Auf den ersten Blick scheint vieles für Sinner zu sprechen, der in einem möglichen Traumfinale auf Carlos Alcaraz treffen könnte. Doch Zverev präsentiert sich in diesem Jahr in veränderter Form – mit einem deutlich offensiveren Spielstil, der auch für den Italiener zur Herausforderung werden könnte.
Ein Zverev mit Drang
Der ehemalige Weltranglistenzweite hat sich in dieser Saison von seinem früher eher defensiven Ansatz verabschiedet. Zwar verfügte Zverev schon immer über einen starken Aufschlag, doch inzwischen sucht er häufiger selbst die Initiative und gestaltet die Ballwechsel aktiver.

Diese taktische Umstellung zeigte bereits bei den Australian Open Wirkung, als er Carlos Alcaraz im Halbfinale ernsthaft unter Druck setzte und sogar zum Matchgewinn aufschlug. Auch in Indian Wells unterstreicht seine Statistik den neuen Ansatz: In vier Matches gelangen ihm 102 Winner. Nur der Weltranglistenerste Alcaraz (113) liegt in dieser Kategorie vor ihm, während Sinner (95) und Daniil Medvedev (88) dahinter folgen.
Bereits nach seinem Auftaktsieg gegen Matteo Berrettini (6:3, 6:4) erklärte Zverev, dass er sich "dieses Jahr anders fühlt" und es genieße, selbst der aggressive Spieler zu sein. Diese Eindrücke bestätigte er auch nach dem Achtelfinalsieg gegen Frances Tiafoe: "Ich habe die Ballwechsel vom Grundlinienbereich aus bestimmt und nach meinen Bedingungen gespielt. Ich bin wirklich zufrieden, das ist etwas, woran ich lange gearbeitet habe und heute hat es funktioniert", sagte Zverev nach der Partie.
Verbesserte Werte bei Spielen gegen die Top 10
Mit dem Einzug in die Vorschlussrunde erreicht Zverev zudem einen besonderen Meilenstein: Er steht erstmals in seiner Karriere im Halbfinale von Indian Wells und ist damit erst der fünfte Spieler seit 1990, der bei allen neun Masters-1000-Turnieren mindestens einmal das Halbfinale erreicht hat. In dieser exklusiven Liste steht er neben Legenden wie Rafael Nadal, Novak Djokovic, Roger Federer und Andy Murray.
Trotz seiner starken Form – vier Siege in Folge und eine Bilanz von 8:2 in den letzten zehn Matches – bleibt Zverevs Abschneiden gegen Top-10-Spieler ein entscheidender Prüfstein. In den vergangenen 52 Wochen steht er hier bei 9:3, über die gesamte Karriere betrachtet jedoch bei 40 Siegen und 70 Niederlagen.
Sinner zuletzt: Viel Licht, aber auch Schatten
Auch Sinner zeigte im bisherigen Turnierverlauf unterschiedliche Gesichter. Im Viertelfinale rehabilitierte er sich mit einem klaren 6:1, 6:2 gegen Learner Tien, einen Gegner, gegen den er sich besonders wohlfühlt. In ihren beiden bisherigen Begegnungen – hier in Indian Wells und im Finale von Peking – überließ der Italiener dem Amerikaner insgesamt nur sieben Games.
Zuvor hatte Sinner jedoch auch Schwierigkeiten gegen aggressive Gegner mit starkem Aufschlag. So verlor er in Doha gegen Jakub Mesnik, während er in Indian Wells gegen Jooo Fonseca zwei hart umkämpfte Tiebreaks benötigte, um sich durchzusetzen.
Zum Match-Center: Zverev vs. Sinner
Der Italiener selbst erwartet daher ein enges Match: "Wir kennen uns sehr gut, deshalb werde ich versuchen, so konstant wie möglich zu spielen. Gleichzeitig wird er sicher ein paar Dinge ändern. Ich muss sehr aufmerksam sein", analysierte der Italiener vor der Partie. Los geht es ab 21:30 Uhr deutscher Zeit.
