Am 22. September 2025 trug sich Ousmane Dembélé endgültig in die Geschichtsbücher des französischen Fußballs ein. Mit dem Gewinn des Ballon d'Or krönte er sich zum sechsten Franz heren der Fußballgeschichte, der diese prestigeträchtige Auszeichnung erhalten hat – und trat damit in die Fußstapfen von Legenden wie Raymond Kopa, Michel Platini, Jean-Pierre Papin, Zinédine Zidane und Karim Benzema.
Es war der verdiente Lohn für eine außergewöhnliche Transformation: Von PSG-Trainer Luis Enrique zum „Falsche Neun“ umfunktioniert, glänzte Dembélé mit 35 Toren und 15 Assists. Er war der Fixpunkt einer historischen Saison, in der Paris Saint-Germain das nationale Triple aus Ligue 1, Coupe de France und – als absolutem Höhepunkt – den allerersten Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte holte.

"Es ist eine außergewöhnliche Trophäe für einen Fußballer. Der Ballon d'Or ist der Heilige Gral", schwärmte Dembélé kurz vor der Verleihung.
Ein Jahr später hat PSG den europäischen Thron in Budapest gegen Arsenal erfolgreich verteidigt. Trotz einer von Verletzungen geprägten Saison blieb Dembélé der Mann für die großen Momente. Mit 8 Toren und 2 Assists in 13 Champions-League-Spielen reist er nun in absoluter Topform zur Weltmeisterschaft. Frankreich gilt als einer der Top-Favoriten – doch Dembélé spielt nicht nur gegen die Konkurrenz, sondern auch gegen ein historisches Gesetz.
Der Fluch des Weltfußballers
Seit der Einführung des Ballon d'Or im Jahr 1956 hat noch kein einziger Spieler die Weltmeisterschaft gewonnen, wenn er unmittelbar zuvor als weltbester Spieler ausgezeichnet wurde. Ein Fluch, der selbst die Größten des Sports nicht verschonte.
In der Geschichte der 17 bisher ausgetragenen Weltmeisterschaften seit Einführung des Preises gab es lediglich drei Ausnahmen, bei denen der amtierende Titelträger gar nicht erst auf dem Platz stand:
1958 und 1978 verpassten Alfredo Di Stéfano (Spanien) und Allan Simonsen (Dänemark) jeweils das Turnier, weil sich ihre Nationalteams nicht qualifizieren konnten. 2022 wurde Karim Benzema das Opfer des Schicksals. Nur wenige Wochen nach seiner Krönung verletzte er sich unmittelbar vor dem Turnierstart in Katar und beraubte Frankreich seines besten Angreifers.
Für alle anderen Ballon-d'Or-Gewinner endete die WM-Reise oft in purem Drama. Ein Blick auf die Chronik des Scheiterns:
Der Erste, den der Fluch traf, war Omar Sívori. Der italienisch-argentinische Superstar reiste 1962 als bester Spieler der Welt mit Italien nach Chile – und schied krachend in der Vorrunde aus. Die Azzurri mussten sich hinter Deutschland und dem Gastgeber einreihen.
Ein ähnlicher Albtraum ereilte Cristiano Ronaldo im Jahr 2014 in Brasilien. CR7, auf dem Höhepunkt seines Schaffens, schaffte es nicht, eine limitierte portugiesische Mannschaft am späteren Weltmeister Deutschland und den USA vorbeizuführen. Portugal schied aufgrund der schlechteren Tordifferenz bereits nach der Gruppenphase aus.
Endstation Achtelfinale: Van Basten und erneut CR7
Marco van Basten kam zur WM 1990 in Italien mit seinem zweiten Ballon d'Or im Gepäck. Doch der geniale Stürmer konnte seine Form aus dem Verein nicht auf die Nationalmannschaft übertragen. Die Niederlande – damals amtierender Europameister – schieden in einem hitzigen Achtelfinale mit 1:2 gegen den späteren Weltmeister Westdeutschland aus.
Für Cristiano Ronaldo wiederholte sich die Geschichte 2018 in Russland. Obwohl er mittlerweile drei weitere Goldene Bälle gesammelt hatte und das Turnier mit einem spektakulären Hattrick gegen Spanien eröffnete, war im Achtelfinale Schluss: Uruguay warf die Portugiesen mit einem 2:1 aus dem Turnier.
Im Jahr 2002 war es Michael Owen, der als amtierender Weltfußballer für England auflief. Im Viertelfinale gegen Brasilien brachte er die Three Lions sogar in Führung, bevor ein genialer Freistoß von Ronaldinho aus 30 Metern alle englischen Träume zerstörte.
Vier Jahre später erlebte eben jener Ronaldinho bei der WM 2006 in Deutschland das gleiche Schicksal. Als unumstrittener König des Fußballs und Gesicht des Turniers reiste er an, doch der Zauber verflog. Brasilien wurde im Viertelfinale von einem entfesselten Zinédine Zidane und Frankreich regelrecht vorgeführt.
Auch Lionel Messi blieb nicht verschont. 2010 in Südafrika führte er Argentinien unter Trainer Diego Maradona an. Doch das Turnier endete im Viertelfinale in einer Demütigung: Die Albiceleste ging mit 0:4 gegen eine furios aufspielende deutsche Mannschaft unter.
Bitteres Aus im Halbfinale: Eusébio und Platini
Der "Schwarze Panther" Eusébio (Ballon d'Or 1965) spielte 1966 in England eigentlich ein überragendes Turnier. Mit neun Treffern wurde er Torschützenkönig und schoss Portugal bis ins Halbfinale. Dort war jedoch gegen den Gastgeber Endstation. Am Ende blieb nur Platz drei.
Michel Platini erging es 1986 in Mexiko ähnlich. Als dreifacher Ballon-d'Or-Sieger in Folge führte er die Équipe Tricolore ins Halbfinale, scheiterte dort aber mit 0:2 an Westdeutschland. Der Gewinn der Bronzemedaille war für die Franzosen nur ein schwacher Trost.
Am härtesten traf der Fluch jene fünf Superstars, die den WM-Pokal bereits vor Augen hatten und im Finale dramatisch scheiterten:
Gianni Rivera (1970): Der Mailänder Spielmacher erreichte mit Italien das Endspiel in Mexiko, wurde dort jedoch vom legendären Pelé und dessen Brasilianern mit 4:1 überrollt.
Johan Cruyff (1974): Mit seinem "Totalen Fußball" verzauberte der Niederländer die Welt. Im Finale gegen Gastgeber Deutschland gingen die Elftal zwar in der ersten Minute per Elfmeter in Führung, verlor am Ende aber mit 1:2.
Karl-Heinz Rummenigge (1982): Der zweifache Ballon-d’Or-Gewinner schleppte sich angeschlagen durch das Turnier und musste sich im Finale einem überragenden Italien rund um Paolo Rossi mit 1:3 geschlagen geben.
Roberto Baggio (1994): Das wohl tragischste Bild der WM-Geschichte. Nach einem herausragenden Turnier setzte „Das göttliche Zöpfchen“ den entscheidenden Elfmeter im Finale gegen Brasilien über das Tor – und verharrte minutenlang mit gesenktem Kopf in purem Entsetzen.

Ronaldo (1998): Der damals 21-jährige Brasilianer hatte die Welt im Sturm erobert (4 Tore, 3 Assists im Turnier). Doch ein mysteriöser Krampfanfall am Nachmittag des Finales veränderte alles. Ronaldo spielte zwar, wirkte aber wie ein Schatten seiner selbst. Frankreich siegte im heimischen Stade de France glatt mit 3:0.
Kann Dembélé den Bann brechen?
Die Historie zeigt: Der Ballon d'Or ist vor einer Weltmeisterschaft ein schweres Erbe. Ousmane Dembélé hat nun in Diensten der Équipe Tricolore die Chance, ein jahrzehntealtes Gesetz auszuhebeln. Die Form stimmt, das Team ist stark – doch der Fluch der Geschichte spielt auf dem Platz immer mit.
Zum Match-Center: Frankreich vs. Senegal
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