"Es ist Wahnsinn, dass ich nach all der Zeit meinen Kindheitstraum erreicht habe. Ich habe so viel dafür geopfert und so viele Rückschläge hinnehmen müssen", sagte Kabayel dem Sport-Informations-Dienst (SID). Einen Makel habe der Titel, den er kampflos vom World Boxing Council (WBC) verliehen bekommen hat, sicher nicht. "Natürlich hätte ich lieber darum gekämpft, aber ich habe mich sportlich dafür qualifiziert."
Als Interimsweltmeister hätte Kabayel das Recht gehabt, den Champion Alexander Usyk herauszufordern, doch der Ukrainer legte seine Gürtel nieder. Aufhören wolle er aber nicht, sagte Usyk, "es wird mehr kommen". Kabayel begegnete der Entscheidung mit großem Respekt: "Zu einem großen Champion in und außerhalb des Rings gehört auch, der neuen Generation das Feld zu überlassen, wenn es soweit ist und Dinge nicht künstlich herauszuzögern."
Kabayel mit nächstem Kampf im Herbst?
Sein Wunsch war es gewesen, Usyk (39) in Deutschland in einem großen Stadion zu entthronen, dafür war er dem Dominator der vergangenen Jahre hinterhergereist - in Gizeh wagte er im Mai im Schatten der Pyramiden einen "letzten Versuch" und konfrontierte Usyk im Ring. Doch der ließ sich nicht auf ein Duell mit dem "Leberking" aus dem Ruhrgebiet ein.
Kabayel kann das nun egal sein, sein Management plant bereits die weitere Karriere des 1,91 Meter großen Linksauslegers, der alle seiner 27 bisherigen Profikämpfe gewonnen hat, 19 davon durch K.o. Noch in diesem Jahr soll Kabayel seinen Titel verteidigen. "Agit möchte auf jeden Fall in diesem Herbst kämpfen. Bestenfalls im Stadion in Düsseldorf", sagte Manager Lasse Krüger. Gegen wen es dann geht, ist offen. Zuvor soll es in Bochum eine "große Party" mit den Fans geben.
Die hat sich Kabayel verdient. Der gebürtige Leverkusener, der für Deutschland und seine kurdische Herkunft kämpft, hat sich durchgeboxt. "Zwischen zwei Kulturen aufgewachsen - doch für den Ring geboren", lautet sein Motto. Nach dem Realschulabschluss folgte eine Ausbildung zum Facharbeiter im Gleisbau, sein Vater, früher Metallschneider im Pott, hatte ihm mit auf den Weg gegeben: "Metall, das arbeitet, kann nicht rosten. Also Junge, arbeite!" Das tat Kabayel als Türsteher und vor allem im Ring.
Er wollte "raus aus dem Ghetto", erzählte er einst, "über das Profiboxen habe ich es geschafft". Zunächst als Sparringspartner von Tyson Fury oder Anthony Joshua, bald als ernsthafte deutsche Schwergewichtshoffnung. Anfang 2025 holte er sich mit einem K.o.-Sieg gegen den Chinesen Zhang Zhilei den Titel als WBC-Interimsweltmeister. Zuletzt stand er im Januar in Oberhausen vor 13.000 Zuschauern gegen den Polen Damian Knyba im Ring. Seit Samstag ist Agit Kabayel ein bedeutender Akteur der deutschen Boxgeschichte.
