"Ich bin mir tatsächlich auf die Schnürsenkel getreten. Das hört sich jetzt komisch an, aber es hat mich aus der Balance gebracht", berichtete der Stürmerstar von Bayern München von der wohl entscheidenden Szene der Partie im Wembley-Stadion. Anstatt in der 54. Minute einen Foulelfmeter gewohnt souverän zum 3:1 zu verwandeln, rutschte der Torjäger weg, schoss sich den Ball ans Standbein, von wo aus das Spielgerät an die Latte prallte. "Dafür gibt es keine Entschuldigung", gestand Kane ein: "Ich hätte treffen müssen."
Hätte der 33-Jährige getroffen, wäre der Nachgang sicher angenehmer für Tuchel verlaufen. So musste der Teammanager ("Der dritte Treffer wäre der entscheidende Schlag gewesen") in der Daily Mail lesen, dass er "nach dieser katastrophalen Defensivleistung unter Druck stehen" dürfte. Der Kommentator des Massenblatts The Sun war sogar der Meinung, dass die Three Lions zwei Monate nach dem Halbfinal-Aus bei der zurückliegenden WM-Endrunde gegen Argentinien "so weit weg wie nie zuvor davor entfernt sind, etwas zu gewinnen".
Der Hauptgrund für diese Einschätzung war die schwache Abwehrleistung der Briten. Wären die Schützlinge Tuchels nach 20 Minuten mit drei Toren in Rückstand gelegen, hätte sich niemand beschweren können. Nur rund um die Pause agierten die Engländer auf Augenhöhe mit den Iberern, die seit nunmehr 39 Spielen nicht mehr bezwungen wurden.
Zum Match-Center: England vs. Spanien
Lamine Yamal brachte die Spanier in der Neuauflage des EM-Finals von 2024 nach einem schlimmen Fehler von Englands Innenverteidiger Marc Guéhi in Führung (2.). Nachdem die Gäste mehrere Hochkaräter vergeben hatten, stellten Anthony Gordon (36.) und Kane (40.) den Spielverlauf mit ihren Toren auf den Kopf. Im Anschluss an Kanes Fehlschuss vom Punkt sorgten die beiden Joker Alex Baena (60.) und Mikel Oyarzabal (74.) für den spanischen Sieg.
Tuchel: "Werden die Mannschaft weiter antreiben"
Laut Kane sei der Auftritt der Engländer in ihrer starken Phase "so gut wie seit Langem nicht mehr" gewesen: "Wir wissen, dass wir dieses Niveau erreichen können - und an einem anderen Tag hätten wir das Spiel gewonnen", sagte der Angreifer, der mit seinem Team am Dienstag in Tschechien ran muss: "Wir müssen das Positive daraus mitnehmen. Wir müssen uns jetzt wieder aufrappeln und in ein paar Tagen erneut angreifen."
Das will auch Tuchel sehen. "Wir werden die Mannschaft weiter antreiben", sagte der Coach: "Wir haben alles getan, um Spanien zu schlagen. Aber auf diesem Niveau kommt es auf Kleinigkeiten an. Wir haben zu viele grobe Fehler gemacht. Aber der Einsatz war da und die Qualität war da."
Und die Kritik - die war eben auch da.
