Stars, Trinkpausen, Taktik: Die Schlaglichter des ersten WM-Spieltags

Stars, Trinkpausen, Taktik: Die Schlaglichter des ersten WM-Spieltags
Stars, Trinkpausen, Taktik: Die Schlaglichter des ersten WM-SpieltagsFoto von TAKUYA MATSUMOTO / YOMIURI / THE YOMIURI SHIMBUN VIA AFP

AUSSENSEITER - Gut, Curacao bekam richtig was auf die Mütze von Deutschland (1:7). Aber sonst? Außenseiter und WM-Neulinge machten bisher keine schlechte Figur. Kap Verde nervte Spanien (0:0), Katar ärgerte die Schweiz (1:1), die DR Kongo die Portugiesen (1:1), die Jordanier ließen die Österreicher lange Zeit schlecht aussehen (1:3), Haiti verlor nur knapp gegen die Schotten (0:1), Panama erst "last minute" gegen Ghana (0:1) - und auch die Usbeken waren gegen Kolumbien (1:3) kein leicht zu schlagender Gegner. Die ganz große Sensation blieb aus, aber Respekt haben sich die "Kleinen" und Debütanten allemal verschafft.

STARS

Lionel Messi verzauberte die Fußball-Welt mit einem Dreierpack, Kylian Mbappé, Erling Haaland und Harry Kane trafen jeweils doppelt. Die Topstars der WM lieferten am ersten Spieltag nahezu durchweg ab und bewiesen eindrucksvoll, dass individuelle Klasse am Ende häufig den Unterschied macht. "Das Wettschießen hat begonnen", sagte Jürgen Klopp in seiner Rolle als MagentaTV-Experte. Einziges Sorgenkind unter den größten Namen des Weltfußballs: Cristiano Ronaldo. Beim verpatzten Auftakt der Portugiesen gegen die DR Kongo (1:1) kam der 41-Jährige nur auf 25 Ballkontakte und war über weite Strecken abgemeldet.

TAKTIK

Dass der Ball mit dem Anstoß weit in der Hälfte des Gegners ins Aus geschossen wird, um gleich mal ins Pressing gehen zu können, ist nicht neu. Salonfähig gemacht hat das der zweimalige Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain. Aber egal, gut abgekupfert ist besser als schlecht selbst erfunden. Was sonst noch so auffällt: Das 4-4-2, zuletzt dem Trend zum 4-2-3-1 oder 3-4-2-1 zum Opfer gefallen, erlebt eine Renaissance. Und weil nun im Viervierteltakt gespielt wird (siehe Trinkpausen), ist ein schnelles Umstellen möglich.

TRINKPAUSEN

Die neuen verpflichtenden "hydration breaks" sind zwar offiziell als Schutzmaßnahme für die Spieler gedacht, doch viele Fans glauben, sie sollen eher weitere Millionen in die Kassen der FIFA spülen. Denn die übertragenden Sender zeigen in den jeweils drei Minuten natürlich auch gerne Werbung. Zudem finden die Pausen immer statt – unabhängig von der Hitze am Spielort, oder ob die Arena etwa geschlossen ist und klimatisiert wird. Außerdem verändern sie den Charakter des Spiels, für die Trainer sind sie willkommene Auszeiten, um neue taktische Anweisungen zu geben.

HITZE

Die Hitze spielt bisher keine große Rolle. Die Stadien im heißen Texas (Dallas und Houston) sind klimatisiert, gleiches gilt auch für die Arena in Atlanta. Abgesehen von einzelnen Hitzewarnungen und Gewittern, allen voran in Texas und an der Ostküste, gab es bislang keine nennenswerten wetterbedingten Probleme. Die Temperaturen in Kalifornien (Los Angeles und Santa Clara) bewegten sich während der ersten Turnierwoche überwiegend im angenehmen Bereich zwischen 20 und 30 Grad Celsius. Bei vielen Spielen wären die Trinkpausen bisher nicht nötig gewesen.

RASEN

Die Stars sind ja durchaus empfindlich, wenn es um ihren Arbeitsplatz geht. Und längst nicht jeder ist zufrieden mit den Rasenflächen in den 16 WM-Arenen. Frankreichs Adrian Rabiot schimpfte etwa über den Rasen im Final-Stadion: "Der Platz... ich weiß nicht mal, ob man es so bezeichnen kann." Dabei hatte die FIFA in der Vorbereitung auf das Turnier keine Kosten und Mühen (spezielle Grasarten, künstliche Beleuchtung, Bewässerung, Belüftung und Untergrundtechnik) gescheut, über mehrere Jahre hinweg mit Wissenschaftlern daran gearbeitet, perfekte Plätze zu entwickeln, die in allen Stadien möglichst gleich bespielbar sind. Sicher keine leichte Aufgabe bei den unterschiedlichen Klimazonen in den USA, Mexiko und Kanada. Außerdem sind viele Stadien eigentlich NFL-Arenen. Mit dem Ergebnis ist längst nicht nur Rabiot unzufrieden.

Der Rasen ist ständiger Kritikpunkt bei der WM
Der Rasen ist ständiger Kritikpunkt bei der WMFoto von SCOTT STRAZZANTE / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / GETTY IMAGES VIA AFP

NIVEAU

Das Niveau ist trotz der Umstände sehr gut. Durch die Erweiterung der Teilnehmerzahl auf 48 Teams waren viele einseitige Spiele erwartet worden, doch auch die "Kleinen" spielten überwiegend mutig nach vorne. Bis auf wenige Ausnahmen an den ersten Turniertagen gab es viele unterhaltsame Partien und nur ein 0:0, als sich Außenseiter Kap Verde leidenschaftlich einen Punkt gegen Europameister Spanien erkämpfte. Die Auftritte der USA (4:1 gegen Paraguay), des DFB-Teams (7:1 gegen Curacao) und von England (4:2 gegen Kroatien) stachen positiv heraus.

STIMMUNG

Horrende Ticket-Preise, restriktive Einreiseregeln der USA, Gewalt und Proteste in Mexiko - keine Frage, die WM ist keine unbelastete Dauer-Party. Die vor allem auch politischen Kontroversen rund um dieses Mega-Event in drei Ländern drücken bisher die ganz große Euphorie, doch natürlich gibt es auch Ausnahmen. Die legendäre "Tartan Army" der Schotten sorgt wieder für Furore, die norwegischen Fans "rudern" sich in die Schlagzeilen und auch die Amerikaner entdecken ihre Begeisterung für Soccer. Zumindest wenn die eigene Mannschaft spielt. Aber das Turnier hat ja quasi auch gerade erst angefangen.