Fabian Reese schien mit dem Abschied aus seiner Herzensstadt Berlin dann doch im Reinen zu sein. "Ich habe drei Jahre lang mit Herzblut alles gegeben. Es war für alle Seiten eine gewinnbringende Situation", sagte der ehemalige Kapitän von Hertha BSC.
Künftig spielt der 28-Jährige für den neuen Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg. "Bei diesem Wechsel gab es viele Gewinner – das vergisst man durch die große Emotionalität manchmal", erklärte er.
Fans sind wütend
Vor einem Jahr inszenierte Reese seine Vertragsverlängerung bis 2030 noch vor einem vollbesetzten Olympiastadion. Hertha ging auch dank ihm als großer Aufstiegsaspirant in die letztlich aber enttäuschende Saison.
Nach dem siebten Platz ändert der Klub jetzt den Kurs, verkauft Leistungsträger nach dem anderen – allen voran (ehemaligen) Fanliebling Reese.
Berichten zufolge soll die Hertha die angeblich acht Millionen Euro Ablöse für Reese mit Kusshand entgegengenommen haben.
"Wir sind sehr zufrieden damit, was wir mit ihm finanziell erlöst haben", sagte Geschäftsführer Peter Görlich der Bild-Zeitung nüchtern.

Geldsorgen zwangen Hertha BSC zum Verkauf
Das verwundert nicht, der finanziell angeschlagene Verein braucht dringend Geld. Wegen zu hohem negativem Eigenkapital soll vor wenigen Monaten sogar ein Punktabzug im Raum gestanden haben.
Während das ehemalige Aushängeschild Reese also Hasstiraden der enttäuschten Berliner Anhänger erhält und sich öffentlich zur Wehr setzt, freut sich der Verein über die Summe, die Bundesliga-Absteiger Wolfsburg für den 28-Jährigen hinblätterte.
Die Fans unterstellten Reese dennoch Heuchelei, dass er gerade nach Wolfsburg ging, sorgt zusätzlich für Unmut. Immerhin hätte Reese eigenen Aussagen zufolge auch Angebote aus der Bundesliga wahrnehmen können.
Neben Reese verkaufte die Hertha auch Toptalent Kennet Eichhorn (9 Millionen Euro/Bayer Leverkusen), Keeper Tjark Ernst (5/Feyenoord Rotterdam) und Mittelfeld-Ass Michael Cuisance (3,5/RC Lens).

Neuzugänge?
Den für Zweitligaverhältnisse extrem starken Einnahmen von 25 Millionen Euro steht allerdings bisher eine bedenkliche Null entgegen: Zugänge, die die Hertha im Aufstiegsrennen konkurrenzfähig machen könnten, fehlen noch komplett.
Aufgrund der wirtschaftlich angespannten Lage sind vorest auch keine weiteren vorgesehen. Zumindest kostspieliege Neuverpflichtungen dürfte es bei der Hertha in diesem Sommer keine geben.
