Durchwachsenes Debüt in Berlin – Albert Riera und seine (noch) zahnlosen Haie

Albert Riera an der Seitenlinie bei seinem ersten Spiel als Eintracht-Trainer
Albert Riera an der Seitenlinie bei seinem ersten Spiel als Eintracht-TrainerSOEREN STACHE / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Wehmut oder Wut wollte Albert Riera nach seinem durchwachsenen Debüt erst gar nicht aufkommen lassen. Stattdessen frohlockte Eintracht Frankfurts neuer Trainer, dass seine Krisen-Kicker endlich das Raubtier in sich entdeckt hätten. "Sie haben es genossen, sich als Boss des Spiels zu fühlen, der Protagonist zu sein, dominant zu sein." Es gehe um diese Momente, "wenn du das Blut riechst - so wie Haie".

Nur richtig zuzubeißen müssen Rieras Spieler, die zuletzt eher Opferlämmer waren, erst noch lernen. Schien die "Beute" schon erlegt, schenkte die Eintracht am Freitagabend bei Union Berlin eine Führung her und fuhr mit einem 1:1 (0:0) aus der ersten Partie des neuen Trainers zurück nach Hessen. Neun Pflichtspiele in Serie sind die Frankfurter ohne Sieg, wobei sich Riera von derlei Statistiken nicht stressen lässt.

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"Ich konzentriere mich darauf, dass wir viele Dinge gut machen. Und dann werden die Ergebnisse kommen", sagte der 43-Jährige bei Sky. Und schon in Berlin lief einiges besser. Die Defensive, die in den vorigen sieben Partien 20 Gegentore zugelassen hatte, wirkte wesentlich gefestigter. Weltmeister Mario Götze sah "deutliche Schritte in die richtige Richtung".

Kunstschuss von Brown reicht nicht zum Sieg

Auch Markus Krösche, Frankfurts Sport-Geschäftsführer, war durchaus angetan von dem, was der von ihm ausgesuchte Nachfolger des im Januar geschassten Dino Toppmöller der Mannschaft in kürzester Zeit vermittelt hatte. "Der Trainer ist vier Tage da und wir haben schon einen guten Schritt gemacht", so Krösche, der von einem "guten Start" sprach, aber auch zugab: "Der letzte Pass nach vorne hat noch gefehlt."

Das ist ein nicht zu unterschätzendes Problem. 73 Prozent Ballbesitz hatte die Eintracht, immer wieder drängte sie Union in Rieras dominanter Art in die eigene Hälfte, bis auf das Volley-Tor von Nationalspieler Nathaniel Brown (84.) spielten die Gäste aber kaum nennenswerte Torchancen heraus. Derartiger Kritik begegnete Riera mit listiger Rhetorik, die aus dem Mund von Pep Guardiola stammen könnte.

"Wir können darüber sprechen, dass der Ballbesitz uns keine Tore einbringt. Aber wenn ich den Ball habe, hat der Gegner den Ball nicht. Ich kann dich verletzen, aber du mich nicht", sagte der Trainer, dessen Team sich den späten Dämpfer höchstselbst verpasste. Wie so oft. Oscar Höjlund klammerte zu offensichtlich gegen Rani Khedira im Strafraum und flog dafür mit Gelb-Rot vom Platz, während Leopold Querfeld (87./Foulelfmeter) den Traum vom perfekten Trainer-Debüt platzen ließ.

"Wenn wir einen Fehler machen, werdet ihr wissen, warum"

Riera, der bereits bei Presseterminen unter der Woche mit markigen Ansagen und blumigen Metaphern bestochen hatte, wäre sich jedoch kaum treu geblieben, hätte er nach dem Spiel nicht auch die äußerst ungestüme Aktion Höjlunds optimistisch aufgeladen.

"Ich habe dieser Mannschaft eines versprochen: Wenn wir einen Fehler machen, werdet ihr wissen, warum", sagte er: "Denn wenn du den Grund kennst und den Fehler kennst, den du machst, kannst du ihn korrigieren." Und dann irgendwann selbst zuschlagen. Wie die Haie in den Tiefen des Meeres.