Die ADMIRAL Bundesliga zeigt weiterhin, wie viel Action und Unterhaltungswert die Punkteteilung bringt – mit ganz unterschiedlichen Folgen für die Klubs. Immerhin hat Blau-Weiß Linz nach der spektakulären Aufholjagd gegen Ried weiterhin Chancen auf den Klassenerhalt. Für die Rieder könnte es dagegen noch einmal eng werden, wenn der Trend weiter nach unten zeigt und das nicht nur auf dem Spielfeld.
Salzburg konnte doch noch treffen, bevor GTA 6 erschienen ist, Sturm bleibt durch den Ausgleichstreffer aber seit mittlerweile fünf Spielen gegen die Salzburger ungeschlagen. Im Grunddurchgang hui, zum Start in die Meistergruppe eher pfui: Der TSV Hartberg weckt Erinnerungen an Blau-Weiß Linz in der Vorsaison. Und zum Abschluss lieferte Rapid die nächste Steigerung und schickte den LASK mit einem 4:2 zurück nach Linz. Doch wie nachhaltig ist dieser grün-weiße Höhenflug wirklich?
All das gehört definitiv genauer eingeordnet – in den größten Tops und Flops der Runde.
TOP – Blau-Weiß Linz mit Lebenszeichen und interessanter Pausenaktion
Blau-Weiß Linz hat im Oberösterreich-Derby gegen die SV Ried ein starkes Lebenszeichen im Abstiegskampf gesetzt. Nach einem 0:2-Rückstand zur Pause drehten die Linzer die Partie noch und gewannen am Ende spektakulär mit 3:2.
Dabei begann das Spiel aus Sicht der Gastgeber denkbar schlecht. Peter Kiedl brachte Ried früh per Elfmeter in Führung und legte wenig später nach einer Flanke von Fabian Rossdorfer sogar das 2:0 nach. Blau-Weiß wirkte zunächst angeschlagen, kam nach einer Roten Karte gegen Rieds Nicolas Bajlicz aber zurück ins Spiel.
Nach der Pause entwickelte sich ein Linzer Powerplay. Alexander Briedl brachte Blau-Weiß mit einem Treffer nach einer Ecke zurück ins Spiel. Kurz darauf staubte Simon Seidl nach einem Lattentreffer von Alem Pasic zum Ausgleich ab. In der Schlussphase übernahm Ronivaldo Verantwortung und verwandelte einen Elfmeter zum umjubelten 3:2-Siegtreffer.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte allerdings auch eine kuriose Aktion in der Halbzeitpause. Ein Mitarbeiter der Linzer klebte Standbilder einer umstrittenen Szene an die Tür der Schiedsrichterkabine. Die Bilder sollten ein aus Sicht von Blau-Weiß klares Foul von Nikki Havenaar an Fabio Varesi-Strauss im Strafraum zeigen, das weder Schiedsrichter noch VAR geahndet hatten.
FLOP – Ried als mehrfacher Derbyverlierer
Es war nicht die Woche der SV Ried. Zunächst das Aus im Cup-Halbfinale gegen den LASK und dann auch noch die verspielte 2:0-Führung gegen Blau-Weiß Linz. Damit gingen beide OÖ-Derbys aus Rieder Sicht daneben. Doch auch abseits der reinen Ergebnisse wurde Ried zum Derbyverlierer. Am Anfang der Saison hatten die Spielweise und das Auftreten der Rieder noch etwas vom sympathischen Underdog, Trainer Senft wurde durch den zwischenzeitlichen Erfolg sogar als neuer Sturm-Trainer gehandelt. Doch von diesem Glanz ist aktuell nicht mehr viel übrig.
Die restliche Liga ist zu großen Teilen nur mehr genervt vom vermeintlichen Anti-Fußball, der äußerst geringen Nettospielzeit durch ewiges Zeitspiel und vom Theater rund um die Spiele – Stichwort brennender LASK-Schal oder auch ein unglücklicher Schriftverkehr mit einem LASK-Fan. Den Höhepunkt lieferte das Cup-Halbfinale samt Bierduschen und Pöbeleien, wenngleich es da mit Didi Kühbauer natürlich das „ideale“ Gegenüber gab. Da ist es aktuell nur mehr ein schmaler Grat zwischen tapferen Wikingern und einem Image, das im Rest der Liga zunehmend für Kopfschütteln sorgt.
TOP – Salzburg kann doch noch treffen - Sturm bleibt ungeschlagen
Der SK Sturm Graz bleibt für Red Bull Salzburg weiterhin ein unangenehmer Gegner. Im Spitzenspiel der Runde trennten sich die beiden Titelkandidaten mit 1:1 und damit sind die Grazer bereits im fünften direkten Duell in Folge gegen Salzburg ungeschlagen.
In einer intensiven und kampfbetonten Partie gingen zunächst die Salzburger in Führung. Nach gut einer halben Stunde traf Yorbe Vertessen sehenswert nach Vorarbeit von Mads Bidstrup und brachte die „Bullen“ mit einem Abschluss ins kurze Eck und damit mit dem ersten Salzburg-Tor seit einer gefühlten Ewigkeit in Front. Sturm ließ sich davon jedoch nicht aus dem Konzept bringen und fand noch vor der Pause die passende Antwort: Stankovic stellte kurz vor dem Halbzeitpfiff nach Brustablage von Vallci auf 1:1.
Auch danach blieb das Spiel umkämpft. Beide Teams suchten immer wieder mit langen Bällen und schnellen Umschaltmomenten den Weg zum Tor, klare Chancen blieben jedoch auf beiden Seiten rar. Selbst eine Gelb-Rote Karte gegen Salzburgs Anrie Chase in der Schlussphase änderte nichts mehr am Ergebnis.
FLOP – Hartberg nimmt sich mit naivem Platzverweis aus dem Spiel
Der TSV Hartberg hat sich im Heimspiel gegen Austria Wien letztlich selbst um ein mögliches Erfolgserlebnis gebracht. Beim 0:1 gegen die Wiener waren die Oststeirer lange gut im Spiel, bis ein Platzverweis die Partie entscheidend veränderte.
Im Mittelpunkt stand Startelf-Debütant Konstantin Schopp. Der junge Hartberger sah in der 38. Minute nach einem harten Einsteigen gegen Wiesinger die Rote Karte und stellte seine Mannschaft damit früh vor eine (zu) schwierige Aufgabe. Zu diesem Zeitpunkt war das Spiel noch ausgeglichen, Hartberg hatte sich sogar einige gute Möglichkeiten erarbeitet.
Die Austria nutzte die Überzahl kurz vor der Pause eiskalt aus. Nach einer flachen Hereingabe von Reinhold Ranftl legte Vasilije Markovic den Ball sehenswert per Ferserl ab, Kapitän Manfred Fischer vollendete zum entscheidenden 1:0.
Hartberg kämpfte zwar auch in Unterzahl weiter und zeigte nach der Pause viel Moral, echte Ausgleichschancen blieben jedoch rar. Auch Kapitän Jürgen Heil sprach nach der Partie von einer „naiven“ Aktion. Aber auch unabhängig von dieser roten Karte erinnert Hartberg mittlerweile stark an Blau-Weiß Linz in der Vorsaison, als nach dem unerwarteten Platz in der Meistergruppe eine Zeit lang ein Tief folgte.
TOP – Ist die Rapid wirklich wieder da – und bleibt sie auch?
Wer hätte das vor ein paar Wochen noch gedacht? Rapid scheint nach schwierigen Monaten wieder auf Kurs zu sein. Der 4:2-Erfolg gegen den LASK war bereits der nächste Schritt in einer Entwicklung, die unter Trainer Johannes Hoff Thorup immer klarer erkennbar wird. Dabei begann die Partie alles andere als ideal. Nach einem Fehler im Spielaufbau gerieten die Wiener bereits nach wenigen Sekunden durch einen Treffer von Adeniran in Rückstand. Die Reaktion ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Jakob Schöller stellte schnell auf 1:1 und leitete damit eine Phase ein, in der Rapid phasenweise den besten Fußball der Saison zeigte.
In der Folge drehte Grün-Weiß das Spiel weiter. Nach einer starken Kombination brachte ein Treffer von Bolla zum 2:1 – vorbereitet von Jannes Horn – die Wende. Am Ende stand ein wichtiger 4:2-Erfolg. Noch wichtiger als das Ergebnis ist jedoch die Entwicklung dahinter. Unter Hoff Thorup sind wieder klare Prinzipien erkennbar: mehr Mut im Spiel nach vorne, intensiveres Pressing und vor allem ein deutlich stärkerer Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft.
Rapid wirkt wieder gefestigt und plötzlich ist aus dem Zittern um die Meistergruppe ein ernstzunehmender Verfolger im Titelrennen geworden. Die entscheidende Frage lautet nun: Wie stabil und nachhaltig ist diese Rapid-Rückkehr?
