Bundesliga-Klassiker: BVB spielt um seine Saison, Bayern um "kleinen Titel"

Borussia Dortmund braucht am Samstagabend einen Sieg gegen den FC Bayern.
Borussia Dortmund braucht am Samstagabend einen Sieg gegen den FC Bayern.MARCEL ENGELBRECHT / FIRO SPORTPHOTO / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Nach dem Champions-League-K.o. kämpft Borussia Dortmund um die letzte Chance, die Saison noch ein wenig spannend zu halten. Folgt gegen den FC Bayern die nächste Pleite, droht die große Langeweile.

Komfortabler Vorsprung, drohende Langeweile? Davon wollte Vincent Kompany vor dem Bundesliga-Gipfel des FC Bayern bei Borussia Dortmund nichts wissen. "Es ist ein Klassiker, diese Spiele sind dermaßen wichtig, dass es wie ein kleiner Titel ist", sagte der Münchner Trainer - wohlwissend, dass der große nicht mehr wirklich auf dem Spiel steht.

Denn bei acht Punkten Vorsprung müsste an den letzten elf Spieltagen noch sehr viel Ungewöhnliches passieren, um die 35. deutsche Meisterschaft der Bayern noch einmal in Gefahr zu bringen. Ungleich wichtiger ist das Duell am Samstag (18.30 Uhr/Sky) für den BVB. Nach dem krachenden K.o. in der Champions League geht es für den Tabellenzweiten darum, dem Rest der Saison noch eine gewisse Bedeutung zu geben.

Dortmund knabbert am Atalanta-Trauma

Man müsse "alles versuchen, um Bayern München zu schlagen" und damit "in der Bundesliga dranzubleiben. Das ist die Aufgabe, die wir alle haben. Die Pflicht", betonte Sportdirektor Sebastian Kehl nach dem 1:4-Debakel in den Playoffs bei Atalanta Bergamo. Denn klar ist: Sollte der BVB seine Pleitenserie gegen Topklubs in dieser Spielzeit fortsetzen, herrscht danach gepflegte Langeweile. Dann wäre die letzte, ohnehin minimale Titelchance dahin, die erneute Teilnahme an der Königsklasse aber bei derzeit elf Punkten Vorsprung weiter so gut wie sicher.

"Wir müssen", forderte Torhüter Gregor Kobel, der vor dem letzten Treffer Bergamos tief in der Nachspielzeit einen schlimmen Fehlpass gespielt hatte, "einfach weitermachen." Gar nicht so einfach nach dem Systemabsturz in Norditalien, der die Tendenz der vergangenen Wochen gnadenlos fortführte.

Gegen die Bundesliga-Konkurrenz reicht die Qualität des BVB, um hinter den Bayern der Beste vom Rest zu sein: Mit 52 Punkten nach 23 Spielen - nur in den Meisterjahren 2011 und 2012 sowie als späterer Vizemeister 2016 und 2019 war die Borussia zu diesem Zeitpunkt besser. Doch selbst der Tabellensiebte der Serie A ist stark genug, um Dortmund die sechste Saisonpleite zuzufügen.

Gegen die Münchner haben Kobel und Co. in der Hinrunde ihr bislang einziges Bundesligaspiel verloren (1:2). Generell war der einst so hochgejubelte Klassiker zuletzt eine einseitige Angelegenheit. Nur eines der jüngsten 14 Ligaduelle hat der BVB gewonnen, lediglich vier von 27 seit der letzten Meisterschaft 2012.

Kompany spürt "gesundes Gift" im Training

"Wenn man sich die letzten Jahre anschaut, waren wir immer nah dran, haben es aber nie wirklich geschafft", meinte Kobel und bescheinigte den Bayern "ein unglaubliches Team". Kompany sprach seinerseits von einer Dortmunder "Topmannschaft". Und versuchte noch einmal, Spannung aufzubauen: "Wir dürfen das so groß machen, wie es ist - und ich hoffe, dass es auch ein richtiges Topspiel wird. Nicht zwei Mannschaften, die Angst haben und nur auf die Punkte schauen."

Er habe in den vergangenen Tagen "gespürt, dass es eine Klassiker-Woche war", ergänzte der Belgier: "Es war gesundes Gift im Training, was ich liebe. Das sind die Spiele, für die man Fußball spielt. Diese Spiele zu gewinnen, ist das Geilste, was es gibt." Auch wenn es wohl nur um einen "kleinen Titel" geht.

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