"Ich habe ganz klar gesagt, dass ich beispielsweise die sechs Millionen (Euro, Anm.d.Red.), die schon für die Olympia-Bewerbung ausgegeben wurden, für eine Steuergeldverschwendung halte. Und es sollen ja noch viele Millionen, Milliarden dazukommen. Ich sehe keinen Vorteil für Berlin. Deswegen haben wir uns dagegen entschieden, Olympia zu unterstützen. Und das sehe ich auch heute noch so", sagte Eralp, deren Partei mit der Regierungsbildung beauftragt ist, am Montag bei einer Pressekonferenz.
Sie gehe ohnehin "nicht davon aus, dass Berlin den Zuschlag erhält, weil ja ganz klar ist, dass wir für eine andere Politik stehen. Wir finden, die größte Krise in unserer Stadt ist die Mietenkrise. Die müssen wir jetzt erstmal konsequent angehen. Und da haben wir sehr viele große Aufgaben, für die wir auch die Steuermittel benötigen", erklärte die 45-Jährige, deren Partei als einzige bedeutende der deutschen Parteienlandschaft einer nationalen Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 am kritischsten gegenübersteht.
DOSB-Abstimmung am Samstag
Am kommenden Samstag wird bei einer Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Baden-Baden abgestimmt, welchen Bewerber Deutschland beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ins Rennen schickt. Die Berliner Kontrahenten München und Köln/Rhein-Ruhr gelten gegenüber der Hauptstadt als favorisiert, weil sie bei Referenden großen Zuspruch durch die Bevölkerung erhielten.
Berlin hat aus verfassungsrechtlichen Gründen keine Bürgerbefragung gestartet, eine solche könnte aber auf Begehren der Bevölkerung im Nachgang der nationalen Vergabe noch lanciert werden. Das Berliner Abgeordnetenhaus um den bisherigen Oberbürgermeister Kai Wegner hatte im Mai mehrheitlich für das Olympiakonzept gestimmt, für eine neue Landesregierung ist dieser Beschluss nicht bindend.
Niroomand hält an Plänen fest
Kaweh Niroomand, der Olympiabeauftragte Berlins, hält weiter an der Bewerbung der Hauptstadt um die Sommerspiele fest. "Fest steht, dass alle potenziellen zukünftigen Regierungsparteien die Bewerbung in den letzten vier Jahren auch schon unterstützt haben. Wir werden in den nächsten Tagen Gespräche auf politischer Ebene führen, um noch rechtzeitig ein positives Signal an den deutschen Sport schicken zu können", sagte Niroomand im Interview mit der Welt.
Einen Nachteil für die Berliner Bewerbung sieht Niroomand in der fehlenden Möglichkeit eines klassischen Referendums. Die anderen Bewerber, München und Köln/Rhein-Ruhr, hatten Referenden durchgeführt, die Hamburger Bewerbung war an dieser Hürde gescheitert.
"Die Berliner Verfassung erlaubt eine solche Volksbefragung nicht. Ich hätte mir sehr gewünscht, die Berlinerinnen und Berliner direkt über die Bewerbung abstimmen zu lassen", sagte Niroomand. In Berlin stemmt sich die "NOlympia"-Initiative gegen die Pläne.
