Argentinien wirft Hut in den Ring: Tresoldi vor ungewisser Länderspiel-Zukunft

Aktualisiert
Nicolo Tresoldi feiert ein Tor für Club Brügge.
Nicolo Tresoldi feiert ein Tor für Club Brügge.KURT DESPLENTER / BELGA VIA AFP

Nicolo Tresoldi sorgt derzeit für Furore: Mit 13 Treffern krönte er sich zum Torschützenkönig der Jupiler League – und liegt damit fünf Tore vor Stürmern wie Gianluca Scamacca oder Moise Kean, die fest zum Aufgebot von Gennaro Gattuso gehören. Obwohl er aktuell für die deutsche U21 aufläuft und die Antwort auf Italiens Sturmprobleme sein könnte, spielt er in den Planungen der "Azzurri" momentan keine Rolle. Auch eine dritte Nation macht sich Hoffnung.

Der 2004 geborene Angreifer ist ein echtes Multitalent: Mit gerade einmal 21 Jahren spricht er vier Sprachen fließend – eigentlich sogar fünf, wenn man seine angeborene "Sprache des Toreschießens" mitzählt. Italienisch, Deutsch, Englisch und Spanisch beherrscht er ebenso sicher wie das Duell mit gegnerischen Verteidigern, die er mit unbändigem Willen zur Verzweiflung bringt.

Der stets bescheidene und lächelnde Stürmer eifert seit Jahren seinem großen Idol Filippo Inzaghi nach. Von ihm hat er gelernt, wie man im perfekten Moment in die Tiefe startet und Räume nutzt. Dass dieses Training Früchte trägt, bewies er erst vergangenen Sonntag gegen Mechelen: Nach weniger als zwei Minuten eröffnete er den Torreigen, als er Abwehr und Torwart am kurzen Pfosten mit perfektem Timing und Präzision überwand. Es war sein 13. Saisontreffer, der nicht nur seine virtuelle Torjägerkanone in Belgien festigte, sondern auch seine außergewöhnliche Form unterstrich.

Tresoldi als Vollstrecker mit Spielintelligenz

Tresoldis Lauf ist beeindruckend: Sieben seiner 13 Tore erzielte er in den letzten sieben Partien. Dass er den Sprung von der zweiten deutschen Bundesliga in die Jupiler League so reibungslos meisterte, zeugt von seiner Qualität. Nach einer starken U21-Europameisterschaft im deutschen Dress zeigt er nun ganz Europa, dass er ein Torjäger der modernen Schule ist.

Seinen Spitznamen verdankt er der argentinischen Legende Martin Palermo – einem Landsmann seiner Mutter. Doch Tresoldi ist mehr als ein klassischer "Strafraum-Knipser". Er verfügt über eine feine Technik und versteht es glänzend, sich am Spielaufbau zu beteiligen. Seine größte Stärke bleibt zwar der Antritt in die Tiefe, wie er auch in der Champions League bewies, doch er überzeugt ebenso als spielstarker Wandspieler, der sich für seine Teamkollegen fallen lässt.

Am internationalen Scheideweg: Deutschland, Italien oder Argentinien?

Trotz seiner Erfolge befindet sich der glühende AC-Milan-Fan (wie er jüngst gegenüber Flashscore verriet) in einer komplizierten Situation. Ein Aufstieg in die deutsche A-Nationalmannschaft ist kein Selbstläufer, da er dort mit seinem ehemaligen U19-Gefährten Nick Woltemade um einen Platz kämpft.

In Italien hingegen scheint man seine Quote fast zu übersehen. Während ein Mateo Retegui seine 15 Saisontore in Saudi-Arabien erzielte, ist Tresoldi der erfolgreichste Italiener in den europäischen Ligen. Dass er dennoch nicht auf dem Radar von Nationalcoach Gennaro Gattuso auftaucht, mag am Ruf der belgischen Liga liegen oder daran, dass er nie die italienischen Jugendakademien durchlaufen hat.

Fakt ist: Er hat deutlich mehr Tore erzielt als die Konkurrenz um Gianluca Scamacca oder Moise Kean, die gemeinsam mit Pio Esposito für den aktuellen Kader der Squadra Azzurra nominiert wurden.

Anders sieht die Situation dagegen in Argentinien aus. Für das Land seiner Mutter wäre Tresoldi nämlich ebenfalls spielberechtigt. Die Bild berichtete am Dienstag, dass der Verband des Weltmeisters den Stürmer bereits kontaktiert hat, um seine Zukunft in der Offensive zu sichern.

Ein "Rammbock" mit Träumen

International steht seine Karriere nun also an einem Scheideweg. Im Sommer 2027 wartet die U21-EM mit Deutschland in Albanien und Serbien auf ihn. Doch für die kommende Weltmeisterschaft scheinen ihm die Türen Italiens unerklärlicherweise verschlossen zu bleiben – obwohl derzeit europaweit kaum ein moderner Stürmer (außer vielleicht Inter-Juwel Pio) an seine Leistungen heranreicht.

Vielleicht gelingt es Tresoldi jedoch, diese Türen auf seine Weise einzurennen. Sein Traum bleibt die Rückkehr nach Italien als gefeierter Profi, genau dort, wo er einst Inzaghi zujubelte. Und das alles mit dem Lächeln eines Spielers, der trotz seines Erfolgs bodenständig geblieben ist und jede Sekunde auf dem Rasen sichtlich genießt. Oder eefolgt der Sprung nach Südamerika?