Für die Weltranglisten-114., die es erstmals überhaupt ins Hauptfeld beim Höhepunkt der Sandplatzsaison und nun ihren neunten Sieg in Serie an der Seine schaffte, ist es schon vor dem Endspiel das mit Abstand beste Turnier ihres Lebens. In Paris bestritt sie ihr erstes Halbfinale überhaupt auf Tourlevel. "Das ist wie ein Traum. Ich weiß gar nicht mehr, was ich noch sagen soll. Außer: Ich bin einfach sehr glücklich", sagte Chwalinska: "Es ist so herausfordernd, hier wieder und wieder gegen die besten Spielerinnen der Welt anzutreten. Ich bin körperlich und mental total kaputt. Aber das ist wohl normal."
Zum Match-Center: Diana Shnaider vs. Maja Chwalinska
Chwalinska und Shnaider standen sich zum zweiten Mal auf Sand gegenüber. Zuletzt hatten sie sich bei einem ITF-Event in Istanbul vor vier Jahren als Nummer 268 und 471 der Welt duelliert - den Sieg sicherte sich damals Shnaider. Auf dem Court Philippe-Chatrier ging sie nun als Favoritin in das Match. "Hoffen wir mal, dass sie sich nur auf den Ball konzentriert und nicht auf die Gegnerin oder das Ranking", hatte Bajin vor dem Spiel bei Eurosport betont.
Chwalinska verdient sich Finale
Bei geschlossenem Dach entwickelte sich eine Partie auf Augenhöhe, mit ihrem variantenreichen Spiel stellte Chwalinska die Russin immer wieder vor Probleme. Und auch als Shnaider im Tiebreak schon klar in Führung lag, gab die Polin nicht auf - und holte sich nach 1:17 Stunden den ersten Satz. Andrejewa hatte zuvor für ihren Sieg eine Minute weniger benötigt.

In Satz zwei zeigte sich ein ähnliches Bild, beiden Spielerinnen war das intensive Spiel körperlich anzumerken. Doch Chwalinska ließ sich nicht mehr aufhalten.
Nun gegen Andreeva
Auch Andreeva greift bei den French Open nach ihrem ersten Grand-Slam-Titel. Die 19 Jahre alte Russin setzte sich im mit Spannung erwarteten Halbfinale gegen Kostyuk aus der Ukraine durch und zog erstmals in ein Endspiel bei einem Major ein. Als erste nach 2005 geborene Spielerin steht die Weltranglistenachte in einem Major-Finale, auch bei den Männern gelang dieses Kunststück noch niemandem.
Match-Center: Marta Kostyuk vs. Mirra Andreeva
"Ich bin immer noch sehr nervös, aber sehr glücklich mit der Art und Weise, wie ich heute gespielt habe", sagte Andreeva: "So etwas habe ich noch nie gespürt. Ich freue mich sehr auf das letzte Spiel in Paris."
Andreeva greift nach den Sternen
Für die Weltranglistenachte war es der 35. Sieg in diesem Jahr, keine Spielerin auf der Tour hat mehr. Auch mit ihrer Bilanz von 21:3 auf Sand liegt Andreeva, die vor zwei Jahren im Halbfinale von Paris an der Italienerin Jasmine Paolini gescheitert war, vorne.

Für Kostyuk endete derweil ihre zuvor perfekte Sandplatz-Saison, im 17. Spiel des Jahres kassierte sie ihre erste Niederlage. Mit einem Erfolg gegen Andreeva hätte Kostyuk als erste ukrainische Spielerin überhaupt ein Grand-Slam-Finale erreicht.
Erst Wind - dann Bewährungsprobe
Auf dem Halbfinale hatte ein besonderer Fokus gelegen, hatte Kostyuk im Verlauf des Turniers immer wieder auf emotionale Art und Weise über die dramatischen Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf ihre Heimat aufmerksam gemacht. Trotz der brisanten Konstellation wollte sie dem Aufeinandertreffen mit Andreeva aber keine besondere Bedeutung verleihen.
Ihr sei es "normalerweise völlig egal, wer auf der anderen Seite des Netzes steht. Ich bin da, um Tennis zu spielen und meinen Job zu machen", hatte Kostyuk betont. Und daran werde sich für sie "am Donnerstag nichts ändern".

Bei windigen Bedingungen in Paris war es Andreeva , die an ihren unglaublichen Viertelfinalsieg nach 56 Minuten gegen die Rumänin Sorana Cirstea nahtlos anknüpfte. Während Kostyuk sehr nervös wirkte, zog die junge Russin ihr Spiel gnadenlos durch. Nach nur etwas mehr als einer halben Stunde schnappte sie sich Satz eins. In Durchgang zwei hielt Andreeva dann den Druck hoch - Kostyuk wachte zu spät auf.
