1) Miracle on Ice – Lake Placid 1980
Die politische Rivalität des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion fand bei den Winterspielen 1980 ihre sportliche Entladung in einem legendären Eishockeyspiel. Ein junges US-Team, überwiegend aus College-Spielern bestehend und klarer Außenseiter, traf auf die scheinbar unschlagbare sowjetische Auswahl, die mit vier Goldmedaillen in Folge als Titelverteidiger anreiste.
Nur wenige Tage vor Olympia hatten die Amerikaner in einem Testspiel noch eine deutliche 3:10-Niederlage kassiert. Umso unglaublicher verlief das Duell in der Medaillenrunde: Nach einem 2:2 im ersten Drittel und einer 2:3-Führung der Sowjets nach dem zweiten Abschnitt drehten die USA im letzten Drittel auf, erzielten zwei Treffer und gewannen sensationell mit 4:3.
Mit einem abschließenden Sieg gegen Finnland sicherten sich die Amerikaner schließlich die Goldmedaille und prägten die Redewendung "Miracle on Ice".
2) Nancy Kerrigan und Tonya Harding – Lillehammer 1994
Die Olympischen Spiele von 1994 wurden von einem der größten Skandale der Sportgeschichte überschattet. Die US-Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan wurde Opfer eines gezielten Angriffs: Ein Mann, beauftragt vom Ex-Ehemann ihrer Konkurrentin Tonya Harding, verletzte sie mit einer Eisenstange am Knie, um sie an der Olympia-Teilnahme zu hindern.
Kerrigan verpasste die US-Meisterschaften, kämpfte sich jedoch rechtzeitig für Lillehammer zurück und gewann dort die Silbermedaille. Harding hingegen landete nur auf Platz acht. Nach den Spielen bekannte sich Harding schuldig, die Ermittlungen behindert zu haben. Sie erhielt eine Bewährungsstrafe, musste eine hohe Geldsumme zahlen und wurde lebenslang vom US-Eiskunstlaufverband ausgeschlossen.
Der Skandal ging um die Welt und wurde später in Dokumentationen, Büchern und dem Film "I, Tonya" verarbeitet.
3) Eddie the Eagle – Calgary 1988
Normalerweise sind Jahre intensiven Trainings nötig, um bei Olympischen Spielen anzutreten. Eddie "The Eagle" Edwards bewies das Gegenteil. Der britische Skispringer begann erst 22 Monate vor den Winterspielen 1988 ernsthaft mit dem Wettkampfsport.
Von Experten belächelt, technisch limitiert und mit beschlagenen Brillengläsern unter der Skibrille kämpfend, galt sein Olympia-Traum als aussichtslos. Doch Edwards ließ sich nicht entmutigen und schrieb Geschichte: Er wurde der erste britische Skispringer bei Olympischen Winterspielen.
Zwar belegte er sowohl auf der 70- als auch auf der 90-Meter-Schanze den letzten Platz, doch sein Mut und seine Leidenschaft machten ihn zum Publikumsliebling und Kulthelden. Seine außergewöhnliche Geschichte wurde 2016 sogar verfilmt.
4) Hermann Maier – Nagano 1998
Am 13. Februar 1998 hielt die Skiwelt den Atem an: Der österreichische Ausnahmeathlet Hermann Maier stürzte in der Abfahrt von Nagano spektakulär und scheinbar schwer.
Mit über 105 km/h verlor er nach nur 16 Sekunden die Kontrolle, wurde mehrere Meter durch die Luft geschleudert und krachte hinter die Fangnetze. Die Bilder gingen um die Welt, die Sorge um seine Gesundheit war groß. Doch wenige Augenblicke später stand der "Herminator" bereits wieder auf und gab Entwarnung.
Was folgte, war ein sportliches Märchen: Nur Tage nach dem Sturz gewann Maier Gold im Super-G und im Riesenslalom.
5) Steven Bradbury – Salt Lake City 2002
Steven Bradbury sorgte 2002 für einen der unwahrscheinlichsten Olympiasiege aller Zeiten. Im Shorttrack über 1000 Meter galt der Australier im Finale als klarer Außenseiter gegen ein Feld hochkarätiger Favoriten.
In der letzten Kurve kam es zum Chaos: Mehrere Konkurrenten stürzten nach einem Überholversuch, rissen sich gegenseitig zu Boden, nur Bradbury blieb stehen. Zur Überraschung aller überquerte er als Einziger die Ziellinie und gewann sensationell Gold.
Es war die erste Winter-Olympiamedaille Australiens überhaupt. Kurz darauf beendete Bradbury seine Karriere.
6) Jayne Torvill und Christopher Dean – Sarajevo 1984
Am Valentinstag 1984 setzten Jayne Torvill und Christopher Dean neue Maßstäbe im Eistanz. Ihre Kür zu Ravels "Boléro" gilt bis heute als unvergesslicher Moment der olympischen Geschichte.
Mit einer Laufzeit von 4 Minuten und 28 Sekunden – damals revolutionär – und einer emotionalen wie technisch perfekten Darbietung erhielten sie zwölfmal die Höchstnote 6,0. Damit durchbrachen sie die jahrelange Dominanz der Sowjetunion in dieser Disziplin.
Auch wenn sie 1994 noch einmal Bronze gewannen, bleibt ihre Kür von Sarajevo unerreicht und wird oft als einer der bedeutendsten Momente des britischen Sports bezeichnet.
7) Sidney Crosby – Vancouver 2010
Das Finale der Olympischen Spiele 2010 wurde für Kanada zum nationalen Ereignis. Gastgeber gegen Erzrivale USA, Gold oder Silber? Die Spannung hätte größer kaum sein können.
Nach einem 2:2 nach regulärer Spielzeit fiel die Entscheidung in der Verlängerung: Sidney Crosby erzielte nach einem Doppelpass das berühmte "Golden Goal" und versetzte ein ganzes Land in Ekstase. Es war eines der meistgesehenen Eishockeyspiele der Geschichte.
Vier Jahre später führte Crosby Kanada erneut zu Olympiagold, diesmal als Kapitän. Auch bei diesen Olympischen Spielen ist der NHL-Star wieder für Kanada dabei.
8) Jamaikas Bobteam – Calgary 1988
1988 sorgte Jamaika für eine der charmantesten Geschichten der Winterspiele. Erstmals qualifizierte sich das karibische Land für den olympischen Bobsport und sorgte so für eine Sensation in der von Schneenationen dominierten Disziplin.
Ohne Erfahrung, mit geliehener Ausrüstung und viel Improvisation kämpfte sich das Team bis nach Calgary. Zwar endete der olympische Traum mit einem Sturz im dritten Lauf, doch der Mut und der Teamgeist der Athleten machten sie zu Publikumslieblingen.
Ihre Geschichte inspirierte später den Kultfilm "Cool Runnings".
