Zverevs Final-Chance: Ist Alcaraz wirklich unantastbar?

Alexander Zverev möchte erneut das Finale der Australian Open erreichen
Alexander Zverev möchte erneut das Finale der Australian Open erreichenREUTERS

Auf Alexander Zverev wartet in Melbourne die ultimative Herausforderung gegen Carlos Alcaraz. Doch der Spanier könnte wegen seiner unruhigen Vorbereitung verwundbar sein.

Alexander Zverev setzt vor der ultimativen Herausforderung bei den Australian Open auf den Spaß am Spiel: "Ich freue mich einfach auf ein fantastisches Match", sagte er mit Blick auf das Schlager-Duell am frühen Freitagmorgen (4:30 Uhr MEZ/Eurosport und HBO Max) mit Carlos Alcaraz.

Gegen den Weltranglistenersten bestreitet Zverev sein viertes Melbourne-Halbfinale – und hofft, dass der unersättliche Spanier nach einer unruhigen Vorbereitung vielleicht doch angreifbar ist.

Trainerwechsel als Chance für Zverev?

Denn Alcaraz muss in der Rod Laver Arena erst einmal beweisen, dass er wirklich so unantastbar ist, wie er in seinen ersten fünf Matches in Australien wirkte – oder ob er die keinesfalls geräuschlose Trennung von Trainer Juan Carlos Ferrero tatsächlich derart gut verkraftet hat.

Er sei "wirklich dankbar", sagte Alcaraz, der sich im Dezember überraschend von seinem langjährigen Erfolgscoach getrennt hatte, in Melbourne. Aber: Dieses Kapitel in seinem Leben sei nun eben beendet. Mehr wollte der Spanier nicht sagen.

Alcaraz will sich auf die Gegenwart fokussieren
Alcaraz will sich auf die Gegenwart fokussierenREUTERS

Viele Experten aber äußerten ihre Sorge, dass Alcaraz im Laufe des Turniers Probleme bekommen könnte aufgrund der einschneidenden Veränderung.

Der Branchenprimus gab auf seinem Weg ins Halbfinale zwar keinen Satz ab, doch zur Wahrheit gehört auch: Er hat in der neuen Konstellation mit Samuel López als Trainer noch nicht so viel Gegenwehr bekommen wie von Zverev in Topform zu erwarten sein dürfte.

Vorhand verbessert

Der Aufschlag des Hamburgers ist extrem schwer zu knacken. Zu Jahresbeginn bezeichnete er seine Vorhand, die jahrelang als seine größte Stärke galt, überraschenderweise als Schwäche.

Zverev hat an sich gearbeitet
Zverev hat an sich gearbeitetREUTERS/Tingshu Wang

Tatsächlich erreichte er nach intensiven Trainingseinheiten ein noch höheres, beeindruckendes Niveau – und stellte unnötige Fehler weitestgehend ab. Es wird spannend zu beobachten sein, wie Alcaraz damit umgeht.

Match-Center: Alcaraz vs. Zverev

Becker glaubt an Zverev

Am Donnerstag nutzte Zverev seinen zweiten spielfreien Tag in Folge, um abermals auf dem Trainingsplatz an sich zu arbeiten. Die lange Pause nach seinem starken Viertelfinalspiel gegen den US-Amerikaner Learner Tien könnte dem Hamburger allerdings zum Verhängnis werden.

Das glaubt zumindest Tennis-Ikone und Teilzeit-Zverev-Kritiker Boris Becker. "Jetzt kann es ein Nachteil sein, weil er natürlich anfängt, nachzudenken", mutmaßte Becker bei Eurosport.

Tennis-Legende Boris Becker
Tennis-Legende Boris BeckerSina Schuldt / DPA / dpa Picture-Alliance via AFP / Profimedia

"Sein großer Traum ist natürlich, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Und du kannst die Gedanken nicht ausblenden: Was passiert, wenn ich gegen Alcaraz am Freitag ran muss", führte der zweimalige Turniersieger aus: "Was macht der Kopf, das ist für mich die Frage."

Tatsächlich hatte Zverev in der Vergangenheit in den ganz großen Matches immer wieder mit mentalen Schwächen zu kämpfen. Im Finale der US Open 2020 etwa stand er sich gegen Dominic Thiem auf dramatische Weise selbst im Weg.

Doch der 28-Jährige ist gereift – und hat Alcaraz auch schon in wichtigen Partien geschlagen. Etwa in den Viertelfinals der French Open 2022 und der Australian Open vor zwei Jahren. Wenn sein Gegner also am Freitag nur ein bisschen ins Schlingern gerät, spricht einiges dafür, dass Zverev seine Chance ergreift.