Dabei sah es zur Pause nach einer kleinen Überraschung aus: England lag mit 2:1 vorne und schnupperte daran, den Spaniern die erste Pflichtspielniederlage seit dreieinhalb Jahren zuzufügen. Der entscheidende Schock folgte kurz nach dem Seitenwechsel, als Harry Kane die Riesenchance verpasste, den Vorsprung per Elfmeter auszubauen – der Ball klatschte nur an die Latte.
Statt der Vorentscheidung brachten zwei Unkonzentriertheiten in der englischen Hintermannschaft die Gäste zurück ins Spiel. Erst verlor Marc Guéhi den Ball an Lamine Yamal, der Spanien früh in Führung brachte. Später spielte Nico O’Reilly einen Fehlpass genau in den Lauf von Álex Baena, der zum 2:2 ausglich und die Partie kippen ließ. Den Schlusspunkt setzte Mikel Oyarzabal mit dem Siegtreffer – eine bittersüße Parallele zum Finale der Europameisterschaft 2024.
Die Bilanz bleibt vorerst ernüchternd: Von den letzten 16 Partien gegen Teams aus den Top 10 der FIFA-Weltrangliste konnte England lediglich sechs gewinnen.
"Für die vergangenen 16 Spiele war ich mit Sicherheit nicht verantwortlich. Ich finde, wir haben heute alles investiert, um Spanien zu schlagen", stellte Tuchel klar. "Auf diesem Niveau entscheiden Nuancen. Die Zahl unserer einfachen Fehler war leider zu hoch. Spanien war in den letzten 20 Metern schlicht abgeklärter und hat unsere Ballverluste eiskalt bestraft."
Tuchel: England war "spielerisch gut genug"
Nach der Kritik an seinen defensiven Auswechslungen beim WM-Halbfinal-Aus gegen Argentinien – wo England ebenfalls einen Vorsprung verspielte – forderte der Nationaltrainer eine Reaktion. An Mut fehlte es den Engländern in einem offenen Schlagabtausch diesmal zwar nicht, doch Tuchel räumte ein, dass die Mannschaft noch nicht über volle 90 Minuten auf diesem Top-Niveau agieren kann.
Zum Match-Center: England vs. Spanien
"Wir werden das Team weiter pushen", betonte der Deutsche. "Dass wir Turnierfußball beherrschen, haben wir bei der WM gezeigt. Das Ergebnis spiegelt es heute zwar nicht wider, aber spielerisch war das gut genug, um Spanien zu schlagen."
Auf England wartet nun ein strammes Programm: In den kommenden zehn Tagen stehen zwei Duelle gegen die Tschechische Republik sowie ein Auswärtsspiel in Kroatien an.
