Es brodelte gewaltig in Fernando Carro. Und so stürmte der Boss von Bayer Leverkusen wutentbrannt in die Kabine, verpasste den Stars eine aufrüttelnde Ansage und schimpfte in den Katakomben dann auch noch über Schiedsrichter Tobias Stieler. Weil die Werkself gegen den FSV Mainz 05 einmal mehr alles hatte vermissen lassen, was ein Topteam im Kampf um die Königsklasse benötigt, schlug der temperamentvolle Klubchef Alarm.
Er habe die Spieler nach dem ernüchternden 1:1 (0:0) aufgefordert, dass sie endlich "aufwachen" müssten, "Espabilad" habe er in seiner spanischen Muttersprache gerufen, verriet Carro nach seiner Standpauke. Und er legte beim Verlassen des Spielertunnels der BayArena noch einmal nach: Er jedenfalls würde "ausflippen, wenn ich da gerade in der Kabine wäre".
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Kampf um die Königsklasse
Carros Wutrede war umso bemerkenswerter, da der Geschäftsführer eigentlich nur selten die Leistung der Werkself nach Spielen einordnet. Doch der ambitionierte Vizemeister verspielt dieser Tage leichtfertig seine gute Ausgangslage im Rennen um die begehrten und lukrativen Champions-League-Ränge, und so sah Carro sich offenbar zu einem Weckruf veranlasst.
Zu oft hatte sich Leverkusen zuletzt derart müde, mutlos und mittelmäßig präsentiert wie gegen Mainz. Bei Union Berlin (0:1) patzte Bayer bereits, es folgte die zähe Nullnummer gegen Olympiakos Piräus, die gar die Freude über den Achtelfinal-Einzug trübte. Die Kracher gegen den FC Arsenal könnten die letzten in der Königsklasse für längere Zeit bleiben.
Dass Jarell Quansah (88.) immerhin eine weitere Niederlage verhinderte, diente keineswegs als Trost. Zumal die Leverkusener - allen voran Carro - den Referee für eine Entscheidung unmittelbar vor der Mainzer Führung durch Sheraldo Becker (67.) attackierten. Im Vorfeld des Konters war Patrik Schick im FSV-Strafraum gehalten und zu Fall gebracht worden.
Wegweisende Wochen
Dies sei "ein klarer Elfmeter" gewesen, sagte Carro, der seinem Frust über Stieler in den Katakomben freien Lauf ließ. Selbst der sonst so besonnene Trainer Kasper Hjulmand schimpfte: "Das ist unfassbar für mich. Wenn das kein Elfmeter ist, dann muss mir jemand die Regeln erklären."
Als Ausrede für die jüngsten Auftritte der Werkself ohne Tempo und Ideen ließ der Däne dies aber nicht gelten. "Ich habe keine Entschuldigung", sagte Hjulmand. Carro merkte an, dass Leverkusen es "am Ende" ja immerhin "versucht" habe, "aber du kannst nicht 50 oder 80 Minuten so spielen".
Wenn Bayer auch im nächsten Jahr in der Champions League spielen will, braucht es in der anstehenden wegweisenden Woche jedenfalls eine deutliche Steigerung. Erst muss Leverkusen am Mittwoch beim Hamburger SV bestehen, dann geht es zum SC Freiburg. Wie die Stimmung in der Kabine gewesen sei, meinte Torhüter Janis Blaswich vielsagend, könne man sich ja vorstellen. Nicht zuletzt wegen Carros Wutrede.
