Auf dem Rasen des Gold Coast Stadiums in Australien blieben die elf iranischen Spielerinnen regungslos stehen. Ihr Blick war starr, die Lippen verschlossen. Während die Hymne der Islamischen Republik durch das Stadion hallte, folgte keine von ihnen dem offiziellen Protokoll.
Diese Geste des Protests erfolgt in einer angespannten Lage: Der Iran wird derzeit von militärischen Angriffen durch Israel und die USA erschüttert, kurz nachdem der Tod des Obersten Führers, Ayatollah Ali Chamenei, bekanntgegeben wurde.
Match-Center: Südkorea vs. Iran
Im ersten Spiel der Gruppe A dieser Asienmeisterschaft gegen Südkorea war den Spielerinnen von Trainerin Marziyeh Jafari bewusst, dass die Welt auf sie blickt. Auf den Tribünen schwenkten Fans iranische Flaggen aus der Zeit vor der Revolution von 1979 – ein Symbol des Widerstands gegen das aktuelle Regime.
Trainerin und Kapitänin, Zahra Ghanbari, vermieden es, sich bei den Pressekonferenzen direkt zur politischen Lage oder zum Tod von Chameneizu äußern, da die Offiziellen des Asiatischen Fußballverbands (AFC) alle nicht-sportlichen Fragen abblockten. Ihr Schweigen auf dem Spielfeld sprach jedoch Bände.
Sportlich gesehen musste sich der Iran einer überlegenen südkoreanischen Mannschaft mit 0:3 geschlagen geben. Trotz heldenhaften Einsatzes und zahlreicher Paraden von Torhüterin Maryam Yektaei konnten die "Löwinnen" Choe Yu-ri und ihren Mitspielerinnen nicht daran hindern, das Spiel zu entscheiden.
"Enormer Mut"
Dennoch stand etwas anderes im Mittelpunkt. Amy Sayer, Mittelfeldspielerin des Gastgebers Australien, würdigte den "enormen Mut" der Iranerinnen: "Unsere Gedanken sind bei ihnen und ihren Familien. Die Situation ist unglaublich schwierig und sie zeigen außergewöhnliche Tapferkeit, allein schon dadurch, dass sie hier sind und spielen."
Es ist nicht das erste Mal, dass der iranische Fußball zum Schauplatz des Protests wird. Man erinnert sich an die ähnliche Aktion des Männerteams bei der WM 2022 in Katar, als Zeichen der Unterstützung für die "Frau, Leben, Freiheit"-Bewegung. Doch das Risiko für diese Sportlerinnen bleibt hoch: In Teheran hat das Regime in der Vergangenheit jede Form von sportlicher Opposition mit Festnahmen oder Sperren unterdrückt.
Wenn der Iran am Donnerstag auf Australien trifft, geht es längst nicht mehr nur darum, ob sie das Viertelfinale erreichen und sich für die nächste Weltmeisterschaft qualifizieren können, sondern auch darum, welche Botschaft sie angesichts einer so unsicheren Zukunft für ihr Land senden wollen.
