Nicht einmal sieben Minuten waren gespielt, da hatte das Finale bereits alles, was ein großes Spiel ausmacht: Tempo, Härte – und Opferbereitschaft. Beim Stand von 1:1 traf ein hoher Stock Jack Hughes im Gesicht. Ein Vorderzahn brach ab, Blut floss. Sam Bennett musste auf die Strafbank, doch die USA konnten die vierminütige Überzahl nicht nutzen. Es blieb beim Unentschieden und das Spiel steuerte auf eine dramatische Verlängerung zu.
Im 3-gegen-3-Sudden-Death ging es um alles. Ein Tor würde entscheiden. Ein Moment, der Geschichte schreibt.
Hughes ließ sich von seiner Verletzung nicht beeindrucken. Als er seine Zähne auf dem Eis liegen sah, dachte er nur: Jetzt erst recht. Mit blutendem Mund kehrte er zurück, bereit für den entscheidenden Augenblick.
Zum Match-Center: Kanada vs. USA
Und der kam. Weniger als zwei Minuten vor Schluss der Verlängerung unterlief Kanada ein folgenschwerer Fehler. Die USA konterten in Überzahl, spielten die Situation eiskalt aus und plötzlich stand Hughes frei vor dem Tor. Kein Zögern, kein Zweifel. Abschluss. Tor.
Die Arena in Mailand explodierte. Team USA hatte Gold gewonnen. Kanada, der Favorit, war geschlagen. Hughes wurde zum Helden und zum Gesicht eines neuen Kapitels im internationalen Eishockey.
Besonders bemerkenswert: Nur wenige Tage zuvor hatte bereits sein Bruder Quinn im Viertelfinale den Siegtreffer erzielt. Die beiden teilten sich im Olympischen Dorf ein Zimmer, und auch ihre Gedanken kreisten um denselben Traum. In der Nacht vor dem Finale konnten sie kaum schlafen. Quinn dachte an sein bereits erzieltes Tor, Jack stellte sich immer wieder vor, wie er selbst das entscheidende schießen würde.
Wenige Stunden später wurde aus dieser Vorstellung Realität.
Dabei galt Kanada vor dem Turnier als klarer Favorit. Angeführt von Superstar Connor McDavid schien alles auf den nächsten Titel hinauszulaufen. Eishockey ist dort nicht nur Sport, es ist Teil der nationalen Identität. Und in direkten Duellen hatten die Kanadier lange die Oberhand: Olympiasiege 2002 und 2010, dazu ein Finalsieg im 4-Nations-Turnier ein Jahr zuvor.
Doch dieses US-Team hatte sich vorgenommen, die Geschichte neu zu schreiben.
Hellebuyck wächst über sich hinaus
Das Finale war ein echter Schlagabtausch. Kanada dominierte phasenweise, führte vor dem letzten Drittel deutlich bei den Torschüssen. Doch sie fanden kaum ein Mittel gegen einen überragenden Connor Hellebuyck im Tor der Amerikaner.
Der NHL-MVP zeigte eine Leistung für die Geschichtsbücher. 41 von 42 Schüssen parierte er, darunter mehrere Großchancen von McDavid. Selbst während eines 5-gegen-3-Powerplays der Kanadier blieb er unüberwindbar.
Seine Mitspieler wussten genau, was sie an ihm hatten. Immer wieder hielten sie dem Druck stand, kämpften sich durch schwierige Phasen und bewiesen enorme mentale Stärke.
Diese Widerstandsfähigkeit spiegelte sich auch in Einzelschicksalen wider. Charlie McAvoy etwa hatte in den Monaten zuvor mehrere schwere Verletzungen überstanden, darunter einen Kieferbruch. Doch im Finale stand er auf dem Eis, und am Ende mit Gold um den Hals.
Für die USA war es der erste olympische Titel seit 1980 und dem legendären "Miracle on Ice". Doch anders als damals war dieser Triumph kein Wunder. Er war das Ergebnis von harter Arbeit, Teamgeist und unerschütterlichem Glauben. Und er hatte eine tief emotionale Dimension.
Der 22. Februar 2026 war nicht nur der Tag des Sieges, sondern auch der zweite Geburtstag von Johnny Gaudreau Jr.. Sein Vater war tragisch ums Leben gekommen. Das Team ehrte ihn auf bewegende Weise: mit seinem Trikot auf dem Eis, mit seinen Kindern bei der Zeremonie und mit dem Gefühl, dass er Teil dieses Erfolgs war.
Denn an diesem Abend ging es um mehr als nur eine Goldmedaille. Es ging um Zusammenhalt. Um Familie. Um das, was Sport im Kern ausmacht.
Mit diesem Sieg hat sich das US-Team endgültig an der Weltspitze etabliert. Die Rivalität mit Kanada lebt weiter – intensiver denn je. Doch eines ist klar: Die USA sind nicht länger der Herausforderer. Sie sind angekommen.
