"Das Letzte rauskitzeln": Straßer geht mit Ausrüsterwechsel ins Risiko

Alpin-Ass Linus Straßer beim Interview vor Beginn der neuen Wintersport-Saison
Alpin-Ass Linus Straßer beim Interview vor Beginn der neuen Wintersport-SaisonDANIEL KARMANN / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Linus Straßer ist jetzt zweifacher Familienvater, im Juli kam zur Tochter ein Sohn dazu, und das macht die Ausübung seines Berufs nun "nicht einfacher", wie er gesteht. Vor allem, weil "die Kleine", also die bald drei Jahre alte Marta, "jetzt schon fragt: Wo fährst Du heute hin? Wo bist Du?" Wenn draußen noch kein Schnee liegt, der Papa aber trotzdem weg ist, wird die Erklärung noch ein bisschen schwieriger.

Aber, betont Deutschlands bester Skifahrer, seit Februar dekoriert mit WM-Bronze im Slalom, es sei ja auch so: Nach bereits zwölf Jahren im Weltcup und, ab Donnerstag, im Alter von 33 Jahren "genieße ich auch meine sportliche Karriere noch sehr". Er sei, berichtet er, sogar "noch nie so motiviert durch das Sommertraining durch", er freue sich "wahnsinnig" auf die Saison. Ja, "der Wechsel hat jetzt schon seinen Zweck erfüllt".

Der Wechsel. Straßer ist nach der vergangenen Saison zu einem neuen Ausrüster gewechselt, von Rossignol zu Head. Das klingt unkompliziert, ist es aber nicht. Den Hersteller zu wechseln heißt: neue Skier, neue Bindungsplatte, neue Skischuhe.

Ausrüsterwechsel als Katalysator?

Die Folge: Das neue Material muss erst mal genau abgestimmt werden - auf die individuellen Bedürfnisse von Straßer und zugleich auf alle Schneebedingungen, die im Lauf der Saison auf ihn zukommen.

Stellt sich die Frage nach dem "Warum". Warum wechseln, noch dazu vor einer Olympia-Saison? Straßers Erklärung klingt eher simpel: "Das kennt jeder im Leben, dass man das manchmal braucht, neue Reize." Er habe "richtig coole Sachen erreicht", seine Karriere sei mit insgesamt drei Medaillen bei WM und Olympia ja bereits "erfolgreicher verlaufen, als ich es mir erträumt hätte". Also: Warum nicht noch mal was Neues wagen?

"Ich will mir noch mal eine neue Aufgabe setzen", hat Straßer vor dem ersten Weltcup-Slalom am 16. November im finnischen Levi mehrfach betont. "Und darum war ich bereit zu sagen, ich gehe das Risiko ein, um für mich das Letzte rauszukitzeln." Dass der Wechsel riskant ist, "ist gar keine Frage", Straßer weiß: Bis Mensch und Material harmonieren, kann es dauern, vielleicht zu lange.

Straßer gibt gerne zu, dass er die Sache "vielleicht so ein bisschen unterschätzt hat, also einfach vom Zeitaufwand her". Er weiß, dass es "natürlich auch sein kann, dass ein Rennen dabei ist, wo man mal ein bisschen Lehrgeld zahlen muss". Ihm ist bewusst, dass es sich über die komplette Saison hinziehen kann und "dass ich mir ständig die Frage gefallen lassen muss: War das so schlau? Kann alles passieren."

Straßer: "Es ist meine Karriere"

Muss aber nicht, und nur damit das klar ist: "Ich will bei jedem Rennen ums Podium mitfahren", sagt Straßer, "am besten natürlich im Januar, dass eine aufsteigende Formkurve da ist." Weil im Februar, da ist ja dann Olympia. Und spätestens dann soll seine riskante Wette aufgehen. "Das sind große Tage", sagt Straßer mit ein bisschen gespieltem Pathos, "und ich glaube, da braucht es auch manchmal große Entscheidungen."

Wenn's nicht klappt? "Es ist ja am Schluss auch meine Karriere, meine Entscheidung, mein Erfolg und mein Misserfolg."