Hjulmand hat das Kunststück vollbracht, einer runderneuerten Mannschaft binnen kürzester Zeit eine Identität zu geben, ohne sich in ideologischen Dogmen zu verlieren. Während ten Hag an der Komplexität des "Alonso-2.0-Plans" scheiterte, brachte der Däne jene Empathie und Klarheit mit, die dem Kader fehlten.
Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes lobte bereits früh die "Intensität und Laufbereitschaft", die unter Hjulmand zurückgekehrt seien. Der Erfolg gibt ihm recht: Leverkusen hat sich stabilisiert und klopft mit drei Punkten Rückstand auf Platz vier wieder lautstark an die Tür zur Champions League.
Besonders beeindruckend ist, wie Hjulmand die neue Generation integriert: Ibrahim Maza, der erst im Sommer von Hertha BSC kam, hat sich unter ihm auf einer ungewohnt tiefen Position zum "Rookie des Monats November" und zum Fixpunkt im Offensivspiel entwickelt. Auch Christian Kofane, der als Backup für Patrik Schick geholt wurde, zeigt eine Reife, die viele Beobachter überrascht.
Hjulmand moderiert diesen Prozess mit einer Mischung aus dänischer Gelassenheit und taktischer Akribie, die ihm bei den Fans längst den Status einer langfristigen Lösung eingebracht hat.
Alonso-Rückgriff oder Hjulmand-Zukunft?
Trotz der sportlichen Erfolge zögert man in Leverkusen: Ist Hjulmand für Bayer 04 der Mann für die nächsten Jahre oder nur der Feuerwehrmann für die Zeit nach dem großen Aderlass? Im vergangenen Sommer verlor der Verein unter anderem mit Lukas Hradecky, Jonathan Tah und Florian Wirtz sein Herzstück, die erwartbar schwierige nächste Spielzeit managed Hjulmand mit Bravour.
Dass der Verein den Vertrag mit dem ehemaligen dänischen Nationaltrainer offiziell bis 2027 fixiert hat, ist zwar ein Vertrauensbeweis, doch in der Branche wird gemunkelt, ob man im kommenden Sommer nicht doch wieder nach einem Trainer-Profil sucht, das den "ganzheitlichen Ansatz" der Alonso-Ära stärker in den Mittelpunkt rückt.
Geschäftsführer Fernando Carro betonte bei Hjulmands Vorstellung, dass die Mannschaft einen "transparenten, kommunikativen und empathischen Stil" brauche. Diesen hat Hjulmand zweifellos geliefert. Die Tatsache, dass im kommenden Sommer – anders als im Vorjahr – kein radikaler Umbruch bevorsteht, spielt dem Dänen in die Karten. Das Gerüst um Spieler wie Tapsoba, Grimaldo und die aufstrebenden Talente wie Maza und Kofane steht. Kontinuität auf dem Platz schreit förmlich nach Kontinuität auf der Bank.
Wer Hjulmand in diesen Wochen an der Seitenlinie beobachtet, sieht keinen Interimstrainer. Er wirkt wie ein Mann, der gekommen ist, um zu bleiben. Wenn die Verantwortlichen den Fehler vermeiden wollen, sich auf der Suche nach einem neuen "Xabi" erneut zu verrennen, müssen sie erkennen, dass sie mit Hjulmand vielleicht schon das Beste gefunden haben: Einen Trainer, der nicht versucht, eine Kopie der Vergangenheit zu sein, sondern eine erfolgreiche eigene Gegenwart baut.
