Vom HSV-Fan zum Werder-Helden? Thioune startet Retter-Mission an der Weser

Daniel Thioune will mit Werder Bremen die Trendwende schaffen.
Daniel Thioune will mit Werder Bremen die Trendwende schaffen.CARMEN JASPERSEN / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

"Mein erstes Trikot war ein HSV-Trikot", sagte Daniel Thioune einmal, als kleiner Junge schwärmte er für Hamburger Legenden wie Horst Hrubesch oder Jimmy Hartwig. Nun soll er als Trainer ausgerechnet den großen Rivalen Werder Bremen vor dem Abstieg retten - und die Mission wird alles andere als einfach.

"Wenn man zehn Spiele nicht gewinnt, fehlt es an Leichtigkeit", sagte Thioune, der nur drei Tage nach seiner Verpflichtung beim SC Freiburg (Samstag, 15.30 Uhr/Sky) sein Debüt für Werder feiert. Trotz der angespannten Lage an der Weser kann der Nachfolger von Horst Steffen die Partie gar nicht erwarten, schließlich wird es sein allererstes Spiel in der Bundesliga sein. Als Spieler und Trainer - unter anderem beim HSV - war Thioune bisher nicht über die 2. Liga hinausgekommen.

Zum Match-Center: SC Freiburg vs. Werder Bremen

"Es ist etwas Besonderes", sagte Thioune, die Vorfreude sei "definitiv sehr groß". Genau wie die Aufgabe, die ihn in Bremen erwartet. Schließlich steckt der Traditionsklub tief in der Krise, ist in der Tabelle auf den 15. Platz abgerutscht und seit zehn Bundesliga-Spielen sieglos - so lange wie nie zuvor seit dem Aufstieg 2022 und so lange wie aktuell kein anderer Bundesligist. Und: Nach dem schweren Auswärtsspiel in Freiburg kommt nächste Woche Bayern München ins Weserstadion.

Nord-Rivalität im Hause Thioune

"Ich bin Trainer, ich bin kein Zauberer. Drei Tage werden nicht reichen, um auf alles Einfluss zu nehmen. Es steht noch sehr viel an", sagte Thioune, die Mannschaft um Kapitän Marco Friedl müsse "erstmal ein Gefühl für mich bekommen". Genau wie andersherum. "Ich komme nicht mit einer komplett neuen Idee, sondern will erst mal hören, was die Mannschaft braucht", sagte Thioune: "Energie, Zuspruch, Unterstützung – das will ich ihr geben."

Vor allem der sportliche Erfolg des HSV zog Thioune damals in seinen Bann, während sein Vater mit "Leidenschaft" Werder-Anhänger war. Zu Hause hatten sie dennoch "keine großen Probleme miteinander", schließlich eiferte Thioune auch Rigobert Gruber nach, der legendäre verschossene Elfmeter von Michael Kutzop im Kampf um die Meisterschaft 1986 "tat auch mir weh", sagte Thioune nun, das "sensationelle" Einwurftor von Uwe Reinders gegen die Bayern 1982 brachte ihn zum "Applaudieren".

Kann Thioune jetzt selber seine kleine Werder-Geschichte schreiben? Über den Klassenerhalt? Der neue Hoffnungsträger wird alles daran setzen. Mit "Energie" und "Überzeugung" und der "nötigen Bereitschaft" soll die Wende gelingen, sagte Thioune. Für ihn zählt nur noch Werder.