EXKLUSIV: "Setzen uns keine Grenzen“ – Danso gibt Richtung vor dem WM-Auftakt vor

Kevin Danso stand Flashscore vor Österreichs WM-Auftakt gegen Jordanien Rede und Antwort.
Kevin Danso stand Flashscore vor Österreichs WM-Auftakt gegen Jordanien Rede und Antwort.Flashscore // ALEX GRIMM / GETTY IMAGES VIA AFP

Österreich ist zurück auf der ganz großen Bühne und das Team ist nicht gekommen, um nur die Statistenrolle auszufüllen. Innenverteidiger und Abwehrchef Kevin Danso formuliert exklusiv für Flashscore die Ambitionen einer Mannschaft, die sich bewusst als gefährlicher Außenseiter versteht.

Achtundzwanzig Jahre. So lange hat es gedauert, bis sich Österreich wieder für eine Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Eine gefühlte Ewigkeit trennte Wien von diesem Event – und es ist genau jene Generation um Rangnick, Sabitzer und Danso, die das Land aus dieser Durststrecke befreit hat.

Wenige Wochen vor dem Anpfiff bereitet sich der Tottenham-Profi auf das wohl wichtigste Turnier seines Lebens vor – und strahlt dabei eine bemerkenswerte Gelassenheit aus. In seinem Kopf herrscht die ruhige Gewissheit: Österreich reist nicht an, um bloß mitzulaufen.

Kevin, Sie spielen eine Weltmeisterschaft. Wenn Sie diese Worte hören, welches Gefühl kommt Ihnen da als Erstes in den Sinn?

Extrem viel Stolz. Als Kind ist die WM einfach der größte Traum überhaupt. Ich habe mein ganzes Leben darauf hingearbeitet, so einen Moment zu erleben. Heute empfinde ich vor allem tiefe Dankbarkeit gegenüber allen, die mich auf diesem Weg unterstützt haben – aber natürlich auch eine riesige Vorfreude darauf, mein Land auf der größten Bühne des Weltfußballs zu vertreten.

Österreich ist nach 28 Jahren wieder bei einer WM dabei. Spüren Sie eine besondere Euphorie rund um diese Generation?

Ja, absolut. Uns ist vollkommen bewusst, dass wir die Chance haben, ein historisches Kapitel für den österreichischen Fußball zu schreiben. Die Begeisterung im Land ist riesig, weil die Menschen spüren, dass in dieser Truppe etwas Besonderes heranreift. Wir haben die Qualität, aber was uns wirklich auszeichnet, sind der brutale Zusammenhalt und unsere kollektive Mentalität.

Haben Sie das Gefühl, dass diese Endrunde genau zum besten Zeitpunkt Ihrer Karriere kommt?

Ich denke schon. Ich habe in verschiedenen Top-Ligen wertvolle Erfahrungen gesammelt, und jede dieser Stationen hat mich weitergebracht. Heute fühle ich mich kompletter, reifer und auch gelassener als je zuvor. Ich vertraue meinen Qualitäten und der Routine, die ich mir in den letzten Jahren erarbeitet habe.

Sehen Sie sich selbst als Führungsspieler in dieser Mannschaft?

Ich bin niemand, der in der Kabine große Reden schwingt, nur um gehört zu werden. Ich versuche lieber, jeden Tag voranzugehen – durch meine Arbeit, meine Einstellung und meine Leistung auf dem Platz. Mit der Erfahrung wächst man automatisch in diese Verantwortung hinein. Wenn ich den jüngeren Spielern helfen oder dem Team Stabilität geben kann, tue ich das extrem gerne.

Wie würden Sie die Identität der aktuellen österreichischen Nationalmannschaft beschreiben?

Unsere Identität lebt von Intensität, Mut und taktischer Disziplin. Wir sind eine absolute Einheit, die füreinander an die Schmerzgrenze geht. Niemand stellt sein Ego über die Mannschaft. Wir wollen im positiven Sinne aggressiv sein, hoch pressen, mit hoher Energie agieren und dem Spiel unseren Rhythmus aufzwingen.

Was hat Ralf Rangnick seit seinem Amtsantritt konkret verändert?

Er hat eine glasklare Philosophie mitgebracht. Jeder Einzelne weiß sekundengenau, was von ihm gefordert wird. Er hat uns eine echte Identität und vor allem diesen Erfolgshunger eingeimpft. Er kitzelt uns ständig, die Komfortzone zu verlassen, und gibt uns den Glauben mit, dass wir selbst mit den größten Nationen der Welt auf Augenhöhe konkurrieren können.

Wie würden Sie Ihren persönlichen Spielstil charakterisieren?

Ich verteidige leidenschaftlich gerne nach vorne. Ich bin ein Spieler, der den direkten Zweikampf sucht, körperliche Präsenz zeigt und seine Nebenleute absichert. Aber der moderne Fußball verlangt eben auch extreme Ruhe am Ball und eine saubere Entscheidungsfindung. Ich versuche daher immer, gesunde Aggressivität, Spielintelligenz und Qualität im Spielaufbau miteinander zu verbinden.

Was wäre für Österreich letztlich eine erfolgreiche Weltmeisterschaft?

Der erste Meilenstein ist natürlich das Überstehen der Gruppenphase. Aber wir setzen uns definitiv keine Grenzen nach oben. Bei einem Turnier wie einer Weltmeisterschaft ist alles möglich, wenn du als geschlossene, ambitionierte Einheit funktionierst. Wir begegnen jedem Gegner mit großem Respekt, aber wir fahren dorthin, um etwas ganz Großes für unser Land zu erreichen.