Die kolportierten Zahlen erschienen zunächst fast unrealistisch: Rund 200 Millionen Euro pro Jahr für einen damals 37-Jährigen. Doch aus Marketingsicht war der Plan brillant. Ronaldo sollte das Aushängeschild der Liga werden, ein globaler Superstar, der anderen Spielern zeigt, was im saudischen Fußball möglich ist.
Und genau das geschah. Zunächst vereinzelt, dann in regelrechten Wellen folgten internationale Topstars, die ihre bisherigen Vereine gegen das Abenteuer Naher Osten eintauschten – angelockt von Summen, wie sie der Fußball zuvor nicht gekannt hatte. Das anfängliche Gelächter verstummte schnell.
Ein unnötiges PR-Eigentor
Doch nur wenige Monate später sorgte Ronaldo selbst für neue Kritik. Mit einer abfälligen und sachlich fragwürdigen Aussage über die Ligue 1 brachte er sich erneut in die Schlagzeilen. Seine Behauptung, die Saudi-Liga sei besser als die französische, weil es dort "nur PSG" gebe, wirkte nicht nur respektlos, sondern auch unnötig provokant.
Die Aussagen fielen ausgerechnet bei einer Gala, die sinnbildlich für das Umfeld steht, das Ronaldo seit Jahren begleitet: viel Glanz, viel Eigenlob, viele Sonderpreise. Fehlt der Ballon d’Or, gibt es eben andere Auszeichnungen. Notfalls eigens geschaffene.
So groß Ronaldos Professionalität auch ist, seine Reaktionen auf Kritik oder persönliche Rückschläge werfen immer wieder Fragen auf. Zu oft zeigte er auf dem Platz demonstrativ seinen Unmut, etwa wenn Mitspieler selbst abschlossen statt ihm den Ball zu überlassen. Diese Seite gehört ebenso zu seiner Karriere wie seine Tore.
Nun richtet sich seine Unzufriedenheit ausgerechnet gegen die Saudi-Liga selbst. Wir erinnern uns: das ist jene Liga, die ihn zum ersten Fußball-Milliardär gemacht haben soll und ihm angeblich fast eine halbe Million Euro pro Tag zahlt. Berichten zufolge ist Ronaldo mit internen Entscheidungen des mächtigen Staatsfonds PIF unzufrieden und soll sogar gestreikt haben.

Das Bild eines bald 41-Jährigen, der trotz eines astronomischen Gehalts schmollt, weil er nicht seinen Willen bekommt, wirkt befremdlich. Auch ein Superstar bleibt Angestellter und steht nicht über den Strukturen, die den modernen Fußball finanzieren.
Benzema als Auslöser?
Ein zentraler Streitpunkt scheint der Wechsel von Karim Benzema zu einem Ligakonkurrenten zu sein, während Ronaldos eigenes Team kaum Verstärkung erhielt. Der Eindruck von Neid drängt sich auf und wirft kein gutes Licht auf den Portugiesen.
Hinzu kommen Spannungen mit den Geldgebern der Liga, die maßgeblich Einfluss auf die Topklubs nehmen. Ronaldo scheint den Eindruck zu haben, sein Verein werde benachteiligt. Seine Rückkehr auf den Platz soll angeblich davon abhängen, wie schnell die Verantwortlichen wieder handlungsfähig sind.
Ein gefährliches Spiel, denn es wäre keine Überraschung, wenn dieses Tauziehen das goldene Kapitel für CR7 abrupt beendet.
Was bleibt sportlich?
Sollte es tatsächlich zum Bruch kommen, könnte auch das gesamte Konstrukt der Saudi-Liga ins Wanken geraten. Für Ronaldo selbst bliebe ein sportliches Vakuum, und das ausgerechnet kurz vor einer Weltmeisterschaft.
Ein Blick nach Europa macht wenig Hoffnung. Kein Klub der Topligen könnte auch nur annähernd sein Gehalt zahlen. Ein Comeback würde nicht nur sportliche Höchstleistungen erfordern, sondern auch massive finanzielle Einschnitte.

Dabei sprechen seine Zahlen weiterhin für sich: 117 Tore und 22 Vorlagen in 133 Pflichtspielen sind beeindruckend. Seine Fitness ist außergewöhnlich, oft wirkt er körperlich stärker als Spieler, die halb so alt sind. Seine Professionalität steht außer Frage, auch wenn es für die europäischen Spitzenligen vermutlich nicht mehr reicht.
Die entscheidende Frage lautet daher: Hat er noch genug im Tank, damit ein Klub dieses Risiko eingeht?
Ein leiser Abschied?
Bei seiner Vorstellung in Saudi-Arabien erklärte Ronaldo einst, seine Arbeit in Europa sei erledigt. Er habe zahlreiche Angebote aus aller Welt abgelehnt. Drei Jahre später stellt sich die Frage, ob er sich mit seinem Auftreten nicht selbst Türen zugeschlagen hat.
Sollte es keine schnelle Lösung geben, könnte eine Rückkehr zu seinem Jugendklub Sporting als letzter, symbolischer Schritt bleiben. Diese Idee geistert seit Jahren durch die Medien. Doch selbst hier ist unklar, ob die Voraussetzungen noch gegeben sind.
Vielleicht erleben wir gerade nicht nur das Ende eines Kapitels, sondern das erzwungene Karriereende eines der größten Fußballer aller Zeiten.

