Final-Schwur von Herning: DHB-Außenseiter "wollen Leben auf der Platte lassen"

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Deutschlands Handballer sehen ihre Rolle als Außenseiter im EM-Finale gegen Dänemark als Vorteil
Deutschlands Handballer sehen ihre Rolle als Außenseiter im EM-Finale gegen Dänemark als VorteilČTK / imago sportfotodienst / Marco Wolf

Das DHB-Team geht als Außenseiter in das Endspiel gegen Dänemark. In der Neuauflage des Olympia-Finals will die deutsche Mannschaft den Partycrasher spielen - und Revanche nehmen für eine schmerzhafte Niederlage.

 Alfred Gislason plauderte entspannt mit den Händen in den Hosentaschen, Kapitän Johannes Golla berichtete gelöst vom Krafttanken mit seinen Kindern: Beim "Speed-Dating" am Tag vor dem großen Final-Showdown gegen Dänemark versprühten Deutschlands Handballer und ihr Bundestrainer ganz viel Lockerheit und noch mehr Optimismus.

"Ich freue mich riesig, dass wir es bis hierhin geschafft haben. Und jetzt hoffe ich natürlich, dass die Mannschaft zeigt, dass sie mehrere Schritte nach vorn gemacht hat", sagte Gislason mit Blick auf das EM-Endspiel am Sonntag (18.00 Uhr/ZDF) gegen Olympiasieger und Weltmeister Dänemark. Er sei sich "ganz sicher, dass der Hunger da ist, sich morgen richtig gut zu präsentieren. Wir werden alles an den Tag legen. Wofür es reicht, weiß man nicht. Die Dänen sind extrem schwer zu bezwingen."

"Haben wir die Chance, Geschichte zu schreiben"

Und Golla meinte während des obligatorischen Mikrofon-Rundlaufs, einem Interviewmarathon mit internationalen Journalisten auf dem Spielfeld der Arena in Herning: "Die Dänen haben individuell die besten Spieler des Planeten. Sie wollen den Bock unbedingt umstoßen. Wir sind aber auch nicht zum Spaß hier."

Auf dem Weg zum ersehnten EM-Gold leistete sich die deutsche Mannschaft einen Schwur. "Wir werden unser Leben auf dieser Platte lassen", sagte Kreisläufer Justus Fischer und schmiedete mit seinen Mitspielern Pläne für eine Revanche. Revanche für das verlorene Hauptrunden-Spiel (26:31) am vergangenen Montag. Revanche aber noch viel mehr für das krachend verlorene Olympia-Finale (26:39) vor anderthalb Jahren.

"Das würde sehr schmecken", sagte Fischer grinsend. Wenn man über 60 Minuten so verteidige wie phasenweise im Halbfinale gegen Kroatien (31:28), könne Deutschland auch die Super-Dänen um Welthandballer Mathias Gidsel schlagen: "Und ich bin mir sicher, dass das am Sonntag passieren wird." Während Linksaußen Lukas Mertens "kein Déjà-vu von Olympia 2024" erleben will, betonte Torhüter Andreas Wolff: "Jetzt haben wir die Chance, uns für ein tolles Turnier zu belohnen und Geschichte zu schreiben."

"Dänemark wird alles zu verlieren haben"

Und ob. Im ersten EM-Endspiel seit zehn Jahren kann sich die DHB-Auswahl vor den Augen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum dritten Mal nach 2004 und 2016 zum Europameister krönen. Die insgesamt fünfte EM-Medaille hat das junge deutsche Team bereits sicher - aber jetzt wollen alle mehr. Auch Spielmacher Juri Knorr hat richtig Lust auf das mit Spannung erwartete Finale in der "Hölle von Herning".

Die Tatsache, dass die DHB-Auswahl zehn Jahre lang nicht gegen Dänemark gewonnen hat? Egal. Dass am Sonntag 15.000 vorwiegend dänische Fans die Jyske Bank Boxen in ein Tollhaus verwandeln werden? Kein Problem. "Wir wollen es genießen", sagte Knorr selbstbewusst: "Wir werden der Underdog sein – aber Dänemark wird alles zu verlieren haben und wir nichts."

Gislason verabschiedete sich am Samstag nach dem Medientermin direkt ins Videostudium. Ein Erlebnis wie bei den Olympischen Spielen soll sich nicht wiederholen. Nach einem bis dahin starken Turnier sei Gislason nach dem Finale "so sauer" gewesen, "weil ich fand, dass die Jungs nach einer Viertelstunde das Spiel einfach verschenkt haben, weil sie sagten, Silber ist auch nicht schlecht", erinnerte sich Gislason: "Das war sehr, sehr bitter."

"Halle wird gegen uns sein"

Der Druck liegt ganz klar auf dänischer Seite, soll das Finale doch zur ultimativen Krönungsmesse werden. Dänemark, das bei den vier (!) vergangenen Weltmeisterschaften den Thron bestieg und auch bei den Olympischen Sommerspielen 2016 und 2024 nicht zu bezwingen war, kämpft am Sonntag nämlich auch gegen seinen inzwischen 14 Jahre andauernden EM-Fluch.

An Herning als Finalstandort haben die Skandinavier zudem keine guten Erinnerungen. Hier, im Mekka des dänischen Handballs, setzte es bei der EM 2014 eine 32:41-Klatsche gegen Frankreich.

Zu gerne würde das deutsche Team diesmal den Partycrasher spielen. "Die ganze Halle wird gegen uns sein. Das ist aber auch ein schönes Gefühl – wenn wir die ein bisschen leise bekommen, dann...", sagte Rechtsaußen Lukas Zerbe und grinste: "Wir wollen natürlich die Goldmedaille noch holen."

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