"Massiver Schaden": Randale in Dresden befeuern Sicherheits-Debatte

Unschöne Szenen im Ligaspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC
Unschöne Szenen im Ligaspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSCSEBASTIAN KAHNERT / DPA / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Jagdszenen auf dem Rasen, Pyrowürfe und ein spät verspielter Erfolg - Dynamo Dresden erlebt ein Osterwochenende zum Vergessen.

Die dichten Pyro-Schwaden waren verflogen, Ermittlungsverfahren eingeleitet, ein komplizierter war Polizeieinsatz abgeschlossen - und irgendwann kehrte im Rudolf-Harbig-Stadion Ruhe ein. Der Nachhall des Skandalspiels der 2. Liga zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC (0:1) aber dürfte noch lange zu vernehmen sein.

Die Folgen für den deutschen Fußball ließen sich in den Stunden nach den heftigen Ausschreitungen am Samstagabend noch gar nicht abschätzen.

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"Wasser auf die Mühlen der großen Kritiker"

Jagdszenen im Innenraum, Pyrowürfe auf gegnerische Fans und Hundertschaften auf dem Rasen: zur besten Sendezeit hatten Chaoten am Osterwochenende für Schreckensbilder gesorgt. Die intensiven Diskussionen zum Thema Stadionsicherheit dürften noch einmal an Schärfe gewinnen.

"Bilder, wie wir sie am heutigen Abend gesehen haben, sind nicht akzeptabel und schaden nicht nur unserem Verein, sondern dem gesamten Fußball in Deutschland massiv", klagte Dynamo-Geschäftsführer Stephan Zimmermann: "Wir und zahlreiche weitere Vereine setzen uns seit Monaten für Fan-Interessen und ein sicheres Stadionerlebnis ein – da sind solche Szenen ein absoluter Schlag ins Kontor."

Auch die Hertha-Verantwortlichen waren frustriert. "Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der großen Kritiker. Das ist uns bewusst", sagte Geschäftsführer Peter Görlich: "Wir sind für eine lebendige Fankultur. Aber sobald Gewalt im Spiel ist und man auf die Idee kommt, andere Menschen mit Pyrotechnik zu beschießen, hört es bei mir auf."

Man sollte in der Diskussion um die Stadionverbotsrichtlinien aber "nicht den Fehler machen, alles zu pauschalisieren und diese Thematik direkt hiermit zu verknüpfen", führte Görlich aus. Aber man müsse sich "schon fragen, wo ist die Argumentationslinie, dass man darüber noch sprechen kann. Uns gehen langsam die Argumente aus."

Verhandlungsposition verschlechtert

Vor allem in der Auseinandersetzung mit der Politik. Die hatte zuletzt den Druck auf den Fußball erhöht. So hatten beispielsweise die Innenminister von Nordrhein-Westfalen und Sachsen, Herbert Reul und Armin Schuster (beide CDU), nicht mehr ausgeschlossen, dass Klubs künftig für die Polizeikosten bei Hochrisikospielen aufkommen müssen.

Keine Werbung für lasche Sicherheitsmaßnahmen
Keine Werbung für lasche SicherheitsmaßnahmenČTK / DPA / Frank Hammerschmidt

Auf die Vereine könnten Kosten in Millionenhöhe zukommen. Das Bundesverfassungsgericht (BVG) hatte entschieden, dass die Länder den Klubs Gebühren in Rechnung stellen dürfen.

Die Bilder aus Dresden waren für Dynamos Finanz-Geschäftsführer Zimmermann auch vor diesem Hintergrund "ein ganz großer Schuss in den Ofen" und "vollkommen daneben".

Nachdem in den beiden Fanblocks wiederholt Pyrotechnik abgebrannt worden war, eskalierte die Situation in der 19. Spielminute. Laut Polizei überstiegen Gästefans eine Absperrung und drangen in den Innenraum ein. In der Folge kam es zu Auseinandersetzungen mit Heimfans, von denen ebenfalls etwa 60 Absperrungen überwunden hatten. Es kam zu Auseinandersetzungen, Pyrotechnik und Raketen wurden hin- und hergeschossen.

Einsatzbeamte betraten den Innenraum und trennten die Lager. Das Spiel musste für rund 20 Minuten unterbrochen werden. Auslöser soll laut Dresdens Sport-Geschäftsführer Sören Gonther "wohl ein Fahnenklau" gewesen sein, wie er bei Sky sagte.

Die Dresdner Polizei leitete mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung sowie Ticketbetrugs ein.