Biathleten mit "gutem Gefühl": Erfolgsgarantin Preuß - und Wende bei den Männern?

Franziska Preuß will nach der erfolgreichen letzten Saison auch bei Olympia glänzen.
Franziska Preuß will nach der erfolgreichen letzten Saison auch bei Olympia glänzen.TERJE PEDERSEN / NTB / AFP

Franziska Preuß als Gejagte, dahinter starke Talente und Rückkehrerinnen - dazu bei den schwächelnden Männern die Hoffnung auf die Wende: Die deutschen Biathleten schalten gleich zum Auftakt des Olympia-Winters in den Attacke-Modus. "Mir kommt die Mannschaft sehr stimmig vor, ich habe ein gutes Gefühl", sagte Sportdirektor Felix Bitterling dem SID. Man habe "echt viele spannende Persönlichkeiten dabei, die alle für sich schon bewiesen haben, dass sie sportlich außerordentlich gut sein können".

Der Erfolg dieser Saison wird hauptsächlich am Höhepunkt Olympia (6. bis 22. Februar) gemessen werden. "Das ist das große Ziel, darauf ist alles ausgerichtet", betonte Bitterling: "Wir werden keine Medaillenanzahl, die wir gewinnen wollen, herausposaunen. Aber wir sagen sehr selbstbewusst, dass wir olympische Medaillen gewinnen wollen."

Inbesondere gilt das natürlich für Preuß, die sich im Vorwinter in einem epischen Duell mit Lou Jeanmonnot im letzten Rennen die große Kristallkugel sichern konnte. Doch für die 31-Jährige, die am Samstag (13.15 Uhr/ARD und Eurosport) in Östersund mit der Staffel in die Saison startet, spielt der Gesamtweltcup diesmal nur eine Nebenrolle. Man müsse verstehen, dass der Fokus von Preuß "in diesem Jahr ganz klar auf Olympia liegt. Da möchte sie Medaillen, vor allem auch eine Einzelmedaille gewinnen", erklärte der DSV-Sportdirektor.

Preuß als Alleinunterhalterin?

Im Weltcup werde die Anführerin des deutschen Teams deshalb "nichts übers Knie brechen. Diese Gelassenheit kann sie nach diesem Triumph im letzten Jahr auch haben." Diese Lockerheit soll zum neuen Erfolgsgeheimnis werden. "Im Großen und Ganzen bin ich völlig fein mit dem, was ich schon erreicht habe. Alles was in diesem Jahr dazukommen könnte, ist für mich definitiv Zugabe", sagte die Bayerin. Sie müsse niemandem mehr "etwas beweisen, vor allem mir selbst nicht". Es gehe um "das i-Tüpfelchen" in ihrer Laufbahn.

Mit Blick auf Olympia in Mailand und Cortina soll Preuß keinesfalls zur Alleinunterhalterin im deutschen Team werden. Mit Janina Hettich-Walz (Babypause) und Vanessa Voigt (gesundheitliche Probleme) kehren zwei potenzielle Podestläuferinnen ins Team zurück, dazu könnten die bereits zuletzt auftrumpfenden Youngster Selina Grotian (21) und Julia Tannheimer (20) den nächsten Schritt in die Weltspitze machen.

"Mir ist um die Frauen-Mannschaft überhaupt nicht bange", betonte Bitterling. Deutlich schwieriger ist da schon die Lage bei den Männern. In der Vorsaison gab es im Weltcup lediglich zwei Podeste, trotz der Staffel-Medaille bei der WM war die Weltelite weit enteilt. Vor allem am Schießstand offenbarte das Team mit Ausnahme von Justus Strelow erhebliche Schwächen, im Gesamtweltcup war Philipp Nawrath auf Rang 14 noch der Beste.

"Wir wissen, dass die Dichte von absoluten Topathleten bei Norwegen und Frankreich höher ist, dass wir uns gesamtheitlich da schwer tun werden", monierte Bitterling. Doch nach den Rücktritten von Dominator Johannes Thingnes Bö und dessen Bruder Tarjei scheint das Feld offener. "Wir wollen gute Leistungen anbieten und unsere Chance nutzen, wenn die Topfavoriten mal nicht so einen guten Tag haben", so Bitterling: "Und wenn man diese nutzt, dann kann man eine richtig gute Saison haben."