Weltmeister wurde, wimmelte das Aufgebot nur so von Legenden: Fabio Cannavaro, Gianluigi Buffon, Alessandro Del Piero, Francesco Totti, Gianluca Zambrotta, Marco Materazzi, Luca Toni und Andrea Pirlo prägten eine Ära. Beim EM-Triumph 2021 standen zwar deutlich weniger Weltstars im Kader, doch das Team verstand es perfekt, zum entscheidenden Zeitpunkt über sich hinauszuwachsen.

Der unbedingte Siegeswille war damals in jedem Zweikampf greifbar. Unvergessen bleibt das Elfmeterschießen im Finale von Wembley: Torhüter Gianluigi Donnarumma war nach dem entscheidenden gehaltenen Elfmeter gegen Bukayo Saka so im Tunnel, dass er im ersten Moment gar nicht realisierte, dass Italien Europameister war. Die anschließende Serie von 37 Spielen ohne Niederlage bedeutete einen historischen Weltrekord, der erst in diesem Jahr von Spanien übertroffen wurde.

Ist eine solche Erfolgsgeschichte wiederholbar? Möglich ist es, doch die 0:2-Niederlage gegen Belgien machte deutlich, wie viele Puzzleteile dafür wieder zusammenpassen müssen. Neben einigen arrivierten Kräften stehen im aktuellen Kader zahlreiche Akteure, die nicht einmal zehn Länderspiele absolviert haben. Das Trikot der Azzurri zu tragen, gilt in Italien nach wie vor als höchste Ehre. Entsprechend motiviert gingen die vielen Neulinge ins Spiel.

Serie-A-Block als Erfolgsgeheimnis?

Im Laufe der Partie kamen gleich sechs Akteure zum Einsatz, die noch am Anfang ihrer internationalen Karriere stehen: Diego Coppola, Giorgio Scalvini, Alessandro Romano, Issa Doumbia, Nicolò Cambiaghi und Mohamed Ali Zoma. Letzterer ist eine Besonderheit im Team: Er spielt als einziger Nicht-Erstligist derzeit beim 1. FC Nürnberg in der 2. Bundesliga.

Zoma ist einer von zehn Nationalspielern, die ihr Geld im Ausland verdienen – ein klarer Trendwechsel. Beim WM-Sieg 2006 stammten sämtliche 23 Spieler aus der heimischen Serie A (von Klubs wie Juventus, AC Mailand, Inter, AS Rom, Fiorentina, Lazio, Palermo, Livorno und Udinese). Selbst beim EM-Triumph 2021 gab es mit Marco Verratti, Alessandro Florenzi (beide PSG) und Emerson Palmieri (Chelsea) lediglich drei Legionäre.

Schon Mancinis Vorgänger Gennaro Gattuso hatte in den WM-Play-offs fünf Auslandsprofis nominiert; nun liegt die Messlatte noch höher. Für Punkte gegen die "Roten Teufel" reichte es dennoch nicht. Dabei waren die Gastgeber keineswegs chancenlos und verzeichneten sogar mehr Ballbesitz. Zwei gravierende individuelle Fehler bestraften Mika Godts und Dodi Lukébakio jedoch eiskalt.

Die Statistiken zu Italien vs. Belgien
Die Statistiken zu Italien vs. BelgienFlashscore

Das Ergebnis sorgte für gewaltigen Unmut auf den Rängen. Nach dem Schlusspfiff machten Dutzende wütende Fans der berühmten Curva Nord – die auf Klubebene von den Lazio-Anhängern beheimatet wird und direkt an den Gästeblock grenzt – ihrem Ärger Luft. Die große Mehrheit der Zuschauer im Stadio Olimpico verabschiedete die eigene Mannschaft mit einem gellenden Pfeifkonzert.

Nicht, dass sich die Italiener keine Gelegenheiten herausgespielt hätten – es fehlte schlicht die Konsequenz im Abschluss. Ähnliches widerfuhr zeitgleich Norwegen im Duell mit Portugal. Zudem wirkte das Spiel der Azzurri in mehreren Phasen überholt: Viele Muster erinnerten an den Fußball zu Beginn des letzten Jahrzehnts. Die belgische Defensive hatte damit wenig Mühe, und Mark van Bommel feierte ein gelungenes Trainerdebüt auf der Bank der Gäste.

Das Match Momentum bei Italien vs. Belgien
Das Match Momentum bei Italien vs. BelgienFlashscore

Torhüter Gianluigi Donnarumma knüpfte zumindest an seine besseren Leistungen an und war bei beiden Gegentoren schuldlos. Doch seine Vorderleute fanden keinen Schlüssel zum Tor. Auch die Einwechslung von Davide Frattesi brachte nicht die Wende, obwohl der Mittelfeldspieler hervorragend in die Saison gestartet war und zuletzt in drei Spielen hintereinander getroffen hatte. Gemeinsam mit Gianluca Mancini (AS Rom) genoss der Lazio-Akteur Frattesi immerhin einen warmen Empfang im Heimstadion.

Geschenke gibt es in der Liga A der Nations League nicht. In der italienischen Gruppe warten mit Frankreich und der Türkei weitere schwere Brocken. An Brisanz wird es den kommenden Begegnungen nicht fehlen. Italiens Auswahl steht unter Zugzwang und muss sich die Gunst der heimischen Fans mühsam zurückerkämpfen. Die Anhänger lechzen nach Erfolgen und haben genug von den ständigen Enttäuschungen – ein Grund, warum im Olimpico tausende Plätze leer blieben. Dank der gewohnt leidenschaftlichen Fankultur und der guten Akustik herrschte dennoch eine gute Kulisse.

"Ich denke, wir müssen ruhig bleiben und dürfen uns von diesem negativen Ergebnis nicht aus der Ruhe bringen lassen", beschwichtigte Roberto Mancini nach dem Spiel. "Belgien hat eine starke Mannschaft, die uns vor Aufgaben gestellt hat, aber spielerisch konnten wir mithalten. Einzelne Schlüsselszenen hätten dem Spiel eine andere Wendung geben können. Dennoch geht der Sieg für Belgien in Ordnung."

Angesichts von vier Spielen innerhalb von zwei Wochen kündigte der Nationaltrainer an, in den kommenden Partien auch jenen Spielern eine Chance zu geben, die zum Auftakt noch zuschauen mussten.

Zum Match-Center: Türkei vs. Italien

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