Max Eberl hat ein gutes Gedächtnis. "Vor eineinhalb Jahren", sagte der Sportvorstand des alles verschlingenden FC Bayern pikiert, habe er "nichts gehört" von erdrückender Münchner Dominanz oder einer Gehaltsobergrenze als Gegenmittel. "Da haben wir Hohn und Spott bekommen, dass wir nur Dritter wurden und nicht mal den Supercup spielen durften."

Die Zeiten sind vorbei, die Bundesliga versinkt in Angst und Schrecken vor dem FC Unbezwingbar, Oliver Kahn fragt ketzerisch: "Wer will denn in der Allianz Arena noch gewinnen?" Der frühere Torwart-Titan und Bayern-Boss hat "den Eindruck, dass man denkt: Die Bayern sind so weit weg, lasst uns bescheiden bleiben und keine großen Ziele formulieren", wie er in der Sky-Sendung "Triple" erzählte.
In dieser Gemengelage stellt sich am Samstag (15.30 Uhr/Sky und in der Flashscore-Audioreportage) der FC Augsburg zum bayerisch-schwäbischen Derby in der Allianz Arena vor: Der Tabellen-15., der keines seiner jüngsten fünf Spiele gewonnen hat und auf gleich drei Innenverteidiger verzichten muss.
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Trainer Manuel Baum appellierte tapfer an seine Mannschaft, nicht schon vorab die weiße Fahne zu hissen. "Es geht nicht darum, dass wir uns um Schadensbegrenzung Gedanken machen", sagte er. Sein Plan folge dem Prinzip Schweizer Taschenmesser. Je nachdem, was die Bayern so anstellten, "brauchen wir die Säge oder die Schere" oder sonst ein passendes Werkzeug.
Die Liga diskutiert andere Lösungen, um dem Rekordmeister beizukommen. Laut Bremens Klubchef Klaus Filbry würde "eine Gehaltsobergrenze und eine gerechtere Verteilung der Fernsehgelder" helfen. Umsetzbar scheint beides nicht, auch weil die Bayern clever lobbyieren.
Eberl verweist nicht zu Unrecht darauf, dass der Branchenprimus "einen guten Job gemacht" habe und "hoch verdient" einsam an der Spitze stehe. "Das ist alles nicht geschenkt", auch wenn er wisse: "Wir haben sehr, sehr gute Möglichkeiten beim FC Bayern."
Und eine Top-Mannschaft, in der es "keinen Stinkstiefel mehr" gebe, wie Kahn beobachtet hat: "Keiner macht auf Superstar, alle wollen das Gleiche: Erfolg, alle drei Titel gewinnen." Auch ein Harry Kane, den der frühere Kapitän den "modernsten Leader" nannte, "den man sich vorstellen kann".
Und so blickt Vincent Kompany dem Derby zuversichtlich entgegen, auch wenn er weiß, dass diese Spiele "immer schwierig" sind und ihn in der Abwehr Sorgen plagen: Dayot Upamecano liegt noch immer krank im Bett, rechts muss Kompany bei drei Ausfällen weiter improvisieren.
Dennoch deutet nichts darauf hin, dass die Bayern bald stolpern könnten. Falls doch, will Kompany höchstpersönlich einschreiten. "Wenn ich mal sauer bin", sagte er, "dann wegen unnötiger Arroganz, wenn wir weniger machen." Ein gewisses Arbeitsethos sei wichtig, "das ist Zeichen von Respekt vor dem Verein und dem Gegner".
Im Zweifel kann der sonst so besonnene Belgier dann auch mal richtig wütend werden, das "F-Wort" hat er sich aber bewusst abgewöhnt. "Meine Kinder haben das immer auf YouTube gesehen", sagte er lachend, "das bringt mich nicht in eine starke Position zu Hause."
