"Jürgen liebt Deutschland": Watzke zuversichtlich bei Klopp – Kompromiss mit RB?

Aktualisiert
Watzke glaubt an einen Durchbrich in der Personalie Klopp
Watzke glaubt an einen Durchbrich in der Personalie KloppČTK / imago sportfotodienst / Sebastian Bach

Der genaue Ort und der Tag des ersten Rendezvous' sind noch geheim, aber von einem Blind Date kann keine Rede sein. "Ich weiß, dass Jürgen Deutschland liebt", sagte Hans-Joachim Watzke vor dem sehnlichst erwarteten Stelldichein mit DFB-Traumpartner Jürgen Klopp. Doch trotz der schon geleisteten Treueschwüre stellt sich der "Brautvater" auf ein langes Werben ein - obwohl immer mehr Details des "Ehevertrages" bekannt werden.

"Vier Wochen längstens" könne es dauern, und: auch ein Scheitern sei möglich, warnte der mächtige Verbandsvize vor der Reise zu Wunsch-Bundestrainer Klopp ("Masterplan A") in die USA: "Da liegen ja noch ein paar gewaltige Hürden." Damit der Trip mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf über den großen Teich kein Schlag ins Wasser wird, erhöhte der am Boden liegende viermalige Weltmeister schon mal den Druck.

"Welches Unternehmen", fragte Watzke im ZDF in Richtung von Klopps Noch-Arbeitgeber Red Bull, "möchte denn auf seiner Image-Fahne stehen haben: 'Ich habe das Engagement von Jürgen Klopp verhindert?'" Mit dieser zugegeben etwas nassforschen Verhandlungsposition glaubt der Deutsche Fußball-Bund, sich die historisch erste Ablöse für einen Bundestrainer zu sparen. "Das", sagte Watzke über eine mögliche Millionen-Zahlung, "sollten wir versuchen zu verhindern".

Watzke hofft auf Kompromiss

Dennoch: Das Finanzielle, die vielen Werbeverträge von Klopp, die Vertragslaufzeit, die Frage nach der Machtfülle - es sei eine "große Palette, die wir noch abzuarbeiten haben". Auch Watzke spürt die Euphorie, die allein der Name Klopp beim darbenden Fußball-Volk freisetze, aber: "Wir sollten noch ein bisschen den Fuß vom Gas nehmen!"

Also der Reihe nach. Die Red-Bull-Frage soll Neuendorf in einem Vorgespräch mit Vertretern des Brausekonzerns schon erörtert haben, in der kommenden Woche könnte es mit Klopps Vorgesetztem Oliver Mintzlaff zur nächsten Runde kommen - der RB-Geschäftsführer soll zur WM-Finalwoche in die USA reisen. Ein Denkmodell: Klopp kommt "gratis", bleibt aber Dosen-Botschafter.

Dass der zweimalige FIFA-Welttrainer trotz aller Vaterlandsliebe teuer wird, ist Watzke klar. Der Verband greife "ins höchste Regal", ins Fach direkt neben Starcoach Pep Guardiola. Das Beispiel Julian Nagelsmann aber habe gezeigt: "Wir bezahlen auch nicht mit Erdnüssen, wir sind schon konkurrenzfähig." Es gebe zwar eine "Schmerzgrenze", meinte Watzke, fügte aber schmunzelnd an, er erwarte "einen leichten Patriotismusabschlag" im Vertragswerk, das der DFB gerne bis 2030 datiert hätte.

Mit "Riesensuggestivkraft" zur Wende?

Dann: die Frage nach dem Mitspracherecht. Klopp als Jürgen allmächtig? Nein, beteuerte Watzke, "Jürgen würde niemals eine carte blanche fordern". Sportchef Rudi Völler hat bereits bestätigt, dass er seinen Vertrag bis 2028 auch neben einem Bundestrainer Klopp erfüllen werde.

Klar ist, dass Klopp im sportlichen Bereich das alleinige Sagen haben und einiges umkrempeln würde. Das deutsche Spiel werde wieder "etwas körperbetonter, etwas intensiver, etwas rustikaler" werden, versprach Watzke und bemühte die viel zitierten "deutschen Tugenden". Die vier Sterne auf der Brust sollen wieder leuchten und den zitternden Gegnern vermitteln: Hier gibt keiner auf!

Klopp soll das mit seiner "Riesensuggestivkraft" in die Spieler-Köpfe der "Generation nix" bimsen und aus Verlierern Superstars machen. "Jürgen macht Spieler besser, definitiv", sagte sein Duz-Freund Watzke, der es in Dortmund über Jahre selbst erlebt hat. Dort, sagte er, sei die deutsche Meisterschaft "auch nicht jedem ins Stammbuch geschrieben" gewesen.

In Klopps Stammbuch steht seit Jahren: Wird mal Bundestrainer. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es jetzt wirklich und endlich so kommt, ist laut Watzke "größer als 50 Prozent". Wird dann alles gut? "Er hat eine ganze Menge zu tun", betonte Watzke, "da muss man auch ein bisschen Geduld haben." Bei aller Liebe.

Fußball