GOATwatch XXL: Alles zur WM-Vorbereitung von CR7 und Messi – Wen Mbappé vorne sieht

GOATwatch: Der wöchentliche Vergleich zwischen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi
GOATwatch: Der wöchentliche Vergleich zwischen Cristiano Ronaldo und Lionel MessiFlashscore // REUTERS/Matias Baglietto & REUTERS/Matias Baglietto

GOATwatch – Wer ist der "Greatest of all time"? Zwischen Rekordjagden, Glanzleistungen und Schlagzeilen abseits des Platzes liefern uns Lionel Messi und Cristiano Ronaldo auch nach 20 Karrierejahren noch immer Geschichten für die Ewigkeit, die wir wöchentlich begleiten. Bühne frei für GOATwatch – diesmal in einer XXL-WM-Version.

Sportlich: Messi in Topform – Ronaldos Wert für Portugal

Die Anspannung vor der Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika ist greifbar, und die beiden Giganten des Weltfußballs biegen endgültig auf die Zielgerade ihrer Länderspielkarrieren ein. Lionel Messi (38) und Cristiano Ronaldo (41) stehen unmittelbar davor, mit ihrer jeweils sechsten WM-Teilnahme historischen Boden zu betreten – ein Meilenstein, den sie sich in diesem Sommer nur noch mit dem mexikanischen Torhüter Guillermo Ochoa teilen.

Während die Fußballwelt auf das Traum-Szenario hofft – ein direktes Aufeinandertreffen im Viertelfinale, sollten beide ihre jeweiligen Vorrundengruppen gewinnen –, kann sich auch die Konkurrenz nicht freimachen. Sogar Kylian Mbappé mischte sich jüngst via TikTok in die ewige Debatte ein: Er prognostizierte zwar, dass beide zu den Top-Torjägern des Turniers gehören werden, sah CR7 im direkten Duell aber vorne – schlicht aus dem pragmatischen Grund, weil Ronaldo ein echter Stürmer sei. (Dass Mbappé sich selbst am Ende ganz bescheiden als Nummer eins tippte, versteht sich von selbst).

Beim Blick auf die jüngsten Testspiele zeigte sich jedoch, dass die sportliche Vorbereitung für beide von unterschiedlichen Vorzeichen geprägt war. Lionel Messi laborierte zuletzt an einer Muskelüberlastung im linken Oberschenkel, die ihn seit seinem vorzeitigen Ausscheiden bei Inter Miami am 24. Mai plagte.

Nach einem individuellen Aufbautraining in Kansas City feierte er am Dienstagabend beim 3:0-Sieg gegen Island in Auburn, Alabama, ein furiose Comeback: In der 70. Minute eingewechselt, leitete er mit seinem ersten Ballkontakt per Traumpass auf Lautaro Martínez den Elfmeter ein, den er zwei Minuten später selbst humorlos unter die Latte nagelte. Es war sein 117. Länderspieltor, das ihn zum ältesten Torschützen der argentinischen Verbandshistorie machte.

Messi reist zwar nicht in absolut makelloser physischer Top-Form an, wirkt jedoch nach dem erlösenden WM-Titel von Katar befreit von jeglicher historischer Last. In einem veränderten argentinischen System, das dank Julián Álvarez und Lautaro Martínez nicht alle Last auf ihn bürdet, wird Messi unter Trainer Lionel Scaloni mehr denn je als Taktgeber benötigt, um die Lücke des zurückgetretenen Ángel Di María zu schließen.

Ganz anders präsentiert sich die Lage im Lager der portugiesischen Seleção. Cristiano Ronaldo, der eine fabelhafte Saison mit 28 Toren in 30 Spielen für Al-Nassr hinter sich hat, stand beim 2:1-Sieg in Lissabon gegen Chile in der Startelf, erlebte jedoch eine sportliche Achterbahnfahrt. Ein Clip, in dem er einen freistehenden Kopfball deutlich über das Gehäuse setzte, ging prompt viral und befeuerte die ohnehin hitzige Debatte in der Heimat.

Während Trainer Roberto Martínez nicht müde wird, Ronaldos Phänomen zu verteidigen – er verweist gebetsmühlenartig auf dessen 25 Tore in den letzten 31 Länderspielen und seine Professionalität –, unken Kommentatoren wie James Tyler von ESPN, CR7 sei Fluch und Segen zugleich. Die Kritiker hinterfragen, ob Ronaldo das Zusammenspiel mit einer vor Talent strotzenden Generation um Bruno Fernandes eher blockiert als fördert – zumal Portugals höchste Siege unter Martínez ohne ihn stattfanden.

Trotz allem: Der Wille des Rekordtorschützen (143 Tore in 227 Länderspielen) bleibt ungebrochen. Trifft er bei dieser WM, wäre er der erste Spieler der Geschichte, der bei sechs verschiedenen Weltmeisterschaften eingenetzt hat. Im historischen WM-Tor-Vergleich liegt Messi mit 13 zu 8 Treffern vorn und hat zudem Miroslav Kloses Allzeit-Rekord (16 Tore) fest im Visier.

Das dieswöchige GOAT-o-Meter zwischen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi
Das dieswöchige GOAT-o-Meter zwischen Cristiano Ronaldo und Lionel MessiFlashscore // REUTERS/Matias Baglietto & REUTERS/Matias Baglietto

Nach Abwägung der letzten sieben Tage schlägt das GOAT-o-Meter hauchdünn in Richtung des argentinischen Zauberflohs aus. Messi kurierte rechtzeitig seine Blessur aus, traf beim Joker-Einsatz sofort und wirkt in seinem Team als unumstrittenes, harmonisches Zentrum. Ronaldo hingegen lieferte zwar gewohnt intensiven Einsatz, reist jedoch mit lautstarken internen Systemdebatten und einem viralen Fehlschuss im Gepäck über den Atlantik.

Boulevard: Millarden-Marke, eisige Routinen und beleidigte TV-Legenden

Abseits des grünen Rasens sprengten die beiden Alphatiere in der vergangenen Woche einmal mehr die finanziellen Dimensionen des Vorstellbaren. Lionel Messi zog laut aktuellen Forbes-Berichten nun endgültig nach und knackte als zweiter aktiver Fußballer der Geschichte die magische Marke von einer Milliarde Dollar Nettovermögen (aktuell geschätzt auf 1,1 Milliarden) – primär getrieben durch seine üppigen Cash-Ansammlungen und die Vereinsanteile an Inter Miami.

Cristiano Ronaldo ist ihm finanziell dennoch enteilt: Dank seines steuerfreien XXL-Salärs in Saudi-Arabien durchbrach er als erster aktiver Athlet überhaupt die Schallmauer von 2 Milliarden Dollar an Karriere-Einnahmen. Dieses geschäftliche Imperium untermauerte er jüngst mit einer neuen weltweiten Nike-Kampagne an der Seite von Basketball-Ikone LeBron James für den neuen "Mind Slide"-Schuh.

Doch das Geld schützt nicht vor verletztem Stolz. Die britische Moderatoren-Legende Gary Lineker (65) enthüllte in einem Podcast eine amüsante Anekdote: CR7 habe komplett aufgehört, mit ihm zu sprechen, nachdem Lineker öffentlich geäußert hatte, er halte Messi für den besseren Fußballer. Ronaldo-Fans und der Meister selbst reagierten derart pikiert, dass Lineker via Flurfunk erfuhr, er stehe beim Portugiesen nun dauerhaft auf der roten Liste.

Dass Ronaldo trotz seines unermesslichen Reichtums im Kern ein nahbarer Teamkollege geblieben ist, verriet derweil sein langjähriger Weggefährte Danilo (aktuell bei Flamengo und im brasilianischen WM-Kader). Im Interview mit The Athletic versuchte Danilo, den "Alien-Mythos" zu entzaubern: "Die Leute denken, Cristiano ist wie ein Außerirdischer, aber er war ein ganz normaler Kerl, der lacht und eine gute Zeit mit seiner Familie hat."

Gleichzeitig betonte Danilo jedoch auch die obsessive Professionalität, die Ronaldo an den Tag legt. Passend dazu kursierte in den sozialen Medien ein am ersten Juni-Wochenende viral gegangener Clip, in dem Ronaldo mit dem gängigen Vorurteil aufräumte, kalte Duschen und Eisbäder würden Fieber verursachen. "Das Gegenteil ist der Fall. Je öfter du das machst, desto seltener wirst du krank", erklärte der 41-Jährige seine Vorliebe für Eisbäder bei bis zu -20°C.

Ex-Trainer Carlo Ancelotti bestätigte diese Obsession mit einer Anekdote: Selbst wenn das Team um drei Uhr morgens von einem Champions-League-Auswärtsspiel zurückkehrte, verzichtete Ronaldo auf Schlaf und fuhr stattdessen schnurstracks aufs Trainingsgelände, um sich in die Kältekammer zu stürzen.

Cristiano Ronaldo und Nationaltrainer Roberto Martinez
Cristiano Ronaldo und Nationaltrainer Roberto MartinezČTK / AP / Armando Franca

Messi lässt es auf seine alten Tage derweil etwas entspannter, aber nicht minder stilbewusst angehen. Seine Ehefrau Antonela Roccuzzo verzückte die Social-Media-Welt mit einem Instagram-Post, auf dem sie ein exklusives Shirt aus der "Kith & Messi"-Kollektion spazieren führte. Das Motiv: Ein lächelnder Messi, der sein Gesicht mit Händen voller Ringe – ein Symbol für seine zahllosen Trophäen – umrahmt.

Während Cristiano den makellosen Körper ohne Tattoos pflegt und (auch aufgrund des frühen Alkohol-Tods seines Vaters) strikt abstinent lebt, inszeniert das Lager Messi das Bild des nahbaren, bodenständigen Familienvaters. Inter Miami geht sogar so weit, die Spiele von Messis Sohn auf den eigenen Academy-Plätzen auszutragen, damit der Weltstar abseits des Trubels in Ruhe zuschauen kann.

Ausblick: Der heilige Gral im Zeichen von "27+1"

Der Fokus richtet sich nun unweigerlich auf den Showdown auf nordamerikanischem Boden. Für beide Superstars stehen in den kommenden Tagen die finalen Reisetätigkeiten zu den Auftaktmatches auf dem Programm. Das argentinische Team startet am 16. Juni im Arrowhead Stadium von Kansas City gegen Algerien in die Mission Titelverteidigung. Es folgen die weiteren Partien der Gruppe J gegen Österreich (22. Juni) und Jordanien (27. Juni) in Arlington, Texas.

Für Messi schwingt bei jedem Schritt etwas Wehmut mit. Auch wenn er ein endgültiges Karriereende im Nationaltrikot noch nicht explizit ausgesprochen hat, gilt es in Argentinien als offenes Geheimnis, dass dies sein letztes großes Turnier wird. Bereits im vergangenen September deutete er nach dem Qualifikationsspiel gegen Venezuela im Monumental-Stadion unter Tränen an, sein letztes Pflicht-Heimspiel bestritten zu haben. Trainer Scaloni formuliert es emotional: "Ich denke lieber nur an die Gegenwart, sonst wird man sofort traurig."

Lionel Messi bereitet sich an der Seite von Nationaltrainer Lionel Scaloni auf die WM vor.
Lionel Messi bereitet sich an der Seite von Nationaltrainer Lionel Scaloni auf die WM vor.MARTIN ZABALA / XINHUA / Xinhua via AFP

Im portugiesischen Lager ist die sentimentale Aufladung mindestens ebenso intensiv, allerdings geprägt von einem tieferen, emotionalen Trauma. Vor dem Abflug in die USA am 12. Juni wurde das Team im Hauptquartier Cidade do Futebol von Staatspräsident António José Seguro feierlich verabschiedet. Seguro übergab Kapitän Ronaldo eine Nationalflagge mit der unmissverständlichen, symbolischen Order, diese nach dem Finale am 19. Juli auf den Platz zu tragen: "Bringt uns die Trophäe, die uns noch fehlt!"

Besonders bewegend: Das Team reist nominell mit 27 Spielern an, agiert intern jedoch unter dem selbsterklärten Motto "27+1". Dies ist eine explizite Hommage an den im Juli 2025 bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommenen Ex-Liverpool-Stürmer Diogo Jota. "Spielt und arbeitet auch in Erinnerung an unseren Diogo", gab der Präsident den Profis mit auf den Weg nach Palm Beach, Florida, wo die Portugiesen ihr WM-Quartier beziehen.

Nach einem letzten Testspiel gegen Nigeria am Mittwochabend (21:45 Uhr/DAZN) beginnt die WM-Reise der Seleção in Gruppe K am 17. Juni in Houston gegen die DR Kongo, gefolgt von Usbekistan (23. Juni) und dem potenziellen Gruppen-Showdown gegen Kolumbien am 27. Juni in Miami – ein Match, zu dem sich der portugiesische Staatspräsident bereits persönlich angekündigt hat.

Während US-Sportikone Kay Adams die Skeptiker via Fernsehen warnte ("Ihr seid alle verrückt, Ronaldo nicht zu lieben – das gibt absolute Tampa-Bay-Tom-Brady-Vibes für 'One Last Ride'"), blickt der portugiesische Verbandspräsident Pedro Proença bereits mit einer gehörigen Portion Realismus in die fernere Zukunft. Angesprochen auf die wilden Träume der Fans, Ronaldo könne bei der Heim-WM 2030 in Portugal, Spanien und Marokko mit 45 Jahren noch einmal auflaufen, entgegnete Proença nüchtern: "Physisch wäre das eine riesige Überraschung."

Die kommenden Wochen in Nordamerika sind also vermutlich letzte Chance, das wohl epischste Duell der modernen Sportgeschichte auf der größten Bühne zu erleben.