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Bayern-Ministerpräsident Söder im Olympia-Looping: Nach dem Rausch kommt die Arbeit

Markus Söder bei der Olympia-Entscheidung in Baden-Baden
Markus Söder bei der Olympia-Entscheidung in Baden-BadenREUTERS/Heiko Becker

Der Olympia-Looping auf dem Münchner Oktoberfest ist nach Angaben der Betreiber die größte transportable Achterbahn der Welt, 32 Meter hoch, mehr als 90 km/h schnell - und mit seinen fünf langgezogenen Loopings die nächste Herausforderung für Markus Söder. Im Siegesrausch der Bewerberkür von Baden-Baden ließ sich Bayerns menschgewordene Olympialokomotive auf den "ultimativen Adrenalinkick" mit seinem ungleichen Mitstreiter Dominik Krause ein. Der Oberbürgermeister der Stadt München, 36 Jahre jung, dynamisch und grün, hatte Söder (59) gekitzelt, und der kam aus der Nummer nicht mehr raus.

"Den Looping machen wir jetzt irgendwann die Woche. Davor werde ich mich nicht drücken können, befürchte ich", sagte Söder. Keine Frage: Der Ministerpräsident (CSU) bevorzugt auf der Wiesn sanftere Fahrgeschäfte, doch für spektakuläre Bilder und große Schlagzeilen ist ein Markus Söder immer zu begeistern, was auch erklärt, warum ihm diese Olympiakampagne so sehr am Herzen liegt.

Das Zittern und Bangen in den Stunden vor der Abstimmung der DOSB-Delegierten, die Anspannung vor und die Erleichterung nach dem 91:50-Sieg über den einzig verbliebenen Rivalen Köln/Rhein-Ruhr - all das wirkte authentisch: Eine Niederlage gegen seinen Unionsrivalen Hendrik Wüst und dessen Land NRW hätte an Söders Selbstverständnis gekratzt, den Erfolg nahm er - ganz im Sinne des Sports - als Motivation für weitere Großtaten im internationalen Rennen: "Der Moment der Freude ist ganz kurz. Jetzt heißt es: hart arbeiten."

Dafür legte Söder das Gewand des Wahlkämpfers ab und schlüpfte in die Rolle des Staatsmannes. Die Bewerbung für Olympische Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 verknüpfte er mit der Hoffnung für den Kampf gegen radikale Kräfte im gesamten Bundesgebiet. Söder lag damit auf der Linie von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der Deutschlands Ambitionen auf das Sportfest des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) als ein "großes, historisches Ziel" bezeichnete.

Eine pathetische Botschaft, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Berlin gerne aufnahm und weiter verbreitete. "Ich setze mich mit allem, was ich tun kann, dafür ein, dass wir Paralympische und Olympische Spiele nach Deutschland bekommen", sagte Merz und rief die Bewerbung zur nationalen Aufgabe aus: "Deutschland kann Olympia. Und jetzt steht ganz Deutschland hinter der Bewerbung von München." Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) schickte dazu eine "Olympia-Garantie" nach Bayern.

Deutschland besticht mit "Organisationstalent"

Willkommene Signale, die aber nicht über die hohen Hürden hinwegtäuschen dürfen, die auf die Stadt München, den Bund und nicht zuletzt den Deutschen Olympischen Sportbund warten. Denn gute Konzepte - und der Plan der kurzen Wege in München klingt charmant - haben im IOC selten den Ausschlag für den Zuschlag gegeben. Hinterzimmerdiplomatie, Einfluss und Marktmöglichkeiten bestimmen die Chancen. Bayerische Breitbeinigkeit mag die deutschen Verbandsabgeordneten beeindruckt haben, in Lausanne gelten andere Gesetze.

Die meint IOC-Mitglied Michael Mronz durchschaut zu haben, der Anwärter auf das Amt des DOSB-Präsidenten sagte im ZDF-Sportstudio, er habe in der olympischen Welt deutlich gestiegenes Interesse an der deutschen Kampagne wahrgenommen und nannte die Stärken "Rechtssicherheit, Vertragstreue und Organisationstalent". Zudem, und das darf als Hinweis auf den hochgehandelten Konkurrenten aus Katar verstanden werden, "leben wir in einer friedlichen Region". Ein frühes Aus der Bewerbung für 2036 konnte Mronz dennoch nicht ausschließen.

Schon im März 2027 siebt das IOC aus, nur wer zur aktuellen Strategie, die nicht öffentlich einsehbar ist, passt, darf weiter auf den Zuschlag im Jahr 2029 hoffen. Rivalen gibt es genug, laut Mronz sind es mehr als zehn, für 2040 oder 2044 könnte sogar stärkere Konkurrenz in Europa wie London hinzukommen. Auf die Münchner Bewerber wartet eine emotionale Achterbahnfahrt, Markus Söder und Dominik Krause bereiten sich im Olympia-Looping darauf vor.

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