Warum Real-Präsident Pérez mit einer Rückkehr von José Mourinho alles richtig macht

Reals Präsident Florentino Perez mit Jose Mourinho
Reals Präsident Florentino Perez mit Jose MourinhoFRANCK FIFE / AFP

Die Nachricht, dass Florentino Pérez José Mourinho als Top-Kandidaten für die Trainerbank bei Real Madrid ins Auge fasst, sorgte vielerorts für hochgezogene Augenbrauen. Der „Special One“ blickt auf eine turbulente Ära im Bernabéu (2010–2013) zurück. Doch Pérez ist offenbar überzeugt: Der inzwischen 63-Jährige besitzt genau die Autorität, die nötig ist, um das brachliegende Potenzial des aktuellen Kaders endlich wieder voll auszuschöpfen.

In den vergangenen zwei Spielzeiten blieb das Team deutlich hinter den hohen Erwartungen zurück. Die magere Ausbeute: lediglich der UEFA Super Cup und die Klub-WM. Trotz der Verpflichtung von Kylian Mbappé und einem Kader voller Weltstars hinken die Königlichen national dem FC Barcelona hinterher. Auch in der Champions League droht man den Anschluss an die europäische Elite zu verlieren.

Pikantes Detail: Ausgerechnet Mourinhos aktueller Klub Benfica Lissabon stieß Real in dieser UCL-Saison aus den direkten Qualifikationsplätzen – dank eines Last-Minute-Treffers von Torhüter Anatoliy Trubin. Diese dramatischen Szenen waren Fußballpoesie pur und genau das Terrain, auf dem Mourinho zur Höchstform aufläuft.

Abseits der Schlagzeilen beweist Mourinho derzeit in Portugal, dass er fachlich immer noch zur absoluten Weltspitze gehört. Er steht kurz davor, Benfica zu einer ungeschlagenen Saison zu führen. Seine statistische Vita ist ohnehin beeindruckend: In der Premier League haben nur Arsène Wenger und Pep Guardiola mehr Spiele als ausländische Trainer absolviert als er (363). Auf europäischer Ebene liegen lediglich Sir Alex Ferguson und Carlo Ancelotti knapp vor seinen 261 Partien.

Rekordquote bei den Königlichen

Auch historisch spricht viel für den Portugiesen: Unter allen Real-Trainern mit mindestens 100 Pflichtspielen weist Mourinho mit 71,91 % die höchste Siegquote auf. Von seinen 178 Partien gewann er 128, bei nur 22 Niederlagen. Zum Vergleich: Carlo Ancelotti kommt trotz mehr Spielen „nur“ auf 70,82 %. Lediglich Manuel Pellegrini war mit 75 % (bei nur 48 Spielen) statistisch erfolgreicher.

Ein hartnäckiges Vorurteil lautet, Mourinho lasse zu defensiv spielen. Die Zahlen widerlegen das: Sein Team der Saison 2011/12 war mit durchschnittlich drei Toren pro Spiel die torgefährlichste Real-Mannschaft des 21. Jahrhunderts. Keine andere Formation der letzten 25 Jahre agierte vor dem gegnerischen Gehäuse so effizient.

Bändigt Mourinho das Starensemble?

Interessant ist sein Blick auf die Konkurrenz: Während er gegen West Ham und Everton fast immer als Sieger vom Platz ging, bleiben Pep Guardiola und Jürgen Klopp seine persönlichen Angstgegner. In 24 Duellen mit Guardiola konnte er nur sechsmal gewinnen (25 %). Gegen Klopp sieht die Bilanz sogar noch deutlicher aus: In 13 Begegnungen siegte der Deutsche siebenmal, während Mourinho nur zwei Siege einfahren konnte.

In einem Starensemble wie dem von Real Madrid ist Respekt die wichtigste Währung. Kaum ein Trainer strahlt so viel natürliche Autorität aus wie Mourinho. Er weiß, wie man mit Giganten umgeht – er formte bereits Legenden wie Cristiano Ronaldo, Karim Benzema, Kaká und Sergio Ramos. Kurios: Sogar der derzeitige Trainer Álvaro Arbeloa und dessen Vorgänger Xabi Alonso standen vor 16 Jahren bereits in Mourinhos erstem Real-Kader.

An einem Ort mit solch festgefahrenen Strukturen und Traditionen können sich nur die stärksten Persönlichkeiten behaupten. Eine Verpflichtung Mourinhos wäre daher kein Akt der Verzweiflung, sondern ein bewusster Griff zu bewährter Stärke – auch wenn Kritiker einwenden mögen, dass Namen wie Mauricio Pochettino oder Didier Deschamps eher für die Zukunft stünden. Doch wenn Florentino Pérez sich etwas in den Kopf gesetzt hat, bekommt er es meistens auch. Die Fußballwelt darf gespannt sein.

Jason Pettigrove
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