Der Weg zur heiß ersehnten Krönungsmesse im dänischen Handball-Tempel tat weh, das ließ sich vor dem EM-Showdown mit Deutschland im Gesicht von Mathias Gidsel ablesen. "Ich werde pro Spiel nicht schöner und schöner", sagte Dänemarks Welthandballer vor dem Finale am Sonntag (18.00 Uhr/ZDF) lachend und drehte beim großen Medientermin in der Jyske Bank Boxen seinen Kopf zur Seite: Dicke Kratzer an der Stirn und am Hals kamen zum Vorschein.
Doch an den Kräften, das unterstrich Gidsel nach dem "absolut härtesten und schwierigsten Spiel" im Halbfinale gegen Island (31:28) ebenfalls, wird es ihm und den scheinbar übermächtigen Dänen nicht mangeln. Die Breite, sagte der Starspieler der Füchse Berlin am Samstag mit Blick auf Deutschlands große Stärke im bisherigen Turnier, bedeute "gar nichts. Die Start-Sieben, die besten Spieler, müssen das morgen entscheiden. So ist das mit einem Finale." Wen er vor allem damit meinte, war klar: Sich selbst!
"Riesenmöglichkeit" EM-Fluch zu beenden
In Herning kommt es nach zweieinhalb aufreibenden Turnierwochen zu dem Moment, auf den Dänemark gefühlt seit Ewigkeiten hinfiebert. Nachdem das Team nach der Vorrundenniederlage gegen Portugal dem großen Sieg-Druck standhielt, soll vor 15.000 ekstatischen Fans im dänischen Handball-Mekka nun der 14 Jahre währende EM-Fluch der Weltauswahl endlich enden.
"Das würde viel bedeuten, endlich diese Europameisterschaft zu holen. Hier zu Hause in dieser Kulisse ist das natürlich eine Riesenmöglichkeit für uns", sagte Gidsel: "Wir wissen, das ist eine schwierige Aufgabe. Für uns hat das eine riesige Bedeutung."
Weltmeister wurden sie nun vier Mal in Folge, Olympiasieger sind sie seit den Sommerspielen 2024 in Frankreich ebenfalls - nur der Europameister-Titel fehlt den Stars von Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen noch in ihrer Vitrine, um den Hattrick perfekt zu machen. Auf europäischer Ebene warten die Dänen bereits seit 2012 auf ihren dritten Titel. 2014 standen sie schon einmal in einem EM-Finale in Herning - und kassierten eine 32:41-Klatsche gegen Frankreich.
Warnung vor Deutschlands "X-Faktoren"
Endet gegen Deutschland jetzt die Durststrecke? "Ein Finale hat sein eigenes Leben", sagte Gidsel und machte auch den großen Respekt vor dem deutschen Team deutlich: "Ich bin überrascht, wie gut die deutsche Mannschaft bei dieser Europameisterschaft ist. Sie haben nicht nur einen Schritt nach vorne gemacht, sondern zwei."
Dabei sprechen die jüngsten Duelle allesamt für die Nord-Europäer. Seit zehn Jahren haben sie kein Pflichtspiel mehr gegen Deutschland verloren - nicht zuletzt die Machtdemonstration beim 39:26 im Olympia-Finale von Lille 2024 schmeckte besonders süß. Auch in der EM-Hauptrunde wurde es zu Wochenbeginn nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte beim 31:26 am Ende recht klar.
Dennoch ist der Respekt im Lager der Dänen riesig. "Sie haben so viele X-Faktoren. Das macht die Aufgabe ein bisschen schwierig", sagte Gidsel und meinte damit vor allem den Rückraum mit Renars Uscins, Juri Knorr, Julian Köster, Marko Grgic oder Nils Lichtlein: "Wir wissen nicht, was kommt."
Gidsel ist der Dauerbrenner bei den Dänen. Der Linkshänder steht jedes Spiel beinahe über die vollen 60 Minuten auf dem Feld - und ist mit 61 Toren aus acht Spielen der alles überragende Torjäger. "Klar, der Körper ist müde, aber ein Spiel geht noch", sagte der 26-Jährige und betonte mit festem Blick: "Wenn du keine Energie für ein Finale hast, bist du nicht an der richtigen Stelle."
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