Auf Videos ist zu sehen, wie einige der im Bus sitzenden Spielerinnen die Fans mit ihrem Handy filmten und winkten, andere starrten nach vorne, eine Person zog den Vorhang zu. Die Angst war offensichtlich: Am nächsten Morgen verließen laut CNN fünf Spielerinnen das Teamhotel und suchten Schutz bei der Polizei. Sogar US-Präsident Donald Trump schaltete sich ein und forderte Australien auf, dem Team Asyl zu gewähren.
Öffentlich gesprochen hat niemand aus der Mannschaft, wohl auch aus Vorsicht. Denn auch ohne Wortmeldung droht nach dem Aus bei der Asienmeisterschaft in der Heimat der Zorn des Regimes.
Der Grund liegt ein paar Tage zurück: Beim ersten Vorrundenspiel gegen Südkorea (0:3) hatten die Spielerinnen auf das Singen der Nationalhymne verzichtet - ein Schritt, der als offener Protest gegen die Führung gewertet wird und nach Einschätzung von Menschenrechtsgruppen ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Ein Kommentator bezeichnete die Spielerinnen im Staatsfernsehen als "Kriegsverräterinnen" und forderte Konsequenzen.
Vor den Spielen gegen Australien (0:4) und die Philippinen (0:2) sangen die Spielerinnen dann wieder die Hymne und salutierten dabei. Ob zuvor Druck ausgeübt worden war, blieb unklar.
Zum Match-Center: Iran vs. Philippinen
Sorgen gibt es dennoch, die Rufe nach Unterstützung werden lauter. Nach Politikern, Menschenrechtsaktivisten und der "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling setzte sich zuletzt auch Reza Pahlavi, der älteste Sohn des ehemaligen Schahs, für das Team ein. Er rief Australiens Regierung zum Schutz auf.
Unterstützung aus der ganzen Welt
Pahlavi forderte, "für ihre Sicherheit zu sorgen und ihnen jegliche benötigte Unterstützung zu gewähren". Der Sohn des letzten Schahs positioniert sich aus dem Exil heraus seit Jahren als möglicher Anführer eines demokratischen Übergangs in Iran.
Offen ist aber, ob die Spielerinnen überhaupt Schutz oder gar Asyl wollen. Viele müssten bei einem Verbleib in Australien wohl Konsequenzen für ihre Familien in der Heimat fürchten, einige von ihnen haben Kinder. In der Pressekonferenz nach dem letzten Spiel sagte Nationaltrainerin Marziyeh Jafari: "Wir warten voller Ungeduld auf unsere Rückkehr. Ich persönlich möchte so schnell wie möglich in mein Land zurückkehren und bei meinen Landsleuten und meiner Familie sein."
Während des Spiels gegen die Philippinen hatten Fans trotz Verbots eine Fahne mit einem Löwen und einer Sonne gezeigt, diese hatte vor der iranischen Revolution als offizielle Staatsflagge gedient. Eine Interaktion mit der Mannschaft blieb trotz der lautstarken Anfeuerung aus. Zur einzigen Ausnahme kam es laut BBC, als eine Spielerin im Seitenaus behandelt wurde und den Zuschauern einen Kuss zuwarf, woraufhin tosender Applaus ertönte.
Nach dem Schlusspfiff verließen die Iranerinnen dann aber umgehend den Rasen und stiegen in den Bus. Einen Tag später ergriffen zumindest fünf von ihnen die Flucht zur Polizei. Wohin die Reise der anderen führt, blieb unklar.
