Jürgen Klopp wollte seinen Fußball-Zauberer gar nicht mehr loslassen. Wieder und wieder drückte der selige Bundestrainer Florian Wirtz an seine Brust und klopfte dem erlösten Matchwinner auf die Schulter. "Flo", sagte Klopp begeistert, "ist ein unglaublicher Spieler." Das hatte Wirtz beim mitreißenden Sieg über Serbien (2:0) in der Nations League als Chef-Magier in Klopps Jungstar-Mittelfeld in beeindruckender Manier unterstrichen.
Zum Match-Center: Deutschland vs. Serbien
"Er sprühte vor Spielfreude und hat bretthart gearbeitet", schwärmte der Bundestrainer: "Das war außergewöhnlich, er hat ein tolles Spiel gemacht." Wirtz kreierte sechs Chancen und brachte 96 Prozent seiner Pässe zu Mitspielern. Vor dem 1:0 spielte er Doppelpass mit sich selbst und traf den Pfosten - Tom Bischof musste nur noch abstauben. Das 2:0 besorgte Wirtz nach einer Körpertäuschung mit feinem Fuß und feinem Auge selbst.
Team hat "es mir auch einfach gemacht"
Die wichtigste Erkenntnis für Klopp: "Unser Spiel passt zu Flo." Eine kleine Spitze in Richtung seiner alten Heimat konnte er sich deshalb nicht verkneifen: In Liverpool, wo Wirtz vielfach kritisiert wurde, "sollten heute alle happy sein". Tatsächlich waren sie auch dort beeindruckt. Die BBC nannte Wirtz "durchweg imponierend", das Liverpool Echo sprach von einem "Boost", der ein "Sprungbrett" für ähnliche Glanzstücke im Klub sein könnte.
"So ein Spiel hilft ihm", sagte Klopp. Ist Wirtz schon wieder der Alte? "Ja, geht auf jeden Fall in die Richtung", sagte er schmunzelnd und betonte: "Die Spieler um mich herum haben es mir auch einfach gemacht." Sechser Aleksandar Pavlovic "war überall" (Klopp), Achter Bischof für ZDF-Experte Per Mertesacker gar "der beste Mann auf dem Platz" - beide harmonierten prächtig mit Wirtz, der meinte: "Wir hatten sehr viel Bewegung in der Mitte, haben sehr gut kombiniert. Alle hatten Bock, Fußball zu spielen, jeder wollte den Ball - dann kann man auch selber besser glänzen."
Zweite Hälfte als Kapitän begonnen
Bischof bekräftigte: "Wir haben uns gut verstanden, es hat einfach Spaß gemacht." Von Wirtz war er regelrecht hingerissen. "Ein brutaler Fußballer. Wenn er seine Leistung auf den Platz bringt, hilft er uns extrem." Auch, wie in der zweiten Halbzeit, als Kapitän. Für die Binde, witzelte Bischof, habe der etwas schmächtigere Wirtz "extra trainiert".
Darf er sie künftig öfter tragen? Klopp witterte bei all der Schwärmerei über sein Top-Trio eine Debatte über Spielführer Joshua Kimmich. Dem Bayern-Profi hatte er entgegen dessen ausdrücklichen Wunsch Urlaub verordnet, er saß bei Schlagersänger Heino auf der Tribüne - bald öfter?
"Am Ende wird's 'ne Jo-Kimmich-Geschichte", mutmaßte Klopp über das Medienecho und betonte: "Da kann ich leider nicht mitsingen." Sein Plan sei es, "in unterschiedlichen Konstellationen eine bestimmte Art Fußball zu spielen". Wirtz etwa brauche "nicht bestimmte Spieler, mit denen er zusammenspielen muss". Nicht die Aufstellung, sondern vielmehr "unser Fußball muss konstant bleiben".
Wenn es klappt, darf sich Wirtz auf weitere Umarmungen vom Bundestrainer freuen.
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