Inka Grings kann sich gut in Marie-Louise Eta hineinversetzen. Sie kennt die Aufmerksamkeit und den Gegenwind als erste Trainerin im Männerfußball, aber auch positive Erfahrungen. Solche, die so gar nicht durchaus gängigen Erwartungen entsprachen. "Ich hatte damals einen 2,10 m großen Nationalspieler aus Tunesien. Muslim", berichtete Grings dem SID. "Das Ende vom Lied: Er war der erste Spieler, der mir nach meinem Abschied gesagt hat, dass es superschade sei. Wir haben Kontakt bis heute." Eta ist nun die erste Trainerin in der Fußball-Bundesliga, sie profitiert von Pionierinnen wie Grings.
Die hatte im April 2019 den abstiegsbedrohten West-Regionalligisten SV Straelen übernommen und damit bereits Geschichte geschrieben: Erstmals trainierte eine Frau ein Team in einer der ersten vier Männerligen Deutschlands. Ein Jahr später coachte auch Imke Wübbenhorst bei den Sportfreunden Lotte einen Männer-Viertligisten.
Grings erwartet auch in Etas Fall keine geschlechtsbedingten Konflikte mit Spielern: "Diese Problematik wird nicht bestehen. Ohnehin haben die Spieler das zu machen, was der Trainerstab vorgibt – sonst spielen halt die anderen."
"Medialer Aufschrei immens"
Eta leitete am Dienstag zum ersten Mal in der Geschichte das Training eines Bundesligisten. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) ist die 34-Jährige dann an der Seitenlinie gefragt: Gegen den Abstiegskandidaten VfL Wolfsburg muss sich Eta mit Union Berlin erstmals auf der großen Bühne beweisen.
Zum Match-Center: Union Berlin vs. VfL Wolfsburg
Sabrina Wittmann, seit 2024 erste Cheftrainerin im deutschen Männer-Profifußball beim FC Ingolstadt, weiß, dass der Unterschied gar nicht so groß sein wird. "Natürlich war der mediale Aufschrei immens, intern hatte ich das Gefühl, ich trainiere einfach eine Liga höher, die Stadien sind voller", sagte Wittmann im Aktuellen Sportstudio. Auch sie hatte das Gefühl, dass ihr Geschlecht intern am wenigsten interessierte. "Was ich total beeindruckend fand: Wie wenig die Jungs da ein Thema draus gemacht haben. Das war überhaupt nicht notwendig."
All diese Frauen sind Vorbilder für nachkommende Generationen. Das spiegelten Wittmann sogar die eigenen Spieler. Pascal Testroet habe ihr gesagt: "Voll schön, dass meine Töchter jetzt auch sehen können, dass sie alles werden können." Das sei "etwas sehr Bleibendes, und etwas, das mich seither auch begleitet", sagte Wittmann.
Hoffentlich nur der Startschuss
Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass es die Entscheidungsträger braucht, um Frauen in Führungspositionen zu heben. "Es steht und fällt mit den Entscheidungen, die die Verantwortlichen treffen, und da hatte ich einfach riesiges Glück", sagte Wittmann.
Wübbenhorst fordert, "dass die Klubs ihr Suchfeld ein bisschen erweitern und dann sagen: 'Okay, das könnte schon mal eine interessante Trainerin sein, von ihrer Spielidee, von ihrem Auftreten her, von dem, wie sie junge Spieler entwickelt. Wir machen es nicht geschlechtsspezifisch und suchen nur Männer, sondern wir sind da für gute Trainerinnen offen'."
Eta steht nun im Rampenlicht. Doch hinter ihr stehen Frauen, die bereits gezeigt haben, dass Kompetenz wichtiger ist als Geschlecht.
