"Ich wollte Mutter sein": Eisschnelläuferin Lollobrigida erobert Italiens Herzen

Francesca Lollobrigida zusammen mit ihrem Sohn Tommaso
Francesca Lollobrigida zusammen mit ihrem Sohn TommasoREUTERS/Piroschka Van De Wouw

Am Ziel ihrer Karriere-Träume hielt Francesca Lollobrigida ihr größtes Geschenk ganz fest in den Armen. Gerade hatte die Eisschnellläuferin Italien an ihrem 35. Geburtstag das erste Gold dieser Olympischen Winterspiele beschert, doch erst das herzliche Lächeln ihres dreijährigen Sohnes Tommaso machte aus einem "perfekten Tag" den "besten Tag meines Lebens".

Lollobrigida war gerührt und den Tränen nahe. "Ich wollte Mutter sein", sagte Lollobrigida, "und ich wollte Olympiasiegerin werden." Seit Samstag ist die sie beides. Über 3000 m war sie mit olympischem Rekord (3:54,28 Minuten) zum Sieg und die Herzen ihrer Landsleute gelaufen.

"LORObrigida" schrieb die Gazzetta dello Sport in Anlehnung an das italienische Wort für Gold ("l'oro") über die "Königin" der 3000 m: "Francesca, die Diva, Francesca, die Mutter, Francesca, die Kämpferin."

Familie als Stütze für Lollobrigida

Die Geschichte Francesca Lollobrigidas, der Großnichte von Gina Lollobrigida, dem italienischen Filmstar der 50er und 60er Jahre, erzählt von Entbehrungen und dem gerade für Frauen oft schwierigen Spagat zwischen Familie und Leistungssport. "Ich wollte unbedingt zeigen, dass es möglich ist, Mutter und Spitzensportlerin zu sein. Das ist nicht einfach", sagte sie.

Die Wahl ihrer Sportart machte es noch komplizierter. Die fehlende Eisschnelllauf-Infrastruktur in Italien zwang Lollobrigida und die junge Familie zum steten Reisen und einem unbeständigen Leben im Ausland. "Mein Sohn ist mir überallhin gefolgt", sagte Lollobrigida. Ihr Mann und ihre Familie waren wichtige Stützen, vor allem aber motivierte der kleine Tommaso, wenn Lollobrigida zweifelte und ans Aufhören dachte. Mental, sagte sie, sei sie mitunter an dunklen Orten gewesen.

Die Täler liegen hinter Lollobrigida. Auf dem Gipfel des Erfolgs feierte sie nun mit der Familie - und sorgte für emotionale Bilder. "Ich hoffe, dass Tommaso stolz auf seine Mutter sein wird. Die Botschaft, die ich ihm mitgeben möchte, ist: Wenn du einen Traum hast, verfolge ihn."

Träume verfolgt Lollobrigida auch in Mailand noch. Bis zu drei weitere Starts plant die Italienerin, weitere Medaillen könnten folgen. Danach will Tommaso ein ganz besonderes Geschenk machen. "Ich möchte einen weiteren Sohn. Ich will, dass Tommaso nicht allein ist", sagte Lollobrigida und lächelte: "Aber erst nach dem Ende der Saison."