Südafrika-Trainer Hugo Broos: Der Opa und seine Jungs – "Er verdient eine Statue"

Südafrika-Trainer Hugo Broos feiert den Einzug in die K.o.-Runde.
Südafrika-Trainer Hugo Broos feiert den Einzug in die K.o.-Runde.REUTERS/Raquel Cunha

Hugo Broos wirkt wie der liebenswerte Großvater, der seine Enkel beaufsichtigen muss. Er gewährt viele Freiheiten, aber auf der Nase herumtanzen lässt er sich auch nicht. "Ich liebe Disziplin", sagt der 74 Jahre alte Trainer von "Bafana bafana", den "Jungs" aus Südafrika, "ich bin ja der Coach." Kaum hat er den Satz ausgesprochen, korrigiert sich der Belgier bereits mit einem Blick, der viel über die Beziehung zu seinen Spieler verrät. "Ich bin nicht ihr Coach", betont Broos, "ich bin ihr Freund."

Die offensichtlich innige Beziehung hat sich über bemerkenswert lange fünf Jahre entwickelt, trotz aller Widerstände, trotz aller Kritik in Südafrika mit seinen 62 Millionen "Bundestrainern". "Wir haben den großen Mündern eine Antwort gegeben, die uns gesagt haben, was wir tun sollten", sagte Broos nach dem wie im Rausch erlebten Einzug in die K.o.-Runde - dem ersten im vierten Versuch für den WM-Gastgeber von 2010. "Es ist ein kleines Wunder", sagte er. Die Genugtuung war ihm dabei anzusehen.

Scheinbar haben noch nicht alle in Südafrika verstanden, welch großen Anteil Broos daran hat, dass "die Jungs" am Sonntag (21.00 Uhr MESZ/MagentaTV und Flashscore-Audioreportage) in Los Angeles gegen Kanada um den Achtelfinal-Einzug spielen. Weshalb sich Torhüter und Kapitän Ronwen Williams zu einem Plädoyer veranlasst sah. Er könne kaum in Worte fassen, "was er für dieses Team und das Land getan hat". Broos sei die "höchste Anerkennung" dafür zu zollen, "dass er vom ersten Tag an an uns geglaubt hat. Er verdient eine Statue."

Broos: "Unsere Verbindung ist einzigartig"

Als Spieler kam Broos 24-mal für sein Land zum Einsatz, er gewann mit dem RSC Anderlecht zweimal den Europapokal der Pokalsieger sowie den UEFA-Cup, danach als Trainer in Belgien drei Meistertitel. Dazu führte er Kamerun 1997 zum Gewinn der Afrika-Meisterschaft und die Südafrikaner 2023 auf Rang drei beim kontinentalen Endturnier. "Die Leute", findet Broos, "können schon ein bisschen neidisch sein auf das, was ich erreicht habe." Dass "die Jungs" nun an sich glauben, gehört wohl zu seinen größten Leistungen.

Zum Match-Center: Südafrika vs. Südkorea

"Manchmal hatten wir diesen Glauben nicht", gesteht der 36 Jahre alte Williams, "wir haben nicht daran geglaubt, dass wir da rausgehen, Spiele gewinnen und etwas erreichen können." Broos hat immer an seine Spieler geglaubt, hat sich in all den Jahren immer schützend vor sie gestellt. Auch in den Wochen vor der WM und nach den Spielen gegen Mexiko (0:2) und Tschechien (1:1) "habe ich nie an ihnen gezweifelt, ich war immer sicher, dass wir gute Resultate erzielen werden", denn: "Unsere Verbindung ist einzigartig."

Vor 20 Jahren hat Südafrika beim Afrika-Cup den Titel gewonnen und danach nichts mehr. Trotz der WM 2010, die dem Fußball im Lande ja einen großen Schub geben sollte. Und auch jetzt könnte es bei aller Euphorie einen Dämpfer geben, denn Broos hat klar gemacht, dass das Spiel am Sonntag sein letztes sein könnte - zumindest bei einer WM. "Ich bin jetzt 74. In vier Jahren werde ich 78 sein, das ist kein Alter, um auf der Bank zu sitzen. Diese aufregenden Momente sind nicht gut für die Gesundheit."

Ein bisschen Aufregung am Sonntag und darüber hinaus wird ihm aber wohl nicht schaden.

Verfolge die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026™ mit ZDF bei Prime Video – LIVE-Übertragungen, Highlights und Analysen

Erlebe die WM 2026 mit ZDF auf Prime Video
Erlebe die WM 2026 mit ZDF auf Prime VideoDAZN/Prime Video