Den Job in der Mixed Zone überließ Louis Lemke seinen erfahrenen Kollegen. Sein Tor für die Geschichtsbücher des traditionsreichen Hamburger SV? Sein Sprung vorbei am großen Uwe Seeler und dem bisherigen Rekordhalter Otto Sommer? Der 16-Jährige sagte selbst nichts zu einem besonderen Abend in Verl. Lemke genoss und schwieg.
"Er ist ein guter Junge, der die Vorbereitung für sich genutzt hat", meinte stattdessen Doppeltorschütze Albert Grönbaek nach dem 3:0 (1:0)-Pokalerfolg des HSV beim Fußball-Drittligisten SC Verl über den Youngster, der für den Endstand sorgte: "Er hat großes Potenzial und zugleich müssen wir ihn als Team beschützen und dafür sorgen, dass er hungrig bleibt."
Match-Center: Verl vs. Hamburger SV
Polzin plant mit Lemke
"Louis ist bereits seit Jahresbeginn bei uns im Training dabei", sagte HSV-Trainer Merlin Polzin nach dem Pokalerfolg. "Dann kommt eines zum anderen", erklärte der Coach: "Er bringt richtig gute Leistungen, und die erfahrenen Spieler merken, da ist nicht nur einer sehr talentiert, sondern gibt auch richtig Gas, arbeitet hart." Gut möglich also, dass Lemke seinem Klub in dieser Saison noch häufiger Freude bereitet.
Dass er dann auch noch traf, machte den 24. August 2026 für den gebürtigen Hamburger noch ein Stück besonderer. Er schwang sich damit zum jüngsten HSV-Torschützen der illustren Klubgeschichte auf - und er löste niemand Geringeren als die Vereinslegende Seeler ab. So dachten es zumindest viele, bis der HSV am Dienstagabend klarstellte: Nicht Seeler, sondern eben Sommer war 1922 im Alter von 17 Jahren und 14 Tagen bisher der Jüngste gewesen.
17 Jahre, acht Monate und 27 Tage war hingegen Seeler alt, als er sein erstes Tor für die Norddeutschen erzielte. So oder so, Lemke unterbot beide deutlich: Als er in der 50. Minute am Montagabend traf, zählte er gerade einmal 16 Jahre, zehn Monate und 17 Tage.
Zum jüngsten Profi der Rothosen war er schon am 33. Spieltag der Vorsaison geworden, als er beim 3:2-Erfolg gegen Freiburg erstmals Erstliga-Luft schnuppern durfte. Nun folgen die nächsten Schritte, der HSV wird sein Talent aber weiter behutsam aufbauen wollen. Interviews haben dabei für Lemke vorerst keine Priorität.
