Werder "rockt" den Krisengipfel - und Heidenheim verliert den Glauben

Werder bejubelt den Sieg gegen Heidenheim
Werder bejubelt den Sieg gegen HeidenheimFoto von STUART FRANKLIN / GETTY IMAGES EUROPE / GETTY IMAGES VIA AFP

Heidenheim findet sich nach der Pleite im Krisengipfel mit dem Gang in die 2. Liga ab, Werder Bremen schöpft hingegen neue Hoffnung.

Während Werder-Trainer Daniel Thioune nach der Erlösung im Krisengipfel beseelt von Teamgeist und Zuversicht redete, malträtierte Frank Schmidt ein paar Meter daneben einen Kronkorken. "Ich lüge doch keine Menschen an. Ich sage die Dinge so, wie sie sind", meinte der Trainer des 1. FC Heidenheim und stellte ernüchtert fest: "Am Ende haben wir heute deutlich unterstrichen, dass wir da nicht dran vorbeikommen, dass unser Weg Stand heute in die 2. Liga führen wird."

Tabellenletzter, acht Punkte Rückstand auf den Relegationsrang, seit elf Spielen ohne Sieg - und nach dem 0:2 (0:0) im ultimativen Kellerduell in Bremen auch ohne Hoffnung auf den Klassenerhalt. Schmidt hat sich mit dem Abstieg abgefunden. Es sei "nicht richtig", jetzt noch zu sagen: "Wir schaffen das und wir glauben alle dran."

Zum Match-Center: Werder Bremen vs. FC Heidenheim

Werder gegen Heidenheim - nur ein Sieg zählte, mehr Druck ging kaum. Und am Ende haben es eben die Bremer "gerockt", wie Romano Schmid sagte. Die Erleichterung war hinterher riesig, 13 Spiele in Serie hatten sie ja nicht gewonnen, der Traditionsklub taumelte - und dann vergaben Schmid und Jovan Milosevic in der ersten Halbzeit auch noch zwei Riesenchancen. Die Fans befürchteten schon das Schlimmste, aber am Ende feierten sie eine große Party rund um das Weserstadion.

Sieglos-Serie beendet

"Wenn man solche Chancen vergibt, fühlt sich das echt scheiße an", sagte Schmid, doch in der Halbzeit schmiedete er mit Milosevic einen Plan: "Wir haben uns gesagt: 'Komm, wir entscheiden das Spiel heute noch.'" Und so war es dann auch: Schmid flankte gefühlvoll in den Strafraum, Milosevic nickte per Kopf aus rund fünf Metern eiskalt ein (57.). Sekunden vor dem Schlusspfiff unterlief Hennes Behrens (90.+7) noch ein Eigentor, erstmals seit fast vier Monaten gelang Werder wieder ein Dreier. "Das gibt uns Selbstvertrauen", sagte Milosevic. Die Mission Klassenerhalt ist ja auch noch längst nicht erfüllt.

"Ich bin froh, dass das Gerede über die Sieglos-Serie zu Ende ist", sagte Clemens Fritz, Geschäftsführer Fußball in Bremen. Wegen der Zusammenstellung des Kaders war auch der ehemalige Nationalspieler stark in die Kritik geraten, der Befreiungsschlag gibt den Hanseaten nun etwas Luft zum Atmen. Aber nur ein bisschen. Niemand dürfe sich "ausruhen", sagte Fritz: "Wir laufen aktuell noch hinterher, wir brauchen Punkte und dafür werden wir alles tun. Deswegen haben wir jetzt auch nicht die Zeit, uns irgendwie großartig drei, vier, fünf Tage zu freuen."

Vor der Partie hatte der Capo der Ultra-Gruppierung "Infamous Youth" mit einer Motivationsrede über die Stadionmikrofone für Aufsehen gesorgt. So gelang wieder der Schulterschluss zwischen Fans und Mannschaft, nachdem zuvor deutliche Risse entstanden waren. "Das Stadion hat uns durch die schweren Momente getragen", sagte Thioune: "Aber die Reise geht weiter. Ein paar Aufgaben liegen noch vor uns und wir sind noch lange nicht zufrieden."