Zuvor hatte "Gute-Laune-Onkel" Rudi Völler bereits die nervöseren Seelen beruhigt. Im Falle eines Scheiterns könnte aber selbst der DFB-Sportdirektor mit seinem unerschütterlichen Optimismus nichts mehr retten. "Wir wissen, dass wir das Messer am Hals haben", betonte Geschäftsführer Andreas Rettig.
Zum Match-Center: Deutschland vs. Paraguay
Dessen ist sich der Bundestrainer selbstverständlich bewusst. Seit der Gegner für Montag (22.30 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) in Foxborough feststeht, tüftelt Nagelsmann am Matchplan. Die simple Lösung: "Wir müssen mit dem nötigen Selbstvertrauen aufdribbeln."
Warten auf Wirtz und Musiala - Kroos kritisert Körperlichkeit
Doch werden die Ballkünstler Florian Wirtz und Jamal Musiala endlich durch die Abwehrreihen tanzen - oder bekommt der Favorit wieder Probleme mit der Körperlichkeit des Gegners? Völler gibt sich entspannt. "Ich bin völlig beruhigt und relaxt, die Mannschaft wird alles reinhauen", sagte der Weltmeister von 1990 vor dem Abflug nach Boston. "Der Glaube", versicherte Völler, "ist da, dass wir ans Limit gehen."
Das ist auch dringend nötig. Der herbe Stimmungsdämpfer zum Abschluss der Vorrunde gegen Ecuador (1:2) offenbarte eine längere Mängelliste - besonders in der Zweikampfhärte waren die Probleme unübersehbar. "Tah, Rüdiger und mit Abstrichen Nmecha können über 90 Minuten physisch dagegenhalten, ansonsten sind das alles keine physischen Monster", lautete die besorgniserregende Bestandsaufnahme von Toni Kroos.
Was plant Nagelsmann?
Diese Erkenntnis reifte auch beim Bundestrainer. Doch was soll er in der Kürze der Zeit machen? "Körperlichkeit", räumte Nagelsmann ein, "ist schwer zu trainieren." Bis zum Spiel gegen Paraguay "werden wir uns nichts auftrainieren können im Oberkörperbereich".
FIFA WM 2026
Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird vom 11. Juni und 19. Juli ausgetragen. Bei Flashscore findest du alle Infos zur Endrunde in in den USA, Kanada und Mexiko.
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Es müssen also andere Lösungen her. Nagelsmann erwartet weniger "Harakiri bei der Positionierung" im Offensivspiel. Zudem sollen die Kombinationen schneller werden. "Wir müssen den Ball früher spielen, um dem Zweikampf aus dem Weg zu gehen. Oder wir schaffen im Kollektiv mehr Überzahlsituationen", forderte Nagelsmann.
Kimmich weiter in der Abwehr
Dafür kann er aus dem Vollen schöpfen. Linksverteidiger Nathaniel Brown ist nach leichten Adduktorenproblemen wieder ins Training eingestiegen und sollte seinen angestammten Platz in der Viererkette einnehmen. Das gilt auch für Kapitän Joshua Kimmich, mit dem Nagelsmann trotz öffentlicher Diskussionen weiter hinten rechts plant.
"Die Diskussionen gab es schon immer. Er ist auf beiden Positionen Weltklasse", sagte der gewiefte Krisenmanager Völler und wischte alle Kritik an Nagelsmann weg. Dieser sei schließlich "ein absoluter Top-Trainer".
Kein Gedanke an Frankreich
Trotz einer schwachen Leistung gegen Ecuador dürften Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic eine erneute gemeinsame Chance im Maschinenraum erhalten, auch sonst kämen Änderungen überraschend. Das zuletzt von Nagelsmann geprobte 5-4-1-System gegen den Ball ist gegen Paraguay nicht zu erwarten, dies wäre erst eine Alternative in einem möglichen Achtelfinale gegen Frankreich. "Mit Frankreich", stellte Völler aber klar, "befassen wir uns gar nicht. Da gibt es überhaupt keinen Grund für."

Völler hat das nicht für möglich gehaltene Vorrunden-Aus bei den Turnieren 2018 und 2022 als Mahnung noch im Hinterkopf, außerdem weiß er aus eigener Erfahrung, wie unangenehm Paraguay auftreten kann. Mit Teamchef Völler mühte sich die DFB-Auswahl im WM-Achtelfinale 2002 zu einem 1:0 gegen den Außenseiter, Oliver Neuville traf spät (88.). "Damit könnte ich auch dieses Mal gut leben", sagte Völler und grinste.
Dringend benötigt: Der Neuer-Faktor
Damit ihm das Lachen nicht vergeht, muss sich auch Rückkehrer Manuel Neuer steigern. Der 40-Jährige kassierte vier Treffer bei sieben Schüssen auf sein Tor, gegen Ecuador patzte er erstmals. Dass der erfahrene Neuer mit Drucksituationen umgehen kann, hat er schon oft bewiesen. Doch wie ist es mit dem Rest des Teams?
"Das hatten wir schon einmal gegen die Slowakei. Auch da war der Druck groß", sagte Rettig, er erinnerte bei MagentaTV an das entscheidende WM-Qualifikationsspiel in Leipzig. In der Wiege des deutschen Fußballs schoss sich der viermalige Weltmeister im November mit einem beeindruckenden 6:0 zum Turnier.
Gegen einen solchen Auftritt hätte auch Völler nichts einzuwenden. Dann wäre die Fußball-Nation erst einmal wieder beruhigt.
