Umso spannender ist die Ausgangslage vor dem erneuten Duell am Sonntag. Manchester City steht vor der schwierigen Aufgabe, gegen ein formstarkes Liverpool den nächsten Sieg einzufahren. Fast schon ironisch wirkt heute der Blick zurück: Vor Guardiolas Ankunft in England zweifelten viele daran, dass er die Premier League so dominieren könne wie zuvor die Bundesliga oder La Liga.
Das Hinspiel im November entschied City souverän mit 3:0 für sich. Erling Haaland, Nico González und Jérémy Doku trafen. Liverpool brachte lediglich einen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor zustande.
Beide brauchen jeden Punkt
Doch an der Anfield Road gelten andere Gesetze. In den vergangenen 22 Premier-League-Heimspielen gegen City verlor Liverpool nur einmal (14 Siege, 7 Unentschieden). Guardiola dürfte sich ein ähnliches Ergebnis wie im Hinspiel wünschen. Die Statistik spricht jedoch klar für die Gastgeber.

Manchester City verspielte am vergangenen Wochenende gegen Tottenham trotz einer 2:0-Führung noch den Sieg. Das Unentschieden hielt Arsenal sechs Punkte an der Tabellenspitze.
Liverpool wiederum kämpft um die Rückkehr in die Champions League. Der amtierende Meister stand vor dem Spieltag nur auf Rang sechs, zwei Punkte hinter Manchester United und dem begehrten vierten Platz. Jeder Zähler zählt.

Mit dem 4:1-Erfolg gegen Newcastle beendeten die Reds eine Serie von fünf sieglosen Spielen. Hugo Ekitike erzielte dabei zwei Treffer und ist mit zehn Saisontoren mittlerweile bester Torschütze der Mannschaft. Ursprünglich war diese Rolle Alexander Isak zugedacht, doch Ekitike hat sie eindrucksvoll übernommen.
Da Mohamed Salah in dieser Spielzeit weitgehend unter seinen Möglichkeiten bleibt, ist Ekitike zum zentralen Leistungsträger im Angriff avanciert. In der Premier League ist er im Schnitt alle 112 Minuten an einem Tor beteiligt (10 Treffer, 2 Assists in 1.342 Minuten). Das ist die beste Quote eines Liverpool-Spielers in seiner Debütsaison seit Salah 2017/18.
Haalands Anfield-Fluch
So beeindruckend Ekitikes Zahlen auch sind, sie verblassen neben denen von Erling Haaland. Der Norweger steht bereits bei 20 Saisontoren und führt die Torschützenliste der Premier League an.
Allerdings gibt es ein kleines, aber bemerkenswertes Detail: Anfield ist das einzige Premier-League-Stadion, in dem Haaland noch nie getroffen hat.

City ist auswärts zudem seit drei Spielen ohne Sieg, zuletzt gab es einen Erfolg im City Ground gegen Nottingham Forest. Insgesamt stehen ausbaufähige fünf Auswärtssiege, drei Unentschieden und vier Niederlagen zu Buche.
Beide Mannschaften verloren in den letzten sechs Spielen jeweils nur einmal, holten jedoch auch nur einen Sieg. Vier Partien endeten unentschieden. Alles deutet also auf ein enges Duell hin.
Passmaschine gegen Effizienzmaschine
Auch die jüngsten direkten Duelle unterstreichen die Ausgeglichenheit: Zwei Siege für Liverpool, zwei für City, zwei Remis.
Wer Fußball auf höchstem technischen Niveau erwartet, wird nicht enttäuscht werden. City führt die Liga bei gespielten Pässen (13.857) sowie bei der Passquote (88 %) an. Liverpool folgt dicht dahinter (13.300 Pässe, 86 %).
Interessant: Liverpool hat in dieser Saison sogar mehr Torschüsse abgegeben (372) als City (338). Doch die Gäste sind deutlich effizienter und verwandeln 20 % ihrer Chancen – Ligabestwert. Liverpool kommt auf 16 %, was nur für Rang elf reicht.
Wirtz übernimmt Verantwortung
In Sachen Chancen-Kreation zeigt die Kurve bei Liverpool klar nach oben, nicht zuletzt dank Florian Wirtz. Der Nationalspieler übernimmt zunehmend Verantwortung, sodass die kreative Last nicht mehr allein auf Dominik Szoboszlai ruht, der bereits 43 Chancen vorbereitete.

Seit seiner Vorlage gegen Tottenham war Wirtz an neun Toren beteiligt (sechs Treffer, drei Assists) – Bestwert unter allen Premier-League-Spielern in diesem Zeitraum über alle Wettbewerbe hinweg.
Foden sucht seine Form
Bei City wartet Phil Foden seit Mitte Dezember auf einen Treffer. Insgesamt stehen sieben Ligatore und zwei Assists zu Buche, wobei sechs seiner Treffer in nur vier aufeinanderfolgenden Spielen fielen. Trotz seiner Durststrecke kreierte er bereits 40 Chancen.
Findet er rechtzeitig zu seiner Bestform zurück, könnte das nicht nur für City, sondern auch für England im Hinblick auf die Weltmeisterschaft entscheidend sein.
Verletzungssorgen auf beiden Seiten
Liverpool muss weiterhin auf Alexander Isak, Conor Bradley und Jeremie Frimpong verzichten. Joe Gomez könnte dagegen in den Kader zurückkehren.
Bei City steht Bernardo Silva vor einem späten Fitnesstest, ein Einsatz gilt jedoch als unwahrscheinlich. Ruben Dias könnte zumindest wieder im Aufgebot stehen. Sicher fehlen werden Savio, Mateo Kovacic, Jeremy Doku, Josko Gvardiol und John Stones.
Zum Match-Center: FC Liverpool vs. Manchester City

