Nach Horrorfoul: Spielabbruch light in Ingolstadt - Wagner bekommt Mega-Sperre

Aktualisiert
Edwin Tropmann vor der Verletzung im Playoff-Duell.
Edwin Tropmann vor der Verletzung im Playoff-Duell.ČTK / imago sportfotodienst / Fotostand / Schäfer

Ein brutales Foul von Nationalspieler Fabio Wagner sorgt beim Skandalspiel in Ingolstadt für ein vorzeitiges Ende. Die Schiedsrichter lassen die Uhr herunterlaufen.

Plötzlich war es still in der ausverkauften Ingolstädter Arena. "Ärzte aufs Eis", rief der Stadionsprecher. Dort lag der ERC-Verteidiger Edwin Tropmann bewusstlos, die Zuschauer schwiegen in Schockstarre. Eishockey-Nationalspieler Fabio Wagner hatte den 20-Jährigen mit einem brutalen Check gegen den Kopf niedergestreckt.

Minutenlang musste Tropmann behandelt werden, ehe er auf der Trage aus dem Stadion gebracht wurde - direkt ins Krankenhaus. Das vierte Playoff-Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zwischen Ingolstadt und Red Bull München war völlig aus dem Ruder gelaufen. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, griffen die Schiedsrichter Christopher Schadewaldt und Marian Rohatsch zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Nach kurzer Beratung mit Trainern und Kapitänen warfen sie den Puck ein und ließen die verbleibenden 100 Sekunden von der Uhr laufen. An Eishockey war nicht mehr zu denken, das Spiel beim Stand von 7:2 für die Gastgeber ohnehin schon lange entschieden.

Match-Center: ERC Ingolstadt vs. Red Bull München

175 Strafminuten hatten die Referees insgesamt verhängt, 125 alleine gegen München, Olympia-Teilnehmer Wagner war der dritte Red-Bull-Spieler, der mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe in die Kabine musste. In den Playoffs um den Titel darf Wagner nicht mehr zum Einsatz kommen, die DEL sperrte ihn am Mittwochabend für 14 Partien und mindestens bis zum 8. Mai.

Wagner, langjähriger Kapitän in Ingolstadt, hatte Tropmann aber auf sich zulaufen sehen und offenbar bewusst attackieren wollen. "Ich kenne ihn als astreinen, super feinen Kerl", sagte Ex-Nationalspieler Christoph Ullmann als MagentaSport-Experte, "aber das war ein totaler Blackout." Ingolstadts Manager Tim Regan meinte später: "Das hat mit Eishockey nichts zu tun. Das schadet unserem Produkt und der Gesundheit der Spieler."

Wagner mit Instagram-Entschuldigung

Tropmann sei erst im Krankenwagen wieder zu Bewusstsein gekommen, berichtete er. Der Abwehrspieler meldete sich noch in der Nacht auf Instagram und bedankte sich für die "vielen lieben Genesungswünsche". Am Mittwoch entschuldigte sich Wagner per Instagram-Video: Es tue ihm "aufrichtig leid", es sei "ein Fehler von mir" gewesen, er trage "die volle Verantwortung für mein Handeln" und wünsche "gute Besserung". Laut ERC erlitt Tropmann eine Kopf- und Nackenverletzung und bleibt für weitere Untersuchungen in der Klinik.

Schon vor dem Horrorfoul hatte der Münchner Jeremy McKenna den Ingolstädter Daniel Schmölz mit dem Ellbogen am Kopf getroffen, der mit Verdacht auf Gehirnerschütterung nicht weiterspielen konnte. Der Frust der Gäste, die nach drei Gegentoren in 50 Sekunden schon nach knapp elf Minuten mit 0:4 hinten gelegen hatten, schlug im Laufe des Spiels immer mehr in Aggression um. Nur unter Polizeischutz konnte der Mannschaftsbus den Parkplatz vor der Halle verlassen, nachdem Ingolstädter Fans die Ausfahrt blockiert hatten.

Über Sperren beriet am Mittwoch der DEL-Disziplinarausschuss unter Vorsitz des Ex-Nationalspielers Alexander Barta. Schon am Donnerstag (19.30 Uhr/MagentaSport) geht es in München weiter. In der Best-of-seven-Serie steht es 2:2. "Beide Seiten hoffen, dass es ein normales Eishockeyspiel wird", sagte Red-Bull-Sportdirektor Christian Winkler, "so normal, wie es sein kann."