Zwar trennen die Weltranglistenerste weiterhin komfortable 1.000 Punkte von ihren engsten Verfolgerinnen, ihr klares Ziel für die kommenden zwei Wochen ist jedoch eine Leistungssteigerung im Vergleich zum Vorjahr. Damals erreichte sie zwar das Finale an der Seine, musste sich dort aber in drei Sätzen Coco Gauff geschlagen geben.
Betrachtet man ihre Ambitionen für das am Sonntag beginnende Turnier, drängt sich der Vergleich mit ihrem männlichen Pendant auf: Jannik Sinner strebt ebenfalls seinen Premierensieg auf dem Pariser Sand an. Im Gegensatz zum Italiener, der die ATP-Tour derzeit fast nach Belieben beherrscht, wirkt Sabalenkas Vormachtstellung im Damentennis im direkten Vergleich jedoch deutlich weniger souverän.
Rückschlag in Madrid gibt zu denken
Dabei verlief der Saisonstart phänomenal: Als Sabalenka im März das "Sunshine Double" bei den WTA-1000-Turnieren in Indian Wells und Miami feierte, hatte sie drei der bis dahin vier gespielten Turniere gewonnen. Ihre einzige Niederlage resultierte aus dem Finale der Australian Open, das sie in drei Sätzen gegen Elena Rybakina verlor.
Mit einer beeindruckenden Serie von 15 Siegen im Gepäck reiste sie anschließend zum Auftakt der europäischen Sandplatzsaison nach Madrid. Alles schien bereit für den vierten Karriere-Titel in der Caja Mágica als perfekte Generalprobe für Paris.

Doch es kam anders: Das überraschende Viertelfinal-Aus gegen die an Nummer 30 gesetzte Hailey Baptiste beendete ihre Träume in Spanien jäh. Auch bei den darauffolgenden Italian Open war bereits in der dritten Runde gegen eine wiedererstarkte Sorana Cîrstea Endstation. Sabalenka gab später offen zu: "Ich habe gespürt, dass mein Körper mich daran hindert, auf höchstem Niveau zu spielen."
"Ich glaube, wir verlieren nie; wir lernen nur dazu. Es ist also okay", gab sich die 28-Jährige nachdenklich, nachdem sie erstmals seit Februar 2025 bei einem 1000er-Turnier bereits in der Runde der letzten 32 ausgeschieden war. Da die Weltranglistenerste auf Sand aktuell nach ihrer Form sucht, präsentiert sich das Tableau in Paris völlig offen.
"Harte Kämpfe" an der Spitze
Elena Rybakina, die Sabalenka bereits im Endspiel der letztjährigen WTA Finals sowie im Januar in Melbourne auf dem Weg zu ihrem zweiten Grand-Slam-Titel bezwingen konnte, zählt in Paris zu den absoluten Top-Favoritinnen – und das, obwohl sie bei den French Open noch nie über das Viertelfinale hinausgekommen ist. Die kasachische Weltranglistenzweite spielt eine ähnlich starke Saison wie Sabalenka und triumphierte im vergangenen Monat beim Sandplatz-Hallenturnier in Stuttgart. Allerdings verliefen ihre anschließenden Auftritte in Madrid und Rom enttäuschend.
Gleichzeitig meldet sich Iga Swiatek zurück. Die einstige Sandplatzkönigin zeigte zuletzt wieder jene Spielfreude, die sie an die Spitze der Weltrangliste und zu vier French-Open-Titeln zu Beginn der 2020er-Jahre getragen hatte. Nach ihrem letzten Triumph in Paris vor zwei Jahren kämpfte die 24-Jährige zwar mit Leistungsschwankungen, doch die neue Zusammenarbeit mit Francisco Roig – dem Ex-Trainer von Rafael Nadal – scheint Früchte zu tragen. Sie hofft, auf ihrem einstigen Lieblingsbelag wieder zu alter Stärke zu finden.
Titelverteidigerin Coco Gauff wird die Trophäe derweil sicher nicht kampflos abtreten. Die Weltranglistenvierte reist mit viel Rückenwind aus Rom an. Dort stoppte sie erst im Finale eine überragend aufspielende Elina Svitolina.
Die 31-jährige Ukrainerin befindet sich in der Form ihres Lebens: In diesem Jahr feierte sie bereits zwei Turniersiege, darunter ihren ersten WTA-1000-Titel seit acht Jahren im Foro Italico. Nach ihrem fünften Viertelfinaleinzug im Vorjahr peilt sie nun den nächsten tiefen Lauf in Paris an.
"Das Turnier in Rom gibt mir viel Selbstvertrauen und ein gutes Gefühl für die French Open", betonte Svitolina. "Aber das Feld ist extrem stark besetzt. Man darf niemanden unterschätzen und muss ab der ersten Runde für harte Kämpfe bereit sein. Jede Spielerin will dich schlagen."
Neben Svitolina gelten auch Madrid-Siegerin Marta Kostiuk, die hochtalentierten Nachwuchshoffnungen Mirra Andreeva, Iva Jovic und Victoria Mboko sowie Amanda Anisimova als gefährliche Außenseiterinnen mit Chancen auf ihren ersten ganz großen Grand-Slam-Coup.
