EXKLUSIV: Aleksandar Mitrovic über den Fußball im Nahen Osten in Zeiten des Konflikts

Aleksandar Mitrovic wechselte im Sommer zu Al-Rayyan.
Aleksandar Mitrovic wechselte im Sommer zu Al-Rayyan.ČTK / imago sportfotodienst / NOUSHAD

In einem Exklusiv-Gespräch mit Flashscore gewährt der erfahrene Torjäger Aleksandar Mitrovic Einblicke in seinen Alltag bei Al Rayyan und schildert, wie es ist, in Katar Fußball zu spielen, während die Region von militärischen Konflikten erschüttert wird.

Nachdem ihn hartnäckige Verletzungsprobleme von der Länderspielpause im Oktober bis Anfang Februar zum Zuschauen verdammten, kehrte Mitrovic in beeindruckender Verfassung auf den Platz zurück. Mit vier Toren in sieben Ligaspielen und einer Serie von sieben Partien in Folge, in denen er wettbewerbsübergreifend entweder selbst traf oder ein Tor vorbereitete, unterstrich er seine Wichtigkeit für das Team.

Sein jüngster Einsatz, ein Assist bei der knappen 1:2-Niederlage gegen Al Shahaniya, fand unter besonderen Vorzeichen statt. Am 1. März hatte Katar nach iranischen Raketen- und Drohnenangriffen den Luftraum geschlossen und sämtliche Sportwettbewerbe vorübergehend ausgesetzt.

Mitrovic sieht sich an Kindheit in Serbien erinnert

"Normalerweise ist Doha ein sehr friedlicher und schöner Ort. Es war beunruhigend, von den Explosionen zu hören und die Nachrichten zu verfolgen", berichtet Mitrovic gegenüber Flashscore. "Aber ich komme aus Serbien und habe in meiner Kindheit bereits ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich weiß daher, dass das Wichtigste in solchen Momenten ist, Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen."

Er fügt hinzu: "Niemand möchte Krieg sehen, und wir alle hoffen inständig auf eine baldige Normalisierung der Lage."

Der serbische Nationalstürmer findet lobende Worte für die QSL und seinen Verein, die die Sicherheit der Akteure an erste Stelle setzten. "Zwar kam kurzzeitig alles zum Stillstand, aber die Verantwortlichen standen permanent mit uns in Kontakt. Sie hielten uns auf dem Laufenden und signalisierten uns volle Unterstützung für jede Entscheidung, die wir treffen würden", erklärt er.

Zu diesen Optionen gehörte auch eine mögliche Abreise aus Katar, doch Mitrovic entschied sich dagegen. "Natürlich spielt man solche Gedanken durch. Ich habe mich mit meiner Familie beraten, und wir haben gemeinsam beschlossen zu bleiben", so der Stürmer. "Auch wenn man vereinzelt Explosionen hört, bleibt es überwiegend ruhig, und man kümmert sich hervorragend um uns. Wir versuchen, unser Leben so normal wie möglich weiterzuführen."

Die verordnete Zwangspause bedeutete für die Teams der QSL auch eine einwöchige Trainingsunterbrechung. "Wir konnten den Platz überhaupt nicht nutzen. Nach dieser Woche hatten wir jedoch einige Tage Zeit, um uns gezielt auf das erste Spiel vorzubereiten und die Fitness wieder aufzubauen", sagt Mitrovic. "Zum Glück war die Unterbrechung nicht allzu lang."

Befürchtung von Bedrohung während Ligaspiels

Mit Blick auf den Saisonendspurt betont er: "Wir steuern auf die entscheidende Phase zu. Wir kämpfen um Titel und die Top-Drei-Plätze in der Liga. Diese Pause hat uns glücklicherweise nicht nachhaltig aus dem Rhythmus gebracht. Wir wollen die Saison jetzt stark beenden."

Das Comeback auf dem Rasen am Freitag, den 13., verlief sportlich unglücklich: Al Rayyan unterlag dem Abstiegskandidaten Al Shahaniya. Davon abgesehen verlief die Partie jedoch ohne Zwischenfälle. "Wir haben während des Spiels nicht viel über die äußeren Umstände nachgedacht“, antwortet Mitrovic auf die Frage nach der Bedrohungslage. "Wir waren genau instruiert, wie wir uns im Ernstfall verhalten müssen, und fühlten uns gut vorbereitet. Zum Glück ist nichts passiert."

Der Angreifer zieht Parallelen zur globalen Pandemie vor sechs Jahren und sieht den Fußball in einer gesellschaftlichen Verantwortung. "Fußball kann den Menschen Hoffnung und ein Stück Frieden schenken, und sei es nur für die Dauer eines Spiels", so Mitrovic, der die COVID-19-Krise während seiner Zeit beim FC Fulham erlebte. "Aktuell konzentrieren wir uns voll auf unsere Arbeit. Ich hoffe, dass der Sport für jene, die unter der aktuellen Situation leiden, eine Art Zufluchtsort sein kann, bis hoffentlich bald wieder Normalität einkehrt."

Sein persönliches Ziel für die kommenden Wochen ist klar definiert. Seit seiner Genesung war er in jedem Spiel an einem Tor beteiligt und möchte Al Rayyan nun zu Erfolgen führen. "Unser Ziel ist es, mindestens eine Trophäe zu gewinnen", sagt er bestimmt. Die "Löwen" rangieren derzeit auf Platz vier und stehen im Viertelfinale des QSL Cups.

"In den letzten Jahren hatte der Verein oft Pech und verpasste Titel nur knapp. Ich hoffe, dass meine Tore nun den Ausschlag geben, damit der Club endlich wieder eine Trophäe in den Händen halten kann", schließt Mitrovic ab.

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Mitrovic sprach mit Flashscore im Oktober in Doha.
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