Am 18. Januar besiegte Senegal Gastgeber Marokko in einem umstrittenen Endspiel in Rabat. Die Diskussionen nach Abpfiff waren hitzig, doch inzwischen ist es Zeit für eine sachliche Rückschau auf ein Turnier, das insgesamt ein hohes sportliches Niveau bot.
Arsène Wenger, der bei der FIFA alss Leiter der globalen Fußballentwicklung arbeitet, verfolgte die Endrunde in Marokko aufmerksam. Nach 22 Jahren als Trainer von Arsenal zählt er zu den prägendsten Persönlichkeiten des modernen Fußballs, seine Einschätzungen haben Gewicht.
Afrikanische Trainer auf dem Vormarsch
Bereits vor dem Finale zog Wenger eine positive Bilanz. Der afrikanische Fußball, so sein Eindruck, befinde sich klar auf dem richtigen Weg und entwickle sich kontinuierlich weiter. "Insgesamt war der Wettbewerb extrem intensiv und das ist ein typisches Merkmal des modernen Fußballs", erklärte Wenger. "Die mentale Stärke aller Teams war beeindruckend, ebenso wie das physische Niveau."
Das Turnier sei hochklassig und ausgeglichen gewesen. "Wenn man die Spiele verfolgt, ist es sehr schwer vorherzusagen, wer gewinnt, weil die Mannschaften leistungsmäßig sehr eng beieinanderliegen. Am Ende hatten die beiden Finalisten das gewisse Extra an technischer Qualität und Reife."

Mit 'Reife' meint Wenger vor allem die taktische Disziplin und Spielintelligenz der Teams. Besonders hob er zudem die Arbeit der Trainer hervor: Alle vier Halbfinalisten wurden von Trainern mit afrikanischen Wurzeln betreut. Tatsächlich gingen auch die letzten vier AFCON-Titel an afrikanische Trainer: Djamel Belmadi (Algerien, 2019), Aliou Cissé (Senegal, 2021), Emerse Faé (Elfenbeinküste, 2023) und Pape Thiaw (Senegal, 2025).
Ein Blick auf die vergangenen elf Turniere zeigt: Nur zwei Trainer von außerhalb des Kontinents konnten in diesem Zeitraum den Titel gewinnen: Hervé Renard (2012 und 2015) sowie Hugo Broos (2017).
Wenger: "Leistungsunterschiede nur noch minimal"
"Mich hat besonders das Niveau der Trainer beeindruckt", betonte Wenger. "Es ist sehr positiv, dass afrikanische Nationalmannschaften von afrikanischen Trainern geführt werden. Das spricht für die Qualität der Organisation und für die richtigen Entscheidungen während der Spiele. Insgesamt ist das äußerst ermutigend."
Für Wenger zeigt sich darin auch ein grundlegender Wandel: "Es gibt keinen wesentlichen Unterschied mehr. Im modernen Sport verbreiten sich Informationen extrem schnell. Alle arbeiten auf höchstem Niveau, deshalb sind die Leistungsunterschiede nur noch minimal."
Als Mitglied der FIFA-Gruppe zur Analyse globaler Fußballtrends widmete Wenger dem AFCON 2025 besondere Aufmerksamkeit. Ein zentrales Element dabei ist die sogenannte Technical Study Group, die während des Turniers im Einsatz war.

"Wir analysieren Wettbewerbe, um Trends zu erkennen und zu verstehen, was erfolgreiche Teams auszeichnet", erklärte Wenger. "Dabei geht es darum, zu erkennen, wohin sich das Spiel entwickelt, wo Verbesserungsbedarf besteht und wie wir uns weiterentwickeln können."
Die Technical Study Group habe die Aufgabe, diese Entwicklungen systematisch auszuwerten und Impulse für die Ausbildung von Spielern zu geben. "Für uns ist das von unschätzbarem Wert. Nur so können wir junge Spieler weiterhin gezielt auf das höchste Niveau vorbereiten."
