In den frühen Morgenstunden Deutschlands war es am Samstag einmal wieder geschehen. Nach einem, wirklich soliden Auftritt scheitert Alexander Zverev mit 0:2 an Jannik Sinner. Gestern gewann jener das Turnier in Florida, um sich den nächsten Masters-Titel auf sein Konto gutschreiben zu lassen. Und Zverev? Er ging zum siebten Mal in Folge im direkten Duell leer aus. Dabei konnte er nur in Wien vergangenes Jahr und Cincinnati 2024 dem Branchenprimus überhaupt einen Satz abluchsen. Was fehlt dem Deutschen, um wieder in die Weltspitze des Tennis einzusteigen? Nach einem vielversprechenden Start in das Jahr 2026 ist es bereits das zweite Mal Jannik Sinner, der ihn vor dem nächsten großen Wurf zu stoppen weiß.
In Indian Wells war es ein 0:2 (2:6, 4:6), in Miami dann ein 0:2 (3:6, 6:7). Ob sich hier eine steigende Tendenz ausmachen lässt? Wohl kaum. Aktuell ist der Hamburger sogar auf bestem Wege, einen Negativrekord zu brechen. In Spielen gegen die Top-5 der Welt war zum zwölften Mal in Folge nicht erfolgreich und ist dadurch mit David Ferrer gleichgezogen, der bei dieser, seit 1973 geführten Statistik, bisher die Nase vorne hatte.
Match-Center: Alexander Zverev vs. Jannik Sinner
Dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass Zverev durch seine Diabetes-Krankheit mit erschwerten Bedingungen auf dem Platz agiert, dabei fällt er jedoch nur noch selten durch Erfolge auf, sondern rückt sich selbst immer wieder mit anderen Schlagzeilen ins Rampenlicht. Seien es seine harschen Worte gegen Tennis-Legende Boris Becker, das immer wieder aufkommende Thema über seine Vergangenheit und den Vorwürfen der häusliche Gewalt, welche ohne Urteil eingestellt worden sind oder die mentalen Probleme, die er vergangenes Jahr öffentlich zugab.
Selbst Nadal bemängelt "Passivität"
Der Schuh beim Deutschen drückt und der Zahn der Zeit nagt an dem Trau, doch noch einmal in die komplette Weltspitze aufzusteigen. Dabei war eine mögliche Lösung mit Toni Nadal als neuen Coach naheliegend. Doch der Onkel von der Koryphäe Rafael sagte dem Deutschen ab, Zeitprobleme verhinderten den begabten Coach, eine Zusammenarbeit mit dem DTB-Star einzugehen.

Jedoch hatte dieser einen klaren Wink in Richtung jenem, so wäre er "früher", auch vor seiner Verletzung "weitaus aggressiver" gewesen. Heutzutage sei Zverev einfach "zu passiv" und dieses Merkmal ist auch etwas, dass ihn an den Young-Guns Sinner und Alcaraz scheitern lässt. Beide glänzen nicht nur durch ein hervorragendes Aufschlagspiel, sie suchen auch immer wieder die Initiative im Ballwechsel und machen dazu alle Aufschlage, die returnierbar sind beinahe schon zu ihrem eigenen Service. Gegen Spieler außerhalb die Elite, wie zuletzt gegen Francisco Cerundolo gelang es ihm zuletzt, diese alten Qualitäten aufblitzen zu lassen und ihn auch zum Statement zu verleiten, er hätte seine "Spielweise geändert", jedoch war es hier mehr ein Ausspielen der Schwächen des Gegners, anstatt ein Anstieg des eigenen Niveaus.
Diese Flexibilität und dieser Spielwitz gepaart mit eiskalter Offensive gehen dem Hamburger inzwischen, vor allem gegen die großen Gegner ab, es macht beinahe schon den Eindruck, als hätte er zu viel Respekt, obwohl er neben Novak Djokovic, von den Spielern in der Top-10 die längste Karriere vorzuweisen hat. Es braucht einen neuen Input, eine andere Spielweise, um mit den herausragenden Anlagen und der grandiosen Physis, die Zverev im Moment vorzuweisen hat, das Maximum herauszuholen. Entweder muss sich im aktuellen Team die Spielidee, mit der sie ihren Schützling ins Match schicken komplett ändern oder allgemein ein Coach mit neuen Ideen her, ansonsten wird es für Zverev in den kommenden Jahren dünn und der Traum vom Grand Slam, könnte für immer ein Traum bleiben.
